Dieses Buch wirbt für ein heutiges Christentum und ist insofern
ausgesprochen hilfreich.
Wir leben in einem Modernisierungsprozess.
Matthias Kroeger beschreibt einleuchtend wie die Modernisierung
(ja, Moderne wäre wohl das falsche Wort) die Kirche in eine
Spannung versetzt die sie nicht aushält, weil sie sie nicht
akzeptiert.
Insofern scheint die Kirche für die durchschnittlichen
Zeitgenossen auch unakzeptabel. Das wird plausibel dargestellt
also nicht verdrängt, sondern analysiert.
Hier spricht ein detailierter Kirchenkenner und Theologe und
plädiert aus einer, sagen wir, aufgeklärten Sicht in beide
Richtungen:
Er weist nach, warum die Kirche notwendig ist. Insbesondere gibt
es ohne die Kirchen ein humanes und spirituelles Vakuum. Wir
geben unsere Wurzeln weg und liefern uns einer globalen
Ökonomie aus.
Kroeger argumentiert aber auch in die andere Richtung:
Die Kirche soll das distanzierte Kirchenmitglied kennen
(im Doppelsinn) und sich so wandeln, dass sie sich öffnet.
Warum gibt es zB keine klare und einheitliche Haltung der
Kirchen zum Kirchenasyl?
Was mir persönlich gut gefällt ist, dass die zeitgenössische
Kirchen- und Christentumskritik nicht unter den Tisch fällt,
sondern angenommen wird.
Kroeger zeigt, wie etwa mit Paul Tillich eine angemessene
Theologie möglich wäre. Es wird sogar eine theologische
Wandlungsmöglichkeit für Kirchen aufgezeigt.
Kann man die Satisfaktionslehre überwinden? (Der Philosoph
Schnädelbach wetterte vor kurzem in einem Artikel gegen die
Krämerseele Gottes.) Gibt es ein Neuverständnis des Bösen?
Gibt es ein Ende der Absolutheit Christi und des Theismus?
Kroegers theologischer Ansatzpunkt (anthropologisch "Du sollst"
zu verstehen und auf diesem Boden die Theologie zu entwickeln)
ist vom Programm her sehr einleuchtend (Gogarten). Für mich
hat es den Schönheitsfehler, dass eine Theologie des inneren
Schweinehunds nur EIN Weg ist. Solange jemand "Du sollst" sagt,
(noch nicht einmal negativ wie in "Du sollst/wirst nicht töten")
kann ich gerade noch nicht meinen spirituellen Weg finden, weil
genau dadurch die Person im Theismus entsteht. Durch die
persönlich fordernde Gegenüberstellung wird der Weg (Dao)
verstellt.
Gut, aber das ist meine Meinung.
Dass es einen Schönheitsfehler gäbe, bedeutet ja vor allem, dass
dieses Buch schön ist.
Hätte ich beinahe segensreich geschrieben? - Ja.