Es sind eigentlich drei Geschichten, die im Film erzählt werden. Die des vermeintlichen Schriftstellers Robert, der sich einschleicht, um die Vorlage für seinen Roman zu vervollständigen; die der jungen Frau Inga im Osten der Republik, die bei den Großeltern aufgewachsen ist und bisher geglaubt hat, dass ihre Mutter in der Ostsee ertrunken ist, als sie gerade ein halbes Jahr war und eben die ihrer Mutter Anne.
Die Wege von Inga und Robert kreuzen sich, da Robert sich bewusst auf die Suche nach Inga in Mecklenburg macht. Doch er spielt nicht mit offenen Karten. Er erzählt ihr nur, dass er ihre Mutter vor vielen Jahr in Konstanz kennen gelernt hatte. Für Inga bricht eine Welt zusammen, da sie nicht verstehen kann, wieso ihre Mutter sie scheinbar im Stich gelassen und sich nie wieder bei ihr gemeldet hat.
In szenischen Rückblicken erfährt man von Annes Flucht in den Westen im Jahre 1980. Sie hatte einen fahnenflüchtigen russischen Soldaten, in den sie sich verliebte, versteckt und mit ihm die Flucht gewagt. Robert und Inga machen sich auf ihrem Moped mit Beiwagen auf den Weg gen Westen auf die Suche nach der Vergangenheit......
Eine vielschichtige, aber stimmige Produktion mit guter Besetzung. Der starre Gesichtausdruck von Ulrich Matthes vermag einen manchmal zu erschrecken, passt aber irgendwie zu seiner Rolle. Die Großeltern von Inga wirken wie Schuldige bei einem Tatort-Film. Auch die Doppelbesetzung von Inga und Anne durch Anna M. Mühe ist nicht ganz so geschickt, finde ich, zu viel Ähnlichkeit zwischen Mutter und Tochter. Doch ansonsten gibt es an ihrer schauspielerischen Leistung nichts zu meckern.
Es ist nicht zu vergessen, dass es sich um ein Regiedebüt handelt, nämlich von Christian Schwochows. Die Gradwanderung zwischen Vergangenheitsbewältigung und Rührstück ist ihm gut gelungen, d.h. die Gefahr des Abrutschens hat er gut gebannt.