Regisseur David Oelhoffen, der zuvor bereits einige Kurzfilme gedreht hatte, legte 2007 mit "Nos retrouvailles" seinen ersten abendfüllenden Spielfilm vor.
Für diese ebenso ungewöhnliche wie berührende Vater-Sohn-Geschichte standen ihm mit Jacques Gamblin und Nicolas Giraud einer der besten derzeitigen französischen Schauspieler und ein interessanter junger Nachwuchskünstler zur Verfügung.
Marco (Nicolas Giraud), etwa 20 Jahre alt, hat seit Jahren nichts von seinem leiblichen Vater Gabriel (Jacques Gamblin), der ihn und seine Mutter vor Jahren verlassen hatte, gehört.
Doch auf einmal ist Gabriel wieder da, ein ausgebrannter Mann, der alles verloren hat und all seine Hoffnung auf eine letzte Chance setzt:
Eine Bar will er eröffnen und Marco soll ihm dabei helfen und diese mit ihm zusammen betreiben.
Zögernd sagt Marco zu.
Als er erfährt, daß das hierzu erforderliche Kapital zuvor mittels eines Einbruches beschafft werden soll, ist er zwischen seinem Rechtsempfinden und dem Wunsch, dem endlich wiedergefundenen Vater zu helfen, hin und her gerissen...
Recht schwere Kost ist es, die Oelhoffen uns hier serviert:
Eine Vater-Sohn-Beziehung unter umgekehrten Vorzeichen, in der der Sohn der Vernünftige und Gefestigte ist, der den schwachen und orientierungslosen Vater im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützen will.
In fahlen, grau-blauen Bildern und mit oftmals leicht zittriger Handkamera fängt Oelhoffen dabei die triste Atmosphäre der Pariser Banlieues ein.
Der große Trumpf des Filmes sind die beiden wunderbaren Hauptdarsteller, die es mit ihrer enormen Ausdrucksstärke und Leinwandpräsenz schaffen, daß diese schwierige Vater-Sohn-Geschichte tatsächlich unter die Haut geht und zu Tränen rührt.
Eine sehr stimmungsvolle und dabei angenehm sparsame Musik rundet den positiven Eindruck dieses Regie-Erstlings ab.
Filmisch hätte man den Film möglicherweise noch etwas raffinierter gestalten können, allerdings vermag ich nicht zu sagen, ob eine gewisse minimale "Holprigkeit" in der Inszenierung, insbesondere beim Schnitt, tatsächlich ein kleines Manko oder eventuell ein im Dienste der Realitätsnähe beabsichtigtes Stilmittel ist.
In jedem Fall ein interessanter, bemerkenswerter und absolut sehenswerter Erstling.
Eine deutsche Fassung gibt es meines Wissens nach (noch) nicht und meine französische DVD hat auch keine Untertitel, aber keine Angst, das übt ungemein ;-)
Unter den Extras befindet sich ein Kurzfilm von David Oelhoffen, "Sous le bleu", passenderweise geht es auch hier um eine Vater-Sohn-Beziehung.