Sebastian Deisler, Fußball-Profi. Owen Wilson, Schauspieler. Maximilian Hecker, Pop-Star. Die müssten doch eigentlich alles haben, sie stehen im Rampenlicht. Doch der Sportler bekommt Depressionen, der Komiker will sich umbrigen, und der Musiker gammelt vor sich hin. Nur weil man populär ist, muss man nicht unbedingt glücklich sein. Das zeigt Maximilian Hecker auf seinem Album "I Am Nothing But Emotion...", seinem sechsten oder siebten Langspieler (Wikipedia ist sich da selbst nicht so sicher).
Hecker, eh schon nicht der Ausgeflippte, hat sich in seiner Wohnung verbarrikadiert, trägt Jogginghose, lässt sich einen Bart wachsen und nimmt eine introvertierte Platte auf, nur er selbst, mit Klavier, Gitarre oder Glockenspiel, dazu seine Stimme. Die wird durch Hall-Effekte verfremdet, wirkt unnatürlich. Und das ist vielleicht auch der einzige große Kritikpunkt an diesem Album. Wenn Hecker schon alles so roh aufnehmen will, wie möglich, dann hätte er auch Vertrauen in seine eigene Stimme haben müssen.
Alle Welt schreibt natürlich im Zusammenhang mit "I Am Nothing But Emotion..." über Heckers Nacht mit der japanischen Prostituierten Nana und welchen Anteil sie bei der Entstehung dieser Platte hatte. Aber ist es nicht vielmehr besagte Künstlerin, die Hecker im erklärenden Booklet, der eher gedankt werden muss für diese verträumte, bezaubernde und wunderschöne Musik? Wenn man so will war sie die Inspiration von vier Tracks auf dieser Platte. Einer von ihnen ist "Holy Dungeon", das erste richtige Musikstück nach dem gesprochenen Opener. "Holy Dungeon" erinnert an Yann Tiersens Filmmusiken, besonders an "Good Bye, Lenin!".
Wer die Platte kritisieren will, der wird auch schnell fündig. Über eine Dauer von 50 Minuten ist es schwer, nur mit ruhigen Balladen die Spannung aufrecht zu erhalten. Das ist eigentlich ein bisschen wenig. Und wenn man dann auch noch Heckers persönliche Situation und die Gründe für die Entstehung des Albums in allen Details dargelegt bekommt, dann dürfte das einigen ganz schnell auf den Keks gehen. Verstehen kann man sie. Aber wenn dann so tolle Momente dabei herauskommen, wie bei "Glaslights" (und besonders am Ende der Kinderlied-Version von "Glaslights" namens "Your Kingdom) oder etwa bei "The Greatest Love of All", dann ist das egal. Selbst "Grandiosity", eine unglaublich kitschige Ballade, gelingt ihm. Misslingen tut Maximilian Hecker auf diesem Album, über dessen Qualität man durchaus geteilter Meinung sein darf, meines Erachtes überhaupt recht wenig.