Vorbemerkung:
Es handelt sich hier um ein Einsteiger-Gerät. Das sollte Käufern und vor Alelm Rezensenten klar sein. Daher kann man es schlecht mit Auslaufmodellen des Vorjahres vergleichen, sondern nur mit Geräten auf preislicher Augenhöhe.
Kleiner geschichtlicher Rückblick:
Mobile Computing interessiert mich, seitdem ich denken kann. Mein erstes "richtiges" Notebook war ein Toshiba Tecra 720CDT, Preis damals ca. 13.000 Mark, 12" TFT-Display (war damals sensationell), 2 GB Festplatte, Windows 95 und 64 MB RAM, CD- und Diskettenlaufwerk im Wechselschacht. Der Akku hielt etwa 1,5 Stunden. Geräte, die damals um 2.500 Mark kosteten, zerlegten sich nicht selten nach einem halben Jahr in die Bestandteile, fielen aus, überhitzten oder waren nicht erweiterbar.
Etwa 2003 las ich mal einen Artikel in der c't, in dem es darum ging, dass man ja schon unter 600 Euro Notebooks kaufen könnte, allerdings fast alle mit Kompromissen. Elitegroup brachte für um 350 Euro ein Gerät heraus, sehr spartanisch, Holzklasse eben, einen Design-Preis hätte das Gerät nie gewonnen. Aber auch einen Sturz und häufiges Auf-/Zuklappen hätte man ihm nicht zugetraut, ganz zu schweigen von einer durchbiegenden, klappernden Tastatur.
Etwa 10 Jahre später hat sich das Bild gewandelt. Neben den eher zu teuren Ultrabooks und den etwas schwachbrüstigen Netbooks gesellen sich neben der Standardklasse um 600-800 Euro Geräte, die mit unter 400 Euro solide Technik fürs Geld versprechen. Das HP 630 ist ein Kandidat dieser Riege, den es in unterschiedlichsten Ausstattungs- und Designvarianten gibt. Als Einsteigervariante ist er mit Compaq-Logo und Netbook-Hardware erhältlich, als HP 630 bietet er etwas mehr Extra und ausgewachsene Notebook-Technik. Da es sehr viele Varianten gibt, sollte man überlegen, ob nicht ein paar Euro für etwas mehr Leistung sinnvoll sind.
Mein Modell (nicht von Amazon) hat einen Core i3-Prozessor mit 2,53 GHz Dual Core, 500 GB Festplatte und 4 GB RAM, sowie einer ATI Radeon-Grafik, welcher der schwachen Intel Chipsatzgrafik die fehlende Leistung ausgleicht. Aber egal für welches Innenleben man sich entscheidet, sind die folgenden Features auf alle Ausstattungsvarianten zutreffend.
Ausstattung:
Alle Varianten des 630 kommen mit WLAN-N, Bluetooth, 15,6 Zoll-Display in matter Optik, 1366x768 Pixel Auflösung, Altec-Lansing-Lautsprechern, lichtempfindlicher Webcam und spritzwassergeschützter Tastatur. Das Gehäuse ist erstaunlich robust und verwindungssteif, das Display sitzt sicher in der Verankerung. Der DVD-Brenner teilt sich mit dem Netzanschluss und einer USB-Buchse die rechte Seite, während sich zwei weitere USB-Anschlüsse, LAN und HDMI sowie ein VGA-Anschluss die linke Seite mit dem Multikartenleser teilen. Die Rückseite und Front sind frei von Anschlüssen, ein Headset kann an zwei Klinkenbuchsen links angeschlossen werden. Das Touchpad ist gerauht, beherrbergt oben links auch das Mikrofon, ist ausreichend groß und versteht auch Multitouch-Eingaben. Eine Serviceklappe an der Unterseite verdeckt den freien SO-DIMM-Steckplatz für die Speichererweiterung (z. B. auf 8 GB), sowie die Festplatte, die leicht zu wechseln ist. Somit steht auch einer Erweiterung nichts im Wege.
Praxis:
Display, Tastatur und Klang sind für diesen Preis überragend, es gibt eigentlich nichts zu meckern. Allerdings sollte man von den Altec-Lansing-Lautsprechern nicht zu viel erwarten, ein Toshiba Netbook mit Harman/Kardon-Lautsprechern klingt doch noch eine Spur voller. Dennoch bietet er im Vergleich zu dem, was ich von Acer und ASUS und erst recht von Lenovo in dieser Preisklasse gewohnt bin, deutlich mehr. Klar und heller Sound, aber keine Tiefen. Das Display punktet durch seine matte Beschichtung, daher ist es auch bei Tageslicht gut ablesbar. Arbeiten bei direktem Sonnenlicht ist allerdings nicht problemlos möglich, dies ist allerdings der etwas schwachen Displayausleuchtung geschuldet. DEnnoch stören nur wenige Reflexionen. Die Tastatur ist für mich als Schnellschreiber sehr gut, biegt sich kaum durch, höchstens die Tasten oben links und rechts an der Ecke klappern etwas, liegt vielleicht an der Membran für den Spritzschutz. Gewöhnen muss man sich höchstens daran, dass die Funktionstasten mit den HP-Funktionen belegt sind und man für ihre Original-Funktion Fn drücken muss (umgekehrt, als bei anderen), dies lässt sich aber im BIOS umschalten. Alt+F4 funktioniert allerdings auch so, sofern ein Fenster oder Programm zu schließen ist. Die Statusleuchten allerdings lassen etwas zu wünschen übrig. Power und Ladezustand liegen beim Ein/Ausschalter, beides ist bei geschlossenem Deckel verdeckt. Die Oberseite ist leicht glänzend, aber aufgerauht, gut gegen Fingerabdrücke.
Leistung:
Ich kenne die Variante mit Pentium 9xx und i3-Prozessor. Hier darf man gemessen an den Werten der jeweiligen Chipsätze keine Wunder erwarten. Die i3-Variante mit Radeon-Grafik ist allerdings leistungsstärker, als ich ihr zugetraut hätte und ist auch für mittelklassige 3D-Spiele ausreichend. Getestet habe ich sie mit den Virtual Rides Simulationen, die bei der reinen Intel-Bestückung ruckelig laufen, die Radeon-Grafik bügelt hier so viel aus, dass sogar die feinste Detailstufe am Netz spielbar bleibt. Grundsätzlich sollte man die Ausstattung von seinen Ansprüchen abhängig machen. Zum Surfen und Tippen von Mails und Texten reicht die einfachste Ausstattung aus, wer allerdings mal ein HD-Film über HDMI oder ein Online-Spiel zocken möchte, sollte die größte Ausstattungsvariante bevorzugen. Speicher und Festplatte lässt sich erweitern, nicht aber CPU und Grafik; die ist, wie sie ist.
Vorinstallierte Software:
Oft ist die Vorinstallation vieler, meist unsinniger Anwendungen ein Ärgernis, Acer ist hierfür hinlänglich bekannt. Auch die oftmals sinnlose Aufteilung der Festplatte und Recovery-Daten sind manchen Leuten lästig. HP hält sich hier erfreulich zurück, selbst die geteilte Partition lässt sich über ein System-Tool zusammenführen. Einige Wartungsfunktionen hat HP allerdings ersetzt und durch ein sehr übersichtliches und einfach bedienbares Hilfsprogramm ersetzt, das dürfte für Neueinsteiger hilfreich sein. Dieses Werkzeug übernimmt die Defragmentierung und Bereinigung von Daten und passt auch auf, dass die Hardware ohne Störungen arbeitet. Wer dies selbst kontrollieren möchte, kann diese Werkzeuge problemlos und rückstandslos entfernen.
Fazit:
Das beste Notebook, das mich in diesem Preisbereich überzeugt hat. Höchstens ASUS bietet noch robuste Geräte an, allerdings meist in glänzender Optik. Acer bietet nur 1 Jahr Garantie und lockt den Nutzer dafür mit meist überflüssiger Technik, wobei im Einstiegsbereich häufig an solider Verarbeitung gespart wird. HP ist hier der absolute Wurf gelungen, da ich quasi nichts finde, was mich an diesem Gerät stören könnte (klar ist, dass Gamer mehr Leistung brauchen und wer viel Videos gucken will, eher nach einem Gerät mit Full-HD-Display suchen sollte, beides in dieser Preisklasse nicht zu finden). Für mich ist dieses Gerät, Trotz meiner doch im Grunde hohen Ansprüchen im Bereich mobiler Computer, die momentane erste Wahl.