Zu seiner Zeit einer der berühmtesten Dichter deutscher Sprache, von den Großen Anno Domini als Freund, Förderer, und selbst von seinen Gegnern als "literarische Institution" geschätzt, geriet das Riesenwerk des ersten deutschen Litraturnobelpreisträgers (1910) Paul Heyse mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges quasi über Nacht in das Dunkel literarischer Vergessenheit. Der Nationalsozialismus besorgte schließlich den Rest, um das Werk des sog. "Halbjuden" zu schmähen und endgültig aus den Gedächtnissen zu tilgen.
Seit den 1980er Jahren scheint sich eine behutsame Wiederentdeckung vor allem des Novellisten Heyse anzubahnen, von der das vorliegende handliche Bändchen aus dem rührigen Manesse-Verlag, Zürich Zeugnis ablegt.
Und ich muß sagen, es hat sich gelohnt. Mit seiner bildreichen und formvollendeten Sprache gehört Heyse zu den großen erzählerischen Talenten des an Talenten wahrlich nicht armen 19. Jahrhunderts ! Wer Freude daran hat, daß eine Landschafts- oder Personenbeschreibung auch mal länger als ein Satz sein darf, oder wer ungewöhnliche Schicksale und Begebenheiten schätzt, ist hier richtig aufgehoben. Ich empfehle einen gemütlichen Sessel, eine Decke um die Füße, eine Tasse Tee und los geht's mit dem Schmökern (vor allem die Novellen "Andrea Delfin", "Siechentrost", "Himmlische und Irdische Liebe" und "F.V.R.I.A." sind umwerfend). Machen Sie einen Versuch und sie werden es nicht bereuen !