Der Film Nosferatu greift den Murnau Stoff auf.
Der originale Murnau ist ein ganz anderes Format, vor allem weil es ohne moderne Synchronisation ist bzw. als Stummfilm existiert.
Ich habe das Original nur auszugsweise gesehen, weil die Form mich einfach nicht anspricht. Der Eindruck des Originals reichte mir aber, um viele Unterschiede zwischen den nachfolgenden Filmen diverser Regisseure und Murnaus Original festzustellen.
Die vorliegende Verfilmung des ursprünglichen Murnau Stoffes finde ich die Beste.
Ich selbst finde andere Verfilmungen dieses Stoffes für sich bewertet wohl gut, aber für mich sticht dieses Werk hervor.
Dieser Herzog Streifen ist eine echte Würdigung des Dracula Stoffes bzw. des Originals. Und trotzdem eigenständig. Man hat nie den Eindruck, es würde jetzt zwanghaft versucht etwas nachzumachen, nachzubilden.
Es gibt allerdings einen einheitlichen Stoff, der auch bei Polanski und vielen anderen auftaucht.
Freilich gibt es weniger Dialoge, aber ich finde auch für nicht an die Bilderwelt von Herzog gewöhnte Augen reichen die vorhandenen Dialoge, um dem Film in der Handlung zu fassen.
Bei Cobra Verde , einem anderen Herzog Film mit Kinski, entgeht einem die Handlung, wenn man nicht die Bilder als Ausdrucksqualität heranzieht.
Diesen Film finde ich von monumentaler Wirkung der Bilder.
Dieser Film ist ein typischer Herzog, in dem die Bilder viel ausdrücken (wollen).
Es gelingt das Herzog ein ums andere Mal, so auch hier.
Vielleicht ist es manchmal Geschmackssache, ob man bei manchen Bildern mitgehen kann, und sich von der damit ausgedrückten Atmosphäre und nicht nur der offensichtlichen Handlung mittragen lassen kann. Das ist eben der Film, dass er mit Bildern arbeitet, und solche Filme, die in ihren Bildern nicht lose sinnfreie Bezüge liefern, sollte es öfter geben. Es ist natürlich die Frage, dass die Bilder (ohne Dialog) auch Sinn ergeben. Diese langatmigen Bilderszenen machen bei Herzog generell Sinn, so auch und ganz besonders hier.
Kinski vermag die tiefen Gründe und inneren Bewegtheiten des Nosferatu rüber zu bringen.
Es ist auf jeden Fall eine Rolle, in die Kinski gut passt, aufgrund seines eigenen Zwiespaltes zwischen Aggression (Wut) und Liebe - das hat er selbst mal so angedeutet.
Er hat diese Rolle wirklich ausgefüllt.
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*** Achtung Spoiler ab hier ***
In dem typischen Dracula Stoff (dem Plot) geht es um ein Haus, das der Graf in London kaufen will, und ein Geschäftsmann reist ins ferne Transylvannien, um nähere Details des Vertrags auszuhandeln und unterschreiben zu lassen. Damit nehmen die Dinge ihren Lauf, dass der Vampir nach London will, in die dicht gedrängte Zivilisation.
Die Sprache der Bilder, die ausdrucksvolle Sprache mit den körperlichen Haltungen von Kinski mitsamt Gestik ist umwerfend. Aber auch die Atmosphäre stimmt, die Herzog zeichnet - vor allem mit Hilfe der Musik ergibt sich ein Thema unmittelbarer Präsenz des Nosferatu . Als die musikalischen Hörner mit den Alpen im Hintergrund das erste Mal erklingen (wo Jonathan Harker auf seiner Reise zum Schloß des Grafen in der Dämmerung am Fuße der Berge sitzt, angekommen im Land des Grafen).
Dieses musikalische Thema taucht später wieder auf, und verzweigt sich wunderbar mit der Geschichte. Übrigens gibt es keineswegs zuviel Musik.
Die Atmosphäre lässt allenfalls am Ende deutlicher nach. Bis zum Ende finde ich es mitreissend.
Einzig das Kind mit der Violine, das spielt, vermochte ich nicht ganz einordnen. Es macht aber Sinn, da im Dorf zuvor am Anfang des Filmes etwas über die Macht des Ortes gesagt wurde.
Was Kinski angeht. Ich war überwältigt von dem, was Kinski da zeigte. Wenngleich am Ende der Höhepunkt überschritten schien und keine weitere Steigerung mehr möglich - man merkt irgendwie, dass das Ende nicht mehr so wuchtig ist, wie ab dem Zeitpunkt, wo Nosferatu das erste mal aufrtitt.