Mit dem 2. Buch aus der "kompakt"-Reihe versucht Thieme m.E. in Konkurrenz zur BASICS-Reihe des Konkurrenten Elsevier zu treten.
Das DIN A4-Format und der schmale Buchrücken sind bestens geeignet um die Notfallmedizin in 119 Abbildungen und 24 Tabellen oberflächlich darzustellen.
Da liegt leider auch der Teufel im Detail. Es wird z.B. das Rendez-vous-System klar dargestellt, aber kein Wort über dessen Vorteil verloren. Oder wurde das System etwa nur eingeführt, damit der Rettungsdienst auch mal mit schnellen, kleinen PKW (=NEF) unterwegs sein darf?
Ebenso fragwürdig zwingend scheint mir die Darstellung eines Rettungshubschraubers vom Typ EC 135 neben dem Intensivtransporthubschrauber vom Typ BK 117...oder wollte man damit nur Streit mit dem ADAC oder der DRF vermeiden?
Aber das waren nur die wenigen Schattenseiten, der ansonsten sehr guten Illustrationen, die teilweise sogar noch Detailausschnitte separat vergrößert darstellen, um Wichtiges hervorzuheben. Auch die Mischung aus schematischen und fotorealistischen Abbildungen ist ausgewogen.
Die Tabellen sind sehr übersichtlich, wobei auch hier wieder im Detail geschludert wurde. Warum findet sich auf Seite 17 die GCS und der 1. Teil der NACA-Tabelle, die dann unübersichtlicherweise auf der nächsten Seite fortgesetzt wird? Das hätte ich doch lieber getauscht gesehen.
Sehr gut sind auch die "EinBlick"-Kästen in hellgrün. Dafür sind Merke-Kästen farblich hellblau unterlegt abgehoben - leider in der selben Farbe, wie die CAVE-Kästen. Dafür sind "Tips" dann als rote Kästen hinterlegt. Hier hätte ich eher CAVE rot, MERKE grün und TIPS evtl gelb (?) gewählt.
Inhaltlich wird dem Wort "kompakt" aus dem Titel die Treue gehalten und das finde ich gut so. Ich glaube es ist eine der größten Leistungen, wenn man als Fachspezialist (und beide Autoren sind mehrfach ausgewiesene Experten) sich so beschränken kann, dass es wirklich nur um Grundlegendes geht.
Jedes Rettungsassistentenlehrbuch wird mehr Wissen und Fakten beinhalten - aber darum geht es ja genau: Die sind auch viel dicker! Und die RAs haben ein ganzes Jahr theoretischen Unterricht Zeit, diese Schinken zu lesen.
Auch die Einteilung in 4 Teile, nämlich
1. Allgemeines zur Notfallmedizin (Rahmenbedingungen, Rettungsmittel, etc.)
2. Notfallmedizinische Maßnahmen
3. Leitsymptome in der Notfallmedizin (SUPER!!!)
4. Spezielle Notfälle (von Herz, Bauch, Kind bis Verbrennungen und Ertrinken)
ist sehr gut gelungen. In einem kleinen (14 Seiten) Schlusskapitel werden dann noch Fälle und ihre Lösungen kommentiert dargestellt.
Im Anhang dann eine Liste der wichtigsten Notfallmedikamente, wichtige Kenngrößen im Kindesalter und ein akzeptables Sachverzeichnis.
Was mir aber zusätzlich noch aufgefallen ist: Wo sich die Basics auf das "Doppelseiten-Prinzip" konzentrieren (=ein Sachverhalt/Problem auf einer Doppelseite), wird hier bei Thieme eine Art Lehrbuchfließtext geliefert, was m.E. sehr auf Kosten der Übersichtlichkeit geht. Z.B. hätte ich beim Extremitätentrauma auch gerne noch ein Bild von einer Lagerung in der Vakuummatratze oder -Schiene gehabt. Dafür gibt es denn dann jetzt auch in der Summe den einen Stern Abzug.
Zusammenfassend darf ich sagen, dass das Buch seinem Namen treu ist und auch die aktuellen Giudelines von 2010 eingearbeitet sind. Insgesamt scheint mir aber beim Detail etwas verloren gegangen zu sein - und das merkt man.