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Notizhefte [Gebundene Ausgabe]

Henning Ritter
3.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
  • Verlag: Berlin Verlag (4. September 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3827009588
  • ISBN-13: 978-3827009586
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 14,4 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 51.924 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Preis der Leipziger Buchmesse 2011 Kategorie Sachbuch/ Essayistik

"Schon jetzt ein Klassiker der Gegenwart." (Die Zeit )

"Ein kostbares Werk." (FAZ )

Kurzbeschreibung

Die Lieblingsepoche des Autors ist fraglos das 18. Jahrhundert der Rousseau und Montesquieu, gerade wegen der Geständnisfreude, mit der es seine Leidenschaften bekennt. Vor allem aber interessiert ihn die geistige Konkurrenz zwischen den Epochen und Traditionen, das Unerledigte der Vergangenheit, ihre Lektionen; und die Gegenwart, als zuletzt kommende, wird um ihre scheinbare Überlegenheit gebracht, alle Perioden erhalten die gleiche Chance. Und so entsteht ein Gespräch zwischen den unabhängigsten Köpfen von der Aufklärung bis heute, von Montaigne bis Nietzsche und Darwin, von Büchner bis Canetti, Jünger und vielen anderen - ein Füllhorn voller immer wieder überraschender Lesefrüchte, Entwürfe, Maximen und Reflexionen; mit wiederkehrenden Motiven und Themen, wie etwa (unter dem Stichwort "Deutsche Dinge") die beständigen Eigenarten der Deutschen, die Rolle von Mitleid und Erinnerung in der heutigen Gesellschaft oder die Konkurrenz von Politik und Kultur in der deutschen Geschichte. Die Notizen bewegen sich zwischen der lakonischen Knappheit des Aphorismus und dem Kurzessay; Spontaneität und Zufall sind ihr Signum, und sie sind ungeplant, notiert in ein Heft, das jederzeit zur Hand war. Es sind, um mit einer seiner schönen Trouvaillen zu sprechen, "Denksteine, die um und um gewendet werden müssen" (Goethe), Gedanken im Wartestand, die darauf warten, dass Autor und Leser sich ihnen zuwenden, um Gebrauch von ihnen zu machen. Henning Ritters Notizhefte sind ein sehr persönlicher Beitrag zur Auseinandersetzung mit dem zeitgenössischen Denken im Spiegel einer unvermutet aktuellen Vergangenheit.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
79 von 86 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Das ist ein Buch, von dem vielleicht die Historiker in einigen Jahrzehnten sagen, es sei eines der ausdrucksstärksten Dokumente einer längst vergangenen Zeit und Epoche. Henning Ritter, ein Intellektueller der alten Schule, war für die FAZ von 1985 bis zum Jahr 2008 (man beachte diesen enormen Zeitraum!) zuständig für den Bereich Geisteswissenschaften und hat die philosophische und geisteswissenschaftliche Debatte in dieser Zeit durch zahlreiche wichtige Bücher bereichert.

In dieser ganzen Zeit und auch lange Jahre zuvor hat er für sich ganz allein Notizhefte geführt. Dabei ließ er sich von Anfang an durch Georg Christoph Lichtenbergs "Sudelhefte" inspirieren. Nun hat er in einem durch Dünndruck doch sehr umfangreichen Buch etwa einen zehnten Teil dieser enormen Produktion der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Jeder, der das Buch in die Hand nimmt, sei gewarnt: er wird es so schnell nicht mehr aus der Hand legen können. Man gerät immer tiefer in die Gedankenwelt Ritters hinein, lässt sich faszinieren von seiner Sprachkunst und seinen tiefsinnigen Bemerkungen. Von kurzen Aphorismen bis zu Texten, wo ihn ein einzelner Gedanke zu einem ganzen Essay treibt, von politischen Einschätzungen, die in der Regel skeptisch bleiben, wie es sich für einen ernsthaften Intellektuellen gehört, bis hin zu zahllosen kleinen Texten über die Bücher alter und neuerer Denker, die er gelesen und scharfsinnig kommentiert hat, geht das Spektrum dieses Buches - und immer gehen die Texte "darüber hinaus".

Sie erinnern an Adornos "Minima Moralia" und haben ihr gegenüber doch den Vorzug weitaus größerer Offenheit. Wo Adorno apodiktisch formuliert und urteilt, nennt Ritter das eine "Signatur der Rechthaberei", die die "Anmut der Prosa" vernichte.

Von solcher Anmut ist man auf fast jeder Seite dieses bemerkenswerten Buches gefangengenommen. Während und nach seiner Lektüre schmerzt die Flachheit der gegenwärtigen Diskurse und ihre sprachliche Erbärmlichkeit ganz besonders.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Gut geschrieben ist Ritters Auswahl aus seinen Notizheften allemal, schon deswegen lohnt die Lektüre. Der Titel GLOSSEN oder MARGINALIEN würde das Genre allerdings präziser beschreiben als NOTIZHEFTE. Die klassische NOTATliteratur bedarf der anekdotischen Würze. Hier aber handelt es sich zu 99 % um Zitate und Kommentare zu Lektüren. Man findet so gut wie keine Notizen zu Erlebtem und Erfahrenem. Ängstlichkeit? Ignoranz? Jedenfalls könnte diese Abstinenz eine gewisse Fadheit erklären, die als Nachgeschmack bleibt. Denn so weit der geistesgeschichtliche Horizont Ritters, so eng der zeitgeschichtliche. Wie die meisten westdeutschen Intellektuellen seiner Generation hat auch Ritter irgendwann seine Wahl zwischen dem sogenannten Engagement und der Kulturbürgerlichkeit getroffen. Gemeinsam ist dieser Generation, daß sie nichts erlebt hat, was sie existentiell aus der Sauerstoffarmut der alten Bundesrepublik hätte herausführen konnte. Von Anfang an erfuhr sie wohlfahrtsstaatliche Sicherheit als geistige Schaffensbedingung. In gewisser Weise endet daher ihre Welt am Schreibtischrand: Noch 21 Jahre nach der deutschen Vereinigung nennt Ritter "Frankfurt" (an der Elbe? am Rhein?) als Erscheinungsort seiner Notizhefte. Von Begegnungen mit Deutschen rechts der Rheingrenze liest man nichts. Das Fremde begegnet Ritter durchweg in gezähmter Gestalt erlesener Lektüren (vorwiegend französische und deutsche Autoren des 18./19. Jahrhunderts; viel Nietzsche) und anekdotischer Petitessen. So erfährt man, daß die Revolution 1848 für Frankreich die Einführung der Briefmarke brachte. Erfahrung und Reflexion zu einem welthistorischen Ereignis ersten Rangs im eigenen Jahrhundert, nämlich Aufstieg und Fall des Kommunismus, fehlen dagegen fast völlig.
"Die schönsten Einsichten sind doch - die Funde." (S. 88) Außerhalb von Büchern findet Ritter wenig. Er weiß trefflich zu formulieren, manches erreicht aphoristische Prägnanz. Doch nicht zufällig fehlt Ritters Aphorismen die geschliffene Bösartigkeit eines Johannes Gross oder die luzide Bitterkeit eines Jürgen Große. Glanz und Elend des Bildungsbürgers ist es, daß er auf stabile Außenbedingungen vertrauen kann und wohl auch vertrauen will. Dieses Schreiben fühlt sich gegenüber seinen Themen ganz frei, durch nichts genötigt. Die Grenzen zeigen sich folgerichtig bei Autoren wie Kafka, Kierkegaard oder Cioran. Deren innerste Antriebe bleiben ihrem Kommentator Ritter letztlich fremd.
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20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Die "Notizhefte" sind in gewisser Weise eine Fortsetzung von "Der lange Schatten", in denen Ritter seine Artikel in der FAZ von 1985-1990 veröffentlicht hat. Ritter veröffentlicht mit den "Notizheften" seine Gedanken des Tages der Jahre 1989 bis 2009. Die Gedankensplitter eines wertkonservativen Intellektuellen. Das Notizheftformat ist unverkennbar: Unfertiges, literarische und philosophische Entdeckungen, wenig Systematisches, Miszellen. Unterhaltsam meist, manches zum Nachdenken oder Erstaunen. Kämpfe um Deutungshoheit einerseits, auch konservative Selbstvergewisserung. Ritter bezieht sich positiv auf Montesquieu, Montaigne, Voltaire, auf Kritiker der frz. Revolution.
Interessant, auf welche Traditionen sich Ritter positiv bezieht. Es sind die die aufkärerischen, aber auch antirevolutionären und rechtsliberalen Denker des frühen 19.Jhdts.

1990 war eine politische Zäsur, auf die die deutschen Intellektuellen verschiedener politischer Coleur kaum oder hilflos ("neue Unübersichtlichkeit") reagiert haben. Ritter verspottet die (meist linken) Intellektuellen, die mit der bürgerlichen Revolution von 1989/90 ihre Probleme hatten, dafür, dass sie es sich in der alten BRD so gemütlich eingerichtet hatten. Das Buch von Ritter ist aber nicht nur auch das eines Intellektuellen der alten Bundesrepublik. Ritter bezieht sich vor allem auf die Traditionen des 19. Jhdts. und der "Moderne" des 20. Jhrdts. Es reagiert geistig nicht auf politische Veränderungen seit 1990 (außer einer Notiz zu 9/11, wo es abe eher um Fragen des Verhälnisses von Medien und Realität generell geht).
Dies ist aber auch kein politisches Buch im engeren Sinn, sondern ein kulturgeschichtliches Notizbuch. Trotzdem ist es etwas enttäuschend, wie wenig die Aktualität des politischen Prozesses von 1989 bis 2009 Ritter zu grundsätzlichen Fragen Anlass gibt. Ritters Bezugspunkte sind vor allem Intellektuelle der bürgerlichen Literatur und Philosophie des 19. und beginnenden 20.Jhtds: Valery, Chamfort, Zola, Proust, Renard etc. und vor allem Stendhal (!), auf deutschsprachiger Seite Nietzsche, Jünger, Carl Schmitt, Benn, etc., mit denen er sichauseinanderstezt, dren Gedankenwelt sein "weites Feld" ist.
Ritters "Notizhefte" dient vielleicht dem einen oder anderen Konservativen als geistige Selbstverständigung gegen die intellektuelle Armut der Rechten heute. Der immer wieder zu hörende Vergleich mit Adornos "Minima Moralia" ist aber falsch. "Die Notizhefte" sind kein moralisches, kein handlungs(an)leitendes Buch, sondern ein Buch intellektueller konservativer Rückbesinnung auf frühere (Hoch-)Zeiten des konservativen Bürgertums (Voltaire), eher vergleichbar mit La Rochefoucauld, aber weniger aus der Beobachtung der äußeren Welt, mehr in der Reflektion auf Gedanken und Handlungen anderer Denker und Literaten.
Ritter schreibt mit Blick auf G.Benn: "Geistige Menschen dürften auch heute jene sein, die ein besonderes Sensorium haben für Entwicklungen (...), die darauf warten, (Wirklichkeit) zu werden." (177). Ritter ist ein zu literarischer Kopf, als dass er die kommenden Wirklichkeiten hat wahrnehmen können. Ritter ist ein vor allem zurückschauender, eurozentischer homme des lettres, kein Intellektueller im Sinne des intellectuel engage, sein typologischer Gegenspieler, und schon gar kein Utopist oder Romantiker.
Und was den von vielen Rezensenten immer wieder mornierten Preis angeht: Bei der geringen Auflage für diese Literatur ist er nahezu normal, zumal als Hardcover, und seit wann wird Qualität in Preis und Anzahl der Seiten gemessen? Man kann froh sein, dass in Deutschland (anders als fast überall sonst in Europa und der Welt) solche Bücher noch erscheinen, weil sie über die Bestseller mitfinanziert werden.
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