Mir war beim Kauf des Buches bekannt, daß es sich um einen Roman ohne Anspruch auf korrekte, historische Daten über Nostradamus handelte. Unter dieser Prämisse habe ich es gelesen und war von dem ersten Teil der Trilogie, der den Werdegang des jungen Arztes und Apothekers Michel de Notre Dame schildert, recht angetan.
Die Geschichte weist die üblichen Zutaten für eine gute Mittelalter-Story auf: Ein in seiner Jugend auf die dunklen Pfade der Magie verführter Student sieht sich plötzlich, gerade als er sich in Ehren etablieren möchte, der Verfolgung durch die Inquisition ausgesetzt. Und dabei fehlt weder die Schilderung eines durch Kriege und Pest gequälten Europas noch esoterische Zutaten wie ein geheimnisvolles, magisches Buch, Hexenkräuter und Astralreisen, oder der sprichwörtliche, von der Heiligkeit seines eigenen verwerflichen Tuns überzeugte, aber wahnsinnige Handlanger der Inquisition, der das Ziel seiner Verfolgung mit von langer Hand vorbereiteten Intrigen zu Fall bringen will. All das wird in einer flüssigen Erzählweise zu einer lesenswerten Geschichte verwoben.
Über weite Strecken der Handlung ist die Figur des Nostradamus geradezu unsympathisch, ganz besonders in den Passagen, die sich mit der schändlichen Behandlung seiner ersten Ehefrau unter dem Deckmäntelchen der Ehrbarkeit beschäftigen. Liegt auch der Schluss nahe, dass es in vielen Ehen des Mittelalters ähnlich ausgesehen haben mag, kann man doch nicht umhin, gerade diese Handlungsstränge als rein fiktiv in Bezug auf die geschichtliche Person Nostradamus anzusehen.
Wer sich also über die historische Figur des Michel de Notre Dame informieren möchte, der sollte von diesem Buch die Finger lassen. Diejenigen, die aber flüssige, farbige Mittelalter-Lektüre bevorzugen, sind mit diesem Roman m.E. gut bedient.