Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Es wurde Zeit..., 5. April 2009
...dass diese Geschichte endlich verfilmt wurde. Wer schon einmal vor der Nordwand stand und die Tragödie um die Seilschaften von Toni Kurz, Andi Hinterstoißer, Willi Angerer und Edi Rainer kennt, der fragte sich seit Jahren: Wieso wurde diese hochdramatische Geschichte noch nicht, mit neuer Technik, auf Zelluloid gebannt? Philipp Stölzl hat sich an die Arbeit gemacht und mit Nordwand einen fast authentischen Film über die erste, europaweit in den Medien übertragene, Live-Katastrophe der Neuzeit gedreht.
Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht der Zeitungsvolontärin Luise Fellner(Johanna Wokalek). Im Dritten Reich, wir schreiben das Jahr 1936, fiebert das Land den Olympischen Spielen in Berlin entgegen. Fast gleichzeitig scheitern immer wieder Bergsteiger an der sagenumwobenen Eiger Nordwand. Die Wand, ständig ohne Sonnnenlicht, immer feucht und mit losem, gefährlichem Gestein versehen, gilt als unüberwindbar. Kein Wunder, dass das Regime, passend zur Olympiade, deutsche Helden präsentieren möchte, die diese Wand bezwingen. Der Berliner Reporter Arau(Ulrich Tukur) sucht genau diese Helden. Seine Volontärin Johanna, die aus Reichenhall stammt, kennt die beiden Gebirgsjäger Toni Kurz(Benno Fürmann) und Andreas Hinterstoißer(Florian Lukas). Beides, begeisterte Bergsteiger. Während der draufgängerische Hinterstoißer sofort Feuer und Flamme für die Idee ist, scheint dem besonnenen, nachdenklichen Kurz das Risiko zu groß.
Als die beiden jedoch erfahren, dass die Österreicher Edi Rainer und Willy Angerer, Freunde des nationalsozialistischen Regimes, den Aufstieg wagen, steigen auch Kurz und Hinterstoißer mit in das Rennen um den Gipfel ein. Das Medieninteresse ist gewaltig, als die beiden Seilschaften in den Berg einsteigen. Was dann passiert, das ist die Geschichte einer Tragödie, wie es sie in den Alpen seitdem nie wieder gegeben hat.
Stölzl hat sich sehr eng an die wirkliche Geschichte gehalten. Lediglich mit dem Einbau der Luise Fellner und ihrer Liebe zu Toni Kurz, die am Ende des Films den Mittelpunkt der Handlung einnimmt, hat er die Story kinotauglich ausgeschmückt. Das ist dann aber auch schon der einzige kleine Schwachpunkt der Verfilmung. Grandiose Bergaufnahmen, gepaart mit einer intensiven, atemberaubenden Geschichte und dem Gedanken, dass es sich so, oder so ähnlich, abgespielt hat, sind die Grundpfeiler des Films. Dazu brilliert Ulrich Tukur in der Rolle des Reporters Arau, bei dem man sich fragt, ob er Mensch oder Reporter ist. Fürmann und Lukas sind als Mimen absolut bergtauglich und Johanna Wokalek verbindet die Charaktere der Handlung. Wenn Kurz Hinterstoißer mit Graupensuppe bekocht, oder die beiden den Führergruß stets mit erhobener Hand und einem Servus quittieren, dann transportieren die beiden Schauspieler den Alpinismus der Kriegszeit perfekt. Am Berg wird Hinterstoißers Motto "Geht nicht, gibts nicht" zum zentralen Thema der Begegnung Mensch-Natur. Die Aufnahmen der Besteigung, in Verbindung mit der damaligen Ausrüstung und den technischen Schwierigkeiten, sind beeindruckend.
Nordwand verbindet eine schon fast dokumentarische Aufarbeitung einer Bergsteigertragödie, mit hollywoodtauglichem Kinomaterial. Das ist Philipp Stölzl fast perfekt gelungen. Der Zuschauer wird es ihm danken. Und wer noch nie vor der Nordwand gestanden hat, dem kann ich nur raten: Schauen sie sich das in Natura an. Sie werden niemals glauben, dass ein Mensch dort hinauf steigen kann!
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17 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Groß inszeniert.., 8. Mai 2009
..aber irgendwie hat mir etwas gefehlt.
Und dieses fehlende Etwas lag mit Sicherheit nicht an den Darstellern. Hier spielen nahezu alle wirklich absolut überzeugend. Gerade zum Finale hin brilliert nicht nur Benno Führmann mit seiner Rolle.
Es lag ganz klar auch nicht an den einzigartigen Kamerabildern oder dem Bombast-Sound. In diesen Punkten gibt es ganz großes Kino, das sich eindeutig nicht hinter internationalen Produktionen verstecken muss.
Jetzt hab ich's! Es hat nichts gefehlt. Es war etwas zu viel. Etwas zu viel Kitsch und Klischee (der beinharte Redakteur, der über Leichen geht und seine Praktikantin ins Bett kriegen will- na klar) und noch mehr Phantasie. Denn dass die Geschichte ja bekanntlich auf wahren Tatsachen beruhen soll, aber wie so oft nur der eigentliche Kern erhalten geblieben ist, finde ich persönlich sehr schade. Dass ich im Vorfeld keine Kentnisse über die zwei berühmten (?) Bergsteiger Toni & Andreas hatte, macht es auch nicht besser.
Mein Fazit: Eine gute Bergsteiger-Story, die in einmalige Naturaufnahmen verpackt und durch große Schauspieler getragen wurde, mich aber nicht gänzlich überzeugen konnte.
Alternativfilm: Am Limit
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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Drama in den Bergen, 11. Mai 2009
Wie viele andere Bergsteiger sind auch Toni Kurz und Andi Hinterstoißer an der Eiger Nordwand gescheitert. Unter den Fachleuten gehen die Meinungen darüber auseinander, ob sie es doch geschafft hätten, wenn sie nicht mit den beiden österreichischen Bergsteigern eine gemeinsame Seilschaft gebildet hätten, zumal Willi Angerer schwer verletzt war.
Fakt ist, dass es für die Nazionalsozialisten ein enormer Triumpf gewesen wäre, wenn sie unmittelbar vor den olympischen Spielen in Berlin die Erstbesteigung durch zwei Deutsche hätten verkünden und propagandistisch ausnutzen können. Sogar eine Goldmedallie hätte es gegeben.
Fakt ist auch, dass die Hilfe durch speziell ausgebildete Bergretter zu spät kam.
Philipp Stölzls Film knüpft an die historische Vorlage an, und Benno Fürmann und Florian Lukas sind als abenteuerlustige junge Bergsteiger brilliant. Auf das ewige Herumnörgeln über den - weitgehend fehlenden - bayerischen Dialekt will ich hier nicht eingehen. Mit Dialekt hätte man den Film außerhalb Bayerns wohl gar nicht erst zeigen können. Das Bergdrama wurde vom Hotel Bellevue des Alpes, das es noch heute gibt, von der Presse und anderen Neugierigen beobachtet. Irgendwie wird natürlich auch der Zuschauer zum Voyeur des Dramas, aber das liegt wohl in der Natur des Menschen.
Hinzugedichtet wurde die Figur der jungen Journalistin, die die beiden Männer in das Abenteuer geradezu hineintreibt und am Schluss angeblich am meisten unter dem eigentlich zu erwartenden Verlust leidet. Deshalb ist diese Figur auch die am wenigsten authentische des gesamten Films. Natürlich ist Johanna Wokalek eine hervorragende Schauspielerin, aber ihre Rolle ist durch und durch unglaubwürdig. Die beiden jungen Männer brauchten keine Frau, die sie zu dem Abenteuer antrieb. Es war ihr eigener Entschluss, etwas zu versuchen, was zuvor noch niemand geschafft hatte.
Alles in allem ist Philipp Stölzl eine neue Art des Heimatfilms gelungen, der nur ganz marginale Überschneidungen mit Leni Riefenstahl oder Luis Trenker hat. Interessant ist übrigens auch der hervorragende Bildband zum Film Nordwand: Das Drama des Toni Kurz am Eiger. Wer ein bisschen Melodramatik und Liebeskitsch vertragen kann, dem sei dieser Film dringend empfohlen.
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