Groß war für mich die Freude, als ich hörte, dass Badly Drawn Boy nach einer über dreijährigen Sendepause wieder ein neues Album veröffentlichen würde. Die Tatsache, dass es sich "nur" um einen Soundtrack handeln würde, machte mich aber ein wenig skeptisch. Könnte sich in diesem Format ein wirklich eigenständiges Werk entfalten?
Badly Drawn Boy hat mit seinem Soundtrack zum Film "About a boy" aus dem Jahre 2002 schon einmal bewiesen, dass er durchaus im Stande ist, Filmmusik zu schreiben, die unabhängig und losgelöst vom Film bestehen kann. "Is there nothing we could do?" - die Musik zum britischen TV-Film "The fattest man in Britain" - ist hingegen weit weniger eigenständig. Allerdings gereicht ihr das nicht wirklich zum Nachteil. Bei den ersten Hördurchgängen fand ich es zwar schade, dass nur 5 vollständige Songs auf dem Album sind, während es sich bei den anderen Stücken um Variationen dieser Songs oder kurze Instrumentals handelt. Kompositorisch ist dieses Album aber sicherlich das reifste, was BDB bisher veröffentlicht hat. Einige Leitmotive ziehen sich als roter Faden durch das Werk und geben dadurch Musik und Film Struktur.
Die Instrumentierung ist größtenteils sehr zurückhaltend, was die Melancholie der Stücke noch betont. In der Verspieltheit seines "Bewilderbeast"-Albums oder des Pomps von "Have you fed the fish?" wurde gar nicht so sehr deutlich, wie traurig seine Musik sein kann. Definitiv kein Album, dass die Stimmung hebt. Aber dafür Musik, die man mit Genuss hören kann.
Ich habe den Film "The fattest man in Britain" mittlerweile gesehen (sehr gelungen übrigens!) und muss sagen, dass die musikalische Untermalung extrem gelungen ist. Während "About a boy" also besser als Album funktionierte, als Filmuntermalung aber nicht immer ganz passend war, ist es mit "Is there nothing we could do?" nun umgekehrt. Es ist eine hervorragende Filmmusik, als eigenständiges Album funktioniert es aber nicht vollständig.
Aber alleine der wunderschöne Titelsong "Is there nothing we could do?" entschädigt schon vollständig dafür, dass es sich "nur" um Filmmusik handelt. Auf jedem Fall hilft dieses Album dem leidenschaftlichen Badly Drawn Boy - Fan, die Wartezeit auf das nächste komplette Album zu überbrücken. In der Tat die bestmögliche Überbrückung, die man sich hätte vorstellen können.
Vielen Dank für 10 Jahre großartiger Musik in meinen Ohren!