Nein, „Nordkurve" ist kein konventioneller Film mit Hauptfigur und stringenter Handlung. Es geht viel eher um ein großes Gemälde der ruhrpöttlerischen Fußballversessenheit. Da in Dortmund im Westfalenstadion gedreht - wo allerdings die Fans in der Südkurve sitzen, die Vorlage stammte aus Gelsenkirchen - sind auch die Unionfans schwarz-gelb, denn viele Bilder aus den Fanblocks sind dokumentarisch. Der Film erschafft eine unheimlich intensive Atmosphäre, erschafft eine eigene Welt, die es nur am Wochenende gibt. Dabei bedient sich Regisseur Winkelmann einerseits einer rustikalen Sprache und noch rustikaleren Übergriffen der Fußballfans untereinander, zeigt eine schmierige Welt im VIP-Bereich und eine ziemlich skurrile Fanschaft zum Beispiel im leicht schwachsinnigen Geier, köstlich gespielt von Piet Klocke, und dem gefährlichen Hupsi - ein junger und sehr präsenter Stefan Jürgens, mal gar nicht komisch.
„Nordkurve" ist als Fußballgemälde ein großartiger Film, eine mitreißende Collage aus traurigen und witzigen, brutalen und schönen Momenten, die die Faszination Fußball und die Region Ruhrgebiet zusammenfassen. Ein guter Cast und ein paar außergewöhnliche Leistungen kommen noch dazu. Der Film stammt aus dem Jahre 1993 und ist in diesem Jahr im Rahmen der Adolf Winkelmann Edition neu herausgekommen. Als Extras gibt es neben einer Castvorstellung auch einen Audiokommentar von Regisseur Winkelmann und seinem Kameramann David Slama, der allerdings mehr nostalgisch als informativ geraten ist.