"Notrufe" enthält zehn Fallgeschichten aus der Psychotherapie, und zwar aus zehn unterschiedlichen Praxisformen, mit unvergleichbaren Patienten und Notsituationen nach verschiedenartigen Schulen und Konzepte der Psychotherapie. Jedes Kapitel beginnt mit einer kurzen Darstellung des Ortes und der Art der Behandlungspraxis, in der sich der Fall zutrug.
Der apathische fünfjährigen Jessi wird von seiner Mutter auf den Armen ins Behandlungszimmer getragen...
Josef, 45: sorgt sich um seine Lebensgefährtin, die ihn ohne ihn völlig unselbständig und hilflos sei...
Ivonne, Mitte zwanzig, braucht einen Sofort-Termin: Sie erinnert sich nicht mehr an den Vormittag desselben Tages und empfindet "eine rätselhafte Verstimmung"...
Ruth, Studentin, hat Probleme bei der Versorgung ihres Aquariums: Wenn sie die Fische betrachte, habe sie manchmal Angst, ihr Gehör zu verlieren...
Xaver, unter den Psychiatern beliebter Student der Psychiatrie, legt sich nicht wie üblich zur Lehranalyse auf die Couch, sondern beginnt er eine Diskussion über die rechte Möblierung des Sprechzimmers...
Egon, 12, versage in der Schule, treibe sich herum, bringe unbekannte „gefundene" Gegenstände nach Hause...
Egons Eltern begeben sich kurz darauf selbst in Behandlung. „Ich bin das schwarze Schaf. Er ist der weisse Schwan. Können sie sich eine Ehe zwischen zwei so verschiedenen Tieren vorstellen?" fragt Egons Mutter...
Die letzten drei der zehn Fälle schildern eine Gruppentherapie in der ambulanten psychotherapeutischen Praxis, eine Gruppentherapie in der psychosomatischen Klinik und ein Gruppengespräch auf einer Fortbildungsveranstaltung für Personen, die in helfenden Berufen tätig sind.
Nicht nur die Patienten sind in diesem Buch hilflose Menschen. Sachlich und offen stellt das Buch auch den Therapeuten mit seiner eigenen Biografie und seinen individuellen Grenzen und Begabungen vor.
"Notrufe" ist kein Fachbuch. Jeder, der gern Menschen um sich hat und manchmal um Rat gefragt wird oder selbst andere um Rat fragt, wird dieses kurzweilige Buch mit Gewinn lesen. Doch auch Fachleute werden es gern lesen und an vielen Stellen darüber schmunzeln.