Um es vorwegzunehmen: der Vorgängerband "Licht", an den das vorliegende "Nova" anschließt hat mich - man kann es nachlesen - als weitsichtiges und wissendes SF Werk und herausragendes Sprachexperiment nachhaltig beeindruckt. Insofern zwei Warnungen: ich ging mit stark positiver Erwartungshaltung in diesen Roman, und: ich glaube nicht, dass man ihn ohne Kenntnis von "Licht" lesen sollte.
Es setzt sich nämlich die bizarre Fremdartigkeit von Harrisons Zukunftsentwurf hier nahtlos fort. Weil die erzählte Geschichte aber für sich schon gewöhnungsbedürftig unrund ist kann ich mir vorstellen, dass man als Neuling von der Phantastik der Welt selbst überrollt wird. Harrison gilt allgemein als hervorragender Prosaist, ist aber bestimmt nicht jedermanns Fall, auch das sei gesagt.
Abseits von Warnhinweisen präsentiert sich hier eine hintergründige Erzählung, die leichtfüßig zwischen Noir und SF umhertänzelt. Die Ereignis-Aureole, eine Zone unerklärlicher, außerirdischer Fremdartigkeit fordert den Reiseführer Vic und seinen Konterpart, den Polizisten Lens Aschemann, zum Tanz um Erkenntnis und Selbstfindung. Das Fremde, Unermessliche messen und objektiv erfassen zu wollen, das stellt Harrison den Protagonisten in Aussicht - um sie letztlich doch scheitern zu lassen. Dabei bieten die realitätsverzerrenden Eigenschaften der Aureole dem Autor eine natürliche Plattform zum Ausspielen seiner sprachlichen Stärken. Selbsterkenntnis im Angesicht des Unerkennbaren - ein Konzept, das in Lems "Solaris" etwas solider und lockerer dargestellt wird. Oft nämlich scheint sich Harrison in seiner eigenen Welt, in den labyrinthischen Seelen seiner Charaktere zu verlieren. Dem Leser wird einiges abverlangt, mehr noch als in "Licht".
Das ist nicht der einzige Grund, warum dieser Roman für mich nicht ganz so gut funktioniert wie sein Vorgänger. Während "Licht" noch mit einer wohl teils verworrenen, aber sich stets vorwärts gehenden Handlung aufwarten kann schleppt sich "Nova" durch Passagen der Charakterstudie. Das reine Wunder der bizarren Entwürfe vermag nicht mehr so zu überraschen und begeistern, und letztlich scheint der Abschluss des Buchs mir schwierig bis zum Punkt der Rätselhaftigkeit: Was will der Autor uns sagen? Die englische Fachkritik weiß hier mehr zu entdecken als ich. Aber vielleicht - und das bleibt mein Fazit - soll dieser Roman in seiner Weigerung, vom Leser logisch erfasst zu werden, einfach sein Thema bis in die letzte Konsequenz umsetzen.