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Novecento: Die Legende vom Ozeanpianisten
 
 
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Novecento: Die Legende vom Ozeanpianisten [Gebundene Ausgabe]

Alessandro Baricco , Erika Cristiani
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (39 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Der Matrose Danny Boodmann findet im Ballsaal eines Luxusdampfers ein ausgesetztes Baby. Da man das Jahr 1900 schreibt und das Neugeborene in der Pappschachtel eines Zitronenhändlers lag, tauft es der stolze Seemann kurzerhand auf den wohlklingenden Namen Danny Boodmann T. D. Lemon Novecento (der Firmenaufdruck auf dem Karton soll dem Namen seines Zöglings seiner Meinung nach das nötige Gewicht verleihen). Er übernimmt von nun an die Fürsorge für den Kleinen. Was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnt: Novecento wird dieses Schiff, die "Virginian", zeit seines Lebens nicht mehr verlassen. Er wird Pianist, Ozeanpianist, verzaubert mit nie gehörten Klängen die Gäste im Ballsaal und spielt unten, bei den Leuten der 3. Klasse, seinen eigenen, aus tiefstem Innern empfangenen Jazz und Ragtime. Unerklärlich für alle, die ihn spielen hören, ist der Sog, den seine Musik auszuüben vermag.

Novecento. Reine Poesie und von seltsam traumhafter Qualität ist diese kleine, tja, was nur -- Novelle? Erzählung? Selbst Alessandro Baricco, dessen Bücher Seide und Land aus Glas auch hierzulande Erfolge waren, tat sich schwer, eine treffende Einordnung für sein Buch zu finden. Ursprünglich gedacht als Theaterstück für einen Schauspieler, beließ er schließlich die Bühnenanweisungen im Text.

Vierzig Jahre vergehen. Novecento geht nicht ein Mal von Bord. Wie eine Allegorie mutet diese Reise im geschützten Schiffsbauch durch Raum und Zeit und unser Jahrhundert an. Dazu diese seltsame, betörende Musik. Welt findet innen statt. Baricco ist mit diesem Büchlein ein großer, kleiner Wurf gelungen. Thematik und Metaphernreichtum lassen durchaus an Schlafes Bruder oder auch an Thomas Manns Zauberberg denken. Jedoch, Signore Baricco, darf man Zweifel anmelden, ob, zumal zu Anfang unseres Jahrhunderts, die Menschen diese an Bronxgangster erinnernde, derbe Sprechweise pflegten?

Und unser Held Novecento? Begeben Sie sich auf die letzte, traurige Fahrt der "Virginian" und -- Sie erraten sicher, wer an Bord ist? --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Novecento
OT Novecento. Un monologoOA 1994 DE 1999 Form Roman Epoche Moderne
Alessandro Bariccos Legende vom Ozeanpianisten (so der deutsche Untertitel) mit dem eigentümlichen Namen Novecento schwebt zwischen romanhafter Erzählung und szenischem Monolog.
Entstehung: Ursprünglich hatte Baricco seinen Text als Theater-Monolog für den Schauspieler Eugenio Allegri (* 1956) und den Regisseur Gabriele Vacis (* 1955) verfasst. Das Ein-Mann-Stück wurde zuerst im Juli 1994 bei einem Fes-tival in Asti aufgeführt. Erst danach entstand die Buch-Fassung, die für den Autor das »Gleichgewicht hält« zwischen einer »tatsächlichen Inszenierung« und einer »Erzählung, die laut zu lesen ist«.
Inhalt: Die »Virginian« ist ein luxuriöser Ozeandampfer, der zwischen Alter und Neuer Welt hin- und herpendelt. Im Jahr 1900 wird auf dem Klavier im Ballsaal erster Klasse ein Baby gefunden, das offenbar von Auswanderern nach Amerika ausgesetzt wurde. Der Matrose Danny Boodman zieht das Kind im Maschinenraum groß und gibt ihm den Namen Novecento (Neunzehnhundert). Als sein Ziehvater stirbt, entpuppt sich Novecento als genialer Musiker, der fortan als Pianist der Bordkapelle zu einer Legende wird. Als hätte er vier Hände, spielt er seine Musik, in der »alle Melodien der Welt« auf einmal enthalten sind. Sowohl die Tanzpartys der Reichen als auch die unter Deck zusammengepferchten Armen bekommen ihn zu hören. Doch in der offiziellen Welt existiert Novecento gar nicht; er hat weder Wohnsitz noch Geburtsdatum, Familie oder Heimat. Nie verlässt er das Schiff, auf dem er geboren wurde. Dennoch scheint er das Festland bis in seine Details zu kennen. Mit einem sensiblen Gespür nimmt er die Erzählungen, Gerüche und Blicke der Reisenden auf und setzt sie in Musik um.
Novecento wird so zur Metapher für die Lebensreise und Heimatlosigkeit des modernen Menschen. Vor allem aber zeichnet der Text ein poetisches Bild des Künstlers in seiner Weltangst. Auch als die »Virginian« im Zweiten Weltkrieg zum Lazarettschiff umgerüstet wird und anschließend verschrottet werden soll, hält Novecento ihr die Treue. Erst am Ende des Romans erfährt man, warum er nie von Bord gegangen ist: Im Unterschied zum Mikrokosmos seines Klaviers mit den 88 Tasten schien ihm die vielfältige Welt in ihrer Unendlichkeit Furcht einflößend; dieser äußeren zog er seine innere Unendlichkeit vor.
Aufbau: Die Geschichte wird von einem Freund Novecentos vorgetragen. Als Trompeter hatte er gemeinsam mit ihm zwischen 1927 und 1933 auf der »Virginian« musiziert. Er erzählt aus der Rückschau, wie Novecento gefunden wurde und zur bewunderten Legende aufstieg. Nach dem Krieg, als der Trompeter von der geplanten Sprengung des Schiffs erfährt, kehrt er zurück, um seinen Freund zu suchen. In der letzten Szene sitzt der Ozeanpianist auf einem Pulverfass, mit dem das heruntergekommene Schiff versenkt werden soll. Durch Regieanweisungen zeigt Baricco an, welche Musik die einzelnen Textpassagen begleiten soll.
Wirkung: Novecento ist an mehreren europäischen Bühnen aufgeführt worden. Zu seiner internationalen Bekanntheit hat jedoch vor allem die Verfilmung des Stoffs durch Giuseppe Tornatore von 1999 beigetragen (mit Tim Roth in der Titelrolle); allerdings zog sich der Film die Kritik zu, den Text von Baricco in ein nahezu kitschiges Fin-de-Siècle-Melodrama verwandelt zu haben. J. V.

Pressestimmen

"Wer hinter diesen Worten die Musik nicht hört, muss taub geboren sein ..." (Martin Mosebach, Frankfurter Allgemeinen Zeitung).

Kurzbeschreibung

Eine wundervolle Erzählung des italienischen Bestsellerautors Alessandro Baricco: die Geschichte des Pianisten Novecento, der im Jahr 1900 auf einem Ozeandampfer geboren wird und ihn nie mehr verläßt. »Wer hinter diesen Worten die Musik nicht hört, muß taub geboren sein«, schrieb Martin Mosebach über »Novecento« in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Über den Autor

Alessandro Baricco, geboren 1958 in Turin, studierte Philosophie und Musikwissenschaft. Seit den sensationellen Erfolgen seiner Bücher »Seide«, »Land aus Glas«, »Novecento« und »Oceano Mare« gehört Baricco zu den großen europäischen Autoren. In Italien wurde er außerdem berühmt durch eine erfolgreiche Fernseh-Literatursendung und die von ihm gegründete Schule für Kreatives Schreiben in Turin. Auf deutsch erschienen außerdem »Hegels Seele oder Die Kühe von Wisconsin« und »City«.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

"Es war immer das gleiche: irgend jemand hob den Kopf ... und entdeckte es. Man kann das schwer begreifen. Will sagen ... Wir waren mehr als tausend Menschen auf dem Schiff, reiche Leute auf Reisen, Auswanderer, seltsame Käuze, und wir ... Einer war immer darunter, der es entdeckte. Mitten im Essen etwa oder bei einem Spaziergang auf der Brücke, möglicherweise nestelte er gerade an seiner Hose, hob dabei kurz den Kopf, um einen Blick aufs Meer zu werfen ... da sah er es. Wie angewurzelt blieb er stehen, das Herz raste und jedesmal, jedes verdammte Mal, ich schwöre es, wandte sich derjenige zu uns um, dem Schiff und uns allen zu und sprach es aus (leise und gemessen): Amerika. Und wie zu einer Fotografie erstarrt blieb er dort stehen, mit einem Gesichtsausdruck, als hätte er selbst es in Eigenarbeit gebaut: Amerika. So als hätte ihm abends nach Feierabend und am Sonntag der Schwager, ein gefälliger Mensch und zufällig Maurer, beim Bauen geholfen, erst sollte etwas Bescheidenes dar aus werden, aus Sperrholz oder so, aber dann ist es mit ihm durchgegangen, und auf einmal wurde es ... Amerika. Er also hatte Amerika als erster entdeckt. So einen gibt es auf jedem Schiff. Man sollte nicht denken, daß diese Dinge per Zufall geschehen ... Auch ist es keine Frage der Dioptrien, es ist Schicksal. So etwas passiert nur den Menschen, bei denen es schon seit jeher in ihrem Lebenslauf geschrieben steht. Hätte man ihnen in die Augen geschaut, als sie noch Kinder waren, hätte man ganz genau hingesehen, dann hätte man Amerika schon darin entdecken können, wie es nur darauf wartete herauszukommen, an Nerven und Blutbahnen heraufzugleiten, um dann - was weißich - ins Hirn zu gelangen und von dort auf die Zunge, hinein in diesen Ausruf (jetzt laut) AMERIKA, es war schon in diesen Kinderaugen vorhanden, vollständig, Amerika. Es war da und wartete. So jedenfalls hatte es mir Danny Boodmann T. D. Lemon Novecento erklärt, der beste Pianist, der je auf einem O zean gespielt hat. In den Augen der Menschen steht geschrieben, was sie sehen werden, nicht, was sie gesehen haben. So sagte er: was sie sehen werden. Wie oft hatte ich Amerika schon gesehen ... Sechs Jahre auf dem Schiff, fünf, sechs Überfahrten im Jahr, von Europa nach Amerika und zurück, immer auf dem schwankenden Schiff; wenn man an Land ging, konnte man nicht mal mehr geradeaus ins Klo pinkeln. Das Klo stand zwar still, aber man selbst schwankte immer noch. Weil, von einem Schiff kann man wohl an Land gehen, aber vom Ozean ... Mit siebzehn war ich auf das Schiff gekommen. Das einzig Wichtige im Leben war mir: Trompete zu spielen. Als dann bekannt wurde, daß sie für das Schiff, die Virginian unten im Hafen, Leute brauchten, hatte ich mich auch angestellt. Ich mit meiner Trompete ..."
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