Lange bevor man Gedächtnistraining googeln konnte, stieß man auf den Namen Geisselhart. Als Oliver Geisselhart 16 war, feierten ihn die Medien 1983 als jüngsten Gedächtnistrainer. Und sein Onkel Roland R. Geisselhart war der erfolgreicher Buchautor. Inzwischen ist die Geisselhart-Methode so bekannt, dass man meinen könnte, diese Technik sei vorher tatsächlich unbekannt gewesen. Ist sie natürlich nicht. Denn auf die Idee, das limitierte Faktengedächtnis mit bildhaften Assoziationen zu überlisten, kamen schon andere. Doch das Verdienst der Geisselharts ist es, diese Vorgänge zu systematisieren und medial gekonnt zu vermarkten. Und als guter Marketer und erfahrener Gedächtnisspezialist weiß Oliver Geisselhart, dass wir uns nur die Nummer 1 merken. Also unternimmt er alles, um im Gespräch zu bleiben, wozu nebst dem Publizieren von Büchern vor allem Vorträge und Seminare gehören. Hier als das neuste Buch.
Unterteilt in 6 Kapitel wird dem Leser die Methode anschaulich, klar und didaktisch geschickt vorgeführt. Zuerst wird man daran erinnert, wie schön es wäre, wenn aus einem Gedächtnissieb ein Behälter würde, in dem die Dinge länger als ein paar Sekunden liegen bleiben. Dann wird die Methode vorgestellt, wie sich die Löcher im leidigen Sieb mit Assoziationen stopfen lassen. Mit diesen Grundlagen ausgerüstet geht es in Alltagssituationen des Privatlebens. Und da jeder Leser schon peinliche Situationen erlebte, in denen er wichtige Zahlen, Telefonnummern, Geburtstage, PINs, Listen, Personennamen oder Vokabeln vergaß, muss er vom Autor kaum zum Üben motiviert werden. In den nächsten drei Kapiteln wird dann gezeigt, wie die Methode bei Kindern, bei Prüfungsvorbereitungen und im Beruf funktioniert. Wie sich die Methode in den Alltag integrieren lässt, steht schließlich im sechsten und letzten Kapitel.
Zwischen den Büchern vom Oliver und Roland Geisselhart liegen Welten. Nicht inhaltlicher Art, sondern was die Gestaltung betrifft. Das schöne und einladende Layout gab denn auch den Ausschlag, das Buch mit fünf Sternen zu bewerten, obwohl mir die abgegebenen Versprechen des Autors zu vollmundig sind. Wer seit einem Vierteljahrhundert den gleichen Job macht, vergisst selbst als Gedächtniskünstler, wie lange man bis zur Meisterschaft üben muss. Der Leser darf also auch von der Geisselhart-Technik nicht erwarten, sie ersetzte das mühsame Üben. Immerhin gibt es noch eine CD dazu, deren Inhalt und zeitliche Länge mich allerdings enttäuschte.
Mein Fazit: Man kommt auch bestens ohne solche Trainings durchs Leben. Aber wem es wichtig ist, sein Faktengedächtnis zu verbessern, findet hier eine bewährte Methode. Mit fünf Sternen zeichne ich das Buch aus, weil es eine alte und bekannte Technik auf neue und schöne Art vermittelt.