Ich bin vor diesem Hörbuch eine "Jane-Austen-Jungfrau" gewesen, wenn man es so ausdrücken kann. Ich kannte zwar den "großen" Film "Stolz und Vorurteil", aber ich hatte noch nie etwas von Jane Austen gelesen (oder gehört).
Nachdem ich aber in eine Hörprobe hineinggehört hatte (Hörbuchbestenliste
http://www.hr-online.de/website/radio/hr2/index.jsp?rubrik=3730), MUSSTE ich es kaufen und ich habe es nicht bereut.
Jane Austens Humor ist unbeschreiblich für Leute, die sie nicht kennen, voller treffender Ironie aber trotzdem nicht sarkastisch.
Jane Austen beschreibt die Heldin Cathrin, die als 4. von 10 Kindern zur Welt kam (und man wunderte sich, dass die Mutter nach dem 4. Kind nicht starb, wie man es annehmen konnte, sondern weiterlebte und noch 6 Kinder bekam) Am Ende ihrer Teenager-Zeit wurde die Heldin von freundlichen Nachbarn für ein paar Wochen mit nach Bath genommen. Bath steht für das Zentrum der Kultur und Gesellschaft, für wunderbare Bälle und Theateraufführungen.
Vor ihrer Zeit in Bath hat sich die Heldin noch nie mit dem Thema Männer auseinandergesetzt, so dass sie in dieser (und manch anderer) Hinsicht noch sehr naiv ist. In Bath lernt sie dann aber gleich zwei junge Männer kennen, einen Schwätzer und einen anfangs eher mysteriösen Mann. Die Schwester ihres Favoriten lädt sie zu sich nach Hause ein, nach Northanger Abbey, und Cathrin sagt begeistert zu, da sie sich einerseits durch die vielen Romane, die sie liest, gewisse romantische (und sehr realitätsferne) Vorstellungen von Klöstern macht, aber sich andererseits auch Hoffnungen macht, dem Bruder der neuen Freundin näher zu kommen... Durch ihre sich überschlagende Phantasie, durch die sie hinter jeder Ecke Verschwörungen und Mordkomplotte vermutet wie in jenen Romanen, die sie liest, manövriert sie sich in die eine und andere peinliche Lage. Gleichzeitig entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen der Heldin, ihrer neuen Freundin und deren Bruder.
Jane Austen beschreibt auf unglaublich einfallsreiche Art die Welt der höheren Gesellschaft in Bath, ihre Freuden und Intrigen, die nicht zu kurz kommen. Sie setzt der Gesellschaft einen humorvollen aber treffenden Spiegel vor.
Da ich seither etwas mehr Erfahrungen mit Hörbüchern gesammelt habe, kann ich sagen, dass Fritzi Haberlandt eine sehr angenehme und zu diesem Roman passende Stimme hat. Ihre Stimme unterstreicht Jane Austens Ironie, ohne zu viel zu interpretieren und dem Hörer diesen Spaß "wegzunehmen".
Einen kleinen Stern Abzug deshalb, weil es mir so gut gefallen hat, aber das Hörbuch durch Kürzungen so schnell zu Ende war. Dieser Abzug hat also nichts mit der Geschichte selbst zu tun, nur mit dieser speziellen Aufnahme.
Fazit: der Hörer lauscht der Geschichte ständig mit einem leichten Schmunzeln im Gesicht. Tolle Geschichte, tolle Sprecherin. Sollte man sich anschaffen