Wie andere Rezensenten bereits beschrieben haben, behandelt das Buch ausschließlich 4 festgelegte Routen durch Teile (!) der Hardangervidda; eine Ski-Tour, eine Rad-Tour, eine Ost-West-Durchquerung sowie die von uns gewählte Nord-Süd-Durchquerung von Finse bis Haukelister.
Die Nord-Süd-Durchquerung ist an sich ganz gut beschrieben, eine Karte mindestens im Maßstab 1:100.000, besser noch 1:50.000, sollte aber dennoch auf jeden Fall mitgenommen werden!!! Die Strecken des DNT sind zwar alle sehr gut mit dem berühmten roten "T" markiert, gerade im immer wieder aufkommenden, extrem dichten Nebel (teilweise nur 5 Meter Sichtweite) konnte man jedoch kaum die eigene Hand vor Augen, geschweige denn das nächste "T" erkennen. Eine Karte hilft da ungemein weiter, um sich des Weges sicher zu sein. Es kann auch nicht schaden, ist aber kein Muss, wenn man schon mal einen Kompass in den Händen gehalten hat. Das Buch hilft dann jedenfalls nicht mehr weiter, da die abgedruckten, sehr kleinen Kartenausschnitte allenfalls für einen groben Überblick ausreichen.
Wir mussten die Durchquerung zwar wegen Knie-Problemen nach der zweiten Etappe abbrechen, diese zwei Etappenhaben aber gezeigt, dass man Zeit für Pausen sowie unvorhergesehenes (langsames Vorankommen wegen Nebel, rutschigem oder extrem aufgeweichten Untergrund) zu den im Buch beschriebenen Zeiten hinzu-addieren muss. Wir und andere Wanderer, die wir auf den Hütten getroffen haben, haben es jedenfalls nie in den im Buch beschriebenen Zeiten geschafft. Noch schlechter sind übrigens die Angaben auf den DNT-Karten. Die hat wahrscheinlich Chuck Norris vorgegeben. Gerade die ersten beiden Etappen sind wirklich anstrengend. Bei oben genannten Verzögerungen, mit denen man wirklich jederzeit rechnen muss (wir waren Ende Juli / Anfang August unterwegs), kann es schon zermürbend werden, nach 10 Stunden immer noch nicht am Ziel zu sein und mitten im Nirgendwo im Nebel zu stehen und nicht zu wissen, ob es jetzt halb rechts oder halb links weitergeht. Im Buch steht zwar, dass man kein 'Konditionstier' sein müsse, man sollte gerade diese beiden Touren aber keinesfalls ohne eine ordentliche Grundfitness, der Bereitschaft, sich ab und zu auch mal zu quälen und vor allem dem Wissen, dass man durchaus 10 Stunden alleine unterwegs ein kann, ohne jemanden zu treffen, angehen.
Ein Hinweis noch zu der im Buch beinhalteten Packliste: Diese ist nur ansatzweise tatsächlich in die einzelnen Tourpakete aufgeteilt. Es kommt zum Beispiel nicht deutlich heraus, dass man für eine Tour von Hütte zu Hütte (wie im Buch beschrieben) KEINE Isomatte und KEINEN winterfesten Schlafsack benötigt. Das Gewicht kann man sich eindeutig sparen!!! Alle Hütten haben Betten, wenn sie voll sind, erhält man eine Matratze. Dazu gibt es Bettzeug, dass man aber nur nutzen darf, wenn man einen Hütten-Schlafsack dabei hat. Die 30 g Hüttenschlafsack tragen sich aber wesentlich angenehmer und platzfreundlicher als ein 1 kg Schlafsack, den man nur bei Übernachtungen im Zelt benötigt.
Zusammenfassend kann man sagen, dass das Buch zusammen mit einer 1:50.000 Karte eine ordentliche Grundlage für eine Trekking-Tour durch die Hardangervidda darstellt. Man sollte die Naturgefahren und die Streckenlänge nicht unterschätzen, sich vom teilweise anhaltenden Dauer-Regen und Nebel nicht ins Bockshorn jagen lassen, dann wird man mit einer schönen, wenn auch anstrengenden Tour, die teilweise atemberaubende Ausblicke bereithält, entlohnt.