Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Buch zum Hinschauen!, 10. Oktober 2009
Allison lebt in Las Vegas und hat eine Beziehung zu einem Typen, der ganz unten ankommen ist. Wenn er nicht gerade betrunken ist, so ist er auf Speed oder erniedrigt Allison, wo er nur kann. Allison selber ist ,durch seine gefeire, schon zur Alkoholikerin geworden und hasst sich selber. Einziger Hoffnungschimmer in Ihrem Leben ist Paul Newman. Paul berät sie in ihrer Fantasy und ist immer für sie da. Als sie dann auch noch von Jimmy schwanger wird, er sie auf einer Skinheadparty vergisst und sie mitten in der Wüste Nevadas steht, sieht sie, dass es so nicht weitergeht.
Sie plündert ihr Konto und zieht nach Reno. Das Kind gibt sie zur Adoption frei und versucht von da an, und auch mit Pauls Hilfe, ein neues Leben zu beginnen. Wenn da nicht immer die Angst vor Jimmy wäre und ihr Hang zum Alkohol. Aber vielleicht kann Dan Mahony der Stammgast auf ihrem Restaurant ihre neue Hoffnung geben?
"Northline" ist das zweite Buch von dem Sänger der "Richmond Fontaine". Wie auch schon in Motel Life geht es in "Northline" wieder um Personen, die vollkommen unbedeutend in der Gesellschaft sind und gerne belächelt werden. Allison, oder wie das Buch sie meistens nennt, "das Mädchen", hat die Schule abgebrochen, fällt auf einen noch dümmeren Typen herein, der anfängt andere zu hassen, weil sie es besser haben. In einer Schicht die ganz unten ist, ist der Nährboden für Fremdenhass am besten. Allisons familiäre Umstände sind dabei nicht besser. Und das Buch zeigt kein Happy End, es gibt keine rosaroten Illusionen. Dan Mahony, durch Narben entstellt, ist dabei auch kein Traummann. Alles ist so perfekt, dass es real sein kann.
Dieses Buch kann überall spielen, denn überall gibt es die selben Vorraussetzungen. Und dennoch hat dieses Buch eine Faszination, die Sprache ist einfach und dennoch passend. Allison ist keine Heldin, sie ist nur ein Mensch, der aus dem nichts kommt. Und am Ende wissen wir auch nicht, ob sie es jemals aus dem nichts heraus schafft. Damit hat das Buch auch eine traurige Note und zwingt den Leser auch einmal genauer hinzusehen.
Northline ist ein schönes Buch. Das es so "teuer" ist (immerhin ist es "nur" Kartoniert) liegt daran, dass es sich um eine limitierte Auflage handelt, die neben dem Buch auch eine CD aufweit. Vlautin hat auf dieser eine Art Soundtrack komponiert und dieser wäre schon alleine ein Grund zum kaufen.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Beindruckendes Buch, 13. Juli 2009
In dem Roman "Northline" geht es primär um das Mädchen Allison, die es eher auf die Schattenseite des Lebens verschlagen hat.
Allison trinkt zuviel, immer wieder bewußtlos wird und einen Freund - Jimmy - , der ihr nicht so gut tut. Als sie schwanger wird, verlässt sie ihn und zieht nach Reno, wo sie ihr Baby weggibt. Ständig ist ihre Existenz bedroht.
Sie erleidet Rückschläge, hasst sich selbst und denkt auch an Selbstmord. In den schlimmsten Stunden führt sie Zwiegespräche mit Paul Newman, wonach sie sich dann immer wieder aufrappelt.
Das Buch ist stellenweise sehr traurig -ich habe immer mal mitgelitten.
Der Roman endet vielleicht nicht mit einem klassischen Happy end, aber es lässt doch Hoffnung aufkommen, dass Allison weiterkämpfen wird.
Vlautin beschreibt eine Gesellschaftsschicht, die in Amerika als "white trash" bezeichnet wird - Menschen, die den "Bodensatz der Gesellschaft" bilden, die sozial benachteiligt sind, ungebildet sind und auch rassistisch sein können. Dabei ist Vlautin sehr einfühlsam.
Mir hat das Buch sehr gefallen.
Passend zum Buch hat Willy Vlautin zusammen mit Paul Brainard ein Akkustikalbum produziert, welches dem Buch beigefügt ist.
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2 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine berührende Geschichte aus der Unterschicht, 12. Juli 2009
Der Autor, Jahrgang 1967, kommt aus der Spielerstadt Reno in Nevada. Er ist in Amerika bekannt als Songwriter und Sänger der Rockband Richmond Fontaine. Er schreibt auch Prosa, wie ich finde wirklich gut, weil er schonungslos und herzzerreißend schreibt. Sein Debütroman "Motel Life" sorgte für viel Aufsehen, das Hörbuch ist für den Deutschen Hörbuchpreis nominiert. Auch sein zweiter Roman "Northline" wurde von der deutschen Kritik viel gelobt. Die authentische, zutiefst menschliche Geschichte mit ihren punktgenauen, präzisen, ergreifenden, klaren und anrührenden Sätzen und vor allem Dialogen, ist großes "Erzählkino" aus einer Stadt und einem Milieu, wo die Geschichten zu kreischen anfangen, wie Züge die entgleisen. Und wenn man anfängt zu lesen, dann fragt man sich unwillkürlich, brauche ich das nun wirklich? Denn wovon handelt die Geschichte, von saufenden, urinierenden, vergewaltigenden, verletzten, brutale Drogen konsumierenden Trinkern, Spielern, Hochzeitsgästen und Nutten in Nevadas Wüstenstadt Las Vegas. Doch wenn man weiter liest, dann lässt man sich nicht nur von dem Sog der Story mitnehmen, sondern auch von der Sprache, weil der Autor in einer unglaublichen makellosen Prosa schreibt und es ihm dabei gelingt diese Menschen, die wirklich am äußersten Rand der Gesellschaft, auf einem Abstellgleis leben, mit hingebungsvoller, differenzierter Sensibilität und mit großer mitfühlender Sympathie zu beschreiben. Er belässt diesen Menschen, die man in Amerika abschätzig "White Trash People"(weißer Müll), nennt nicht nur ihre Würde, sondern er erweist ihnen Reverenz und als Leser leidet und träumt man mit ihnen bis zum Schluss.
Der Plot ist schnell erzählt: Eine junge Frau, sie bekommt erst ziemlich spät im Buch einen Namen (Seite 53), beiläufig, wie übrigens vieles in diesem Roman. Die schwarzhaarige dreiundzwanzigjährige Allison Johnson sitzt in Las Vegas betrunken vor einem Videoautomaten. Ebenfalls betrunken erscheint ihr Freund Jimmy Bodie, schleppt sie auf die Behindertentoilette, wo er sie zum Sex zwingt, sie anschließend schlägt bis sie blutüberströmt und bewusstlos zurück bleibt. Diese Allison lebt bei ihrer Mutter, die Nikotin- und Alkoholabhängig ist, eine Affäre mit einem Tom hat. Als Allison merkt, dass sie schwanger ist, packt sie ihre Klamotten, ihre Patti-Page- und Brenda-Lee-Kassetten und ein gerahmtes Paul Newman Bild in den alten Koffer ihrer Mutter, flieht nach Reno, wo sie zunächst eine Stelle als Kellnerin findet. Sie bekommt das Kind, gibt es zur Adoption frei.
Allison hat eigentlich von Anfang an verloren, sie verliert ihre Jobs, ihr Kind, ihre Familie, ihre Heimat und trotzdem versucht sie immer wieder verzweifelt Halt zu finden und wenn man meint und hofft, jetzt hat sie endlich festen Boden unter den Füßen, dann fällt sie im nächsten Erzählstrang schon wieder von einem Barhocker oder lässt sich von irgendwelchen Typen mit denen sie mitgeht missbrauchen. Sie hat immer wieder Panikattacken, Angstgeschichte, weil sie Angst vor dem Leben und Angst vor der quälenden Einsamkeit hat. Sie hat Angst, der Vater des Kindes könnte zurückkommen, dem Kind könnte es schlecht gehen. Natürlich gibt es auch Menschen die ihr helfen, aber in ihrer größten Tristesse und Hilflosigkeit, wenn sie sich wieder einmal besinnungslos besoffen hat, dann kommt immer Paul Newman, sie spricht mit ihm und er macht ihr Mut. Sie denkt an seine Rollen in den Filmen "Der Clou", "The Bronx", "Road to Perdition", "Butch Cassidy", "Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit" etc., in denen sich scheinbar Szenen aus Allisons Leben spiegeln. Er versichert ihr, dass der neue Dad ein richtig guter Typ ist und er tröstet sie mit den Worten, hör auf zu saufen, vielleicht braucht dich dein Kind eines Tages, lass dich nicht so gehen, hör damit auf an Selbstmord zu denken, nimm dich einfach zusammen, kauf dir einen Fernseher, damit du nicht mehr soviel grübelst, hüte dich vor dem Wein saufenden Perversling Jimmy und seiner ausgedachten Northline.
Und irgendwann lassen die grausamen Panikattacken nach und Allison lernt einen jungen Mann kennen, Dan Mahony, Ende Zwanzig, Hausmeister in einem Veteranenkrankenhaus, auch ein ziemlich gebrochener Mensch, ein Geprügelter wie sein Hund, der ihm eines Tages zugelaufen ist. Diesem Dan begegnet sie mit Zartheit. Das ist das großartige an diesem Roman, auf der einen Seite diese unglaubliche Härte und dann auf der anderen Seite diese große Zartheit. So werden sich diese beiden jungen Menschen vielleicht den Traum von Nähe, Geborgenheit und Gemeinsamkeit erfüllen können.
Ich bin fasziniert davon, wie es der Autor schafft solchem Leben gegenüber so viel Respekt an den Tag zu legen und wie es ihm gelingt sich gnadenlos und dann doch wieder zärtlich diesen Menschen anzunähern und mit einer hingebungsvollen Aufmerksamkeit auf diese Menschen zu schauen. Beeindruckend ist auch die unglaubliche Differenziertheit, wie diese Allison so viel ertragen muss, grausame Dinge mit sich geschehen lassen muss, wie sie vergewaltigt wird, wie sie sich sinnlos besäuft und dann auf der anderen Seite kleine, zarte, höfliche und über die Maßen sentimentale Liebenswürdigkeiten von sich geben kann.
Helden dieser Art hat es in der Literatur und im Film schon immer gegeben. Besonders beeindruckend bei "Northline" ist die enorme Glaubwürdigkeit die der Text ausstrahlt, die radikale Fokussierung auf diesen White Trash", diese Unterschicht, die da vom Autor beschrieben wird, die man als Leser assoziiert mit Billigjobs, Rassismus, Alkoholismus, Fast Food, Sex, Drogenkonsum und gnadenloser Einsamkeit. Wie die junge Allison von einer Katastrophe in die andere stampft, die Art und Weise, wie die Figuren sich verhalten, das erscheint glaubwürdig, obwohl es vornehmlich ein Effekt der Erzählsprache ist, der keinerlei Literarizität oder Poetizität innewohnt, die sich total zurücknimmt, nicht erklärt oder moralisiert. So kommt man an die Figuren heran und darin liegt dann auch ist die Stärke dieses Buches, das man Empathie und Sympathie für diese Menschen empfindet.
Eine Entdeckung, ein Buch das einen unwahrscheinlichen Sog entwickelt und den Leser in dem Milieu einsperrt, wo es keinen Zugang zu Mittelschicht oder Oberschicht gibt.
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