Der Film zeigt die Produktion eines amerikanischen Steinway L-Konzertflügels. Wirklich?
Nein. Aus dem Film kann niemand lernen wie ein Flügel gebaut wird. Denn auch wenn der Film diese sehr lockere Rahmenhandlung hat - in groben Zügen und sehr stimmungsvollen Bildern Ausschnitte aus der Produktionsgeschichte des Steinway L1037 - geht es doch um etwas ganz anderes: Um ganz besondere Menschen!
Der Film zeigt Menschen, die eine Begeisterung für ein einzigartiges Produkt teilen, Arbeiter, die bei Steinway & Sons arbeiten, die über ihr Leben und ihre Beziehung zu den Instrumenten sprechen. Er zeigt berühmte Pianistinnen und Pianisten, die in den besten Konzerthäusern der Welt auf einem Steinway spielen und von ihrer Liebe zu diesen Instrumenten erzählen, Jazz-Musiker, die sich aus einer Vielzahl von Steinway-Flügeln genau den einen aussuchen, der ihre Seele berührt, Familien, für die der Kauf eines Steinway-Flügels einer der Höhepunkte in ihrem Leben ist. Und er zeigt ganz normale Menschen, die sich an der Handwerkskunst und der Einzigartigkeit dieser wunderschönen Instrumente erfreuen können, die beim Anblick und beim Klang dieser Instrument glänzende Augen bekommen - Klaviermenschen eben.
Wer nun eine trockene Fernsehdoku mit langatmigen Interviews erwartet, wird enttäuscht. Die Erzählungen und Kommentare sind locker, humorvoll, manchmal auch bewegend und sie untermalen mit einer geradezu wundervollen Leichtigkeit die Bilder aus dem Leben dieser Menschen, ihren Alltag bei Steinway, ihre Arbeit an dem wundervollen "Concert Grand". Keine trockenen Interviews in einem Studio, sondern eine lebendige Dokumentation, mit lässig-präzisen Schnitten, ohne Langeweile aber mit Sinn für kleine aber feine Details und vor allem viel Gespür für die Stimmung und Atmosphäre, die "Klaviermenschen" mit Flügeln im Allgemeinen und Steinways im Besonderen verbinden.
Wenn Lang Lang mit fast kindlicher Begeisterung über die Freude und Möglichkeiten des Flügelspielens erzählt und dies mit vielen Beispielen gleich eindrucksvoll belegt, oder wenn Hélène Grimaud mit bewegter Stimme von ihren Klaviererlebnisse berichtet und beinahe seelig-verzückt in die Tasten greift, berühren einen diese Momente als wäre man hautnah dabei. Und man kann nur zu gut die Stimmungslage der amerikanischen Steinway-Konzerttechniker nachempfinden (und ihre Professionalität bewundern), wenn sich der begnadete Pianist Pierre-Laurent Aimard auf der Suche nach dem perfekten Klang als veritable Nervensäge entpuppt.
Fazit: Ein "Must have" für alle Klavierfans!
PS: Ein kleines "Schmankerl" am Rande: Der anstrengende Monsieur "Ich-suche-ein-Klangmonster" Aimard entscheidet sich im Film für sein Konzert in der Carnegie Hall zumindest für die Kamera für einen amerikanischen L-Concert Grand. Interessanterweise sitzt er aber dann im Konzertsaal an dessen "deutschem Bruder", einem brillant-donnernden D-Flügel aus dem Hamburger Steinway-Werk :-)
01.08.2011 NACHTRAG AUS GEGEBENEM ANLASS (und eine ernst gemeinte Warnung von einem echten Fan!):
Nachdem meine "Note by Note"-DVD, die ich in der Originalversion seinerzeit direkt von Steinway bekommen hatte, vor einer Woche leider von meinem BluRay-Player getötet wurde (ja, sowas gibt's wenn ein Laufwerk stirbt...), erhielt ich gestern von Amazon die derzeitige offizielle OmU-Version von "Note by Note".
Doch die böse Überraschung war die INDISKUTABLE BILDQUALITÄT! Kompressionsartefakte an allen "Ecken und Kanten", meist ein unscharfes Bild etc. etc. Ok, angesehen habe ich es auf einen nagelneuen 60"-Plasma, da fällt so etwas vielleicht mehr auf als auf einem Laptop-Bildschirmchen. Aber dennoch, eine Woche davor lief eben (bis zu ihrem Tod) die Originalfassung mit einem selbst in Zeiten der BluRay für DVD-Verhältnisse wirklich scharfem Bild, flimmerfrei, mit sauberen Übergängen und mit nur einem ganz leichten Überstrahlen bei extremen Kontrasten (z. B. dunkle Werkstatt mit Fenstern, hinter denen die Sonne scheint).
Ich stehe dazu dass der Film für "Klaviermenschen" ein absolutes Muss ist. Aber was aktuell verkauft wird, ist optisch leider ein deutlicher Rückschritt gegenüber der Originalversion... (der Ton ist nach wie vor sehr gut, ohne so eine peinliche Panne wie bei der aktuellen "Der Herr der Ringe"-BluRay-Langfassung :-)