Das nur knapp 120 Seiten "dicke" Büchlein des französischen Journalist Pierre Rigoulot ist bereits 2003 in seiner 1. Auflage erschienen, für mcih aber immer noch eines der besten Bücher zum Thema, weil der Autor die Problematik kurz und prägnant auf den Punkt zu bringen weiß, und weil sich an der Problematik und den politischen Zuständen bis heute kaum etwas geändert hat seit dieser ZEit.
Zunächst geht er auf die Geschichte Koreas im ALlgemeinen, und Nordkoreas im Besonderen ein: die japanische Besatzung in den 40er Jahren, die bereits Züge einer Terrorherrschaft hatte (und woraus das heutige Regime einen großen Teil seiner Rechtfertigung bereits bezieht); die Besetzung Nordkoreas durch die Russen am Ende des 2. WK (und die des Südens durch die Amerikaner); die Teilung der Halbinsel; die Etablierung eines kommunistischen Systems in Nordkorea durch Unterstützung der Russen und chinesen; der von Nordkorea dann provozierte Koreakrieg (mit unglaublichen Verlusten an Menschenleben, und dem beinahe ausgebrochenen 3. WK), um eine gewaltsame Einigung zu Gunsten des Kommunismus zu erzielen; die immer weiter fortschreitende Isolierung des Landes durch die "Juche"- Ideologie; Nordkorea nach dem Ende des "Warschauer Paktes" und der Demokratisierung ehemals kommunistischer Staaten; die zunehmende Verelendung fast der gesamten Bevölkerung; die Terror- und Propagandamethoden des nordkoreanischen Regimes zur (gewaltsamen) Aufrechterhaltung dieser Diktatur; die schwierigen Außenbeziehungen Nordkoreas danach (das Verhalten Nordkoreas gegenüber der internationalen Staatengemeinschaft, seinen Nachbarn und das Verhalten der Welt gegenüber Nordkorea); die Festahltung am alten Kurs und die beständige Weigerung des Regimes Reformen zuzulassen; die Beibehaltung einer der größten Armeen der Welt auf Seiten Nordkoreas; die fortdauernden humanitären Katastrophen; die Flüchtlingswellen; die sehr nationalistischen Maßnahmen; die Prägung als "Schurkenstaat" durch die USA; ...
Dem Autor ist es dabei gelungen, alle wesentlichen Probleme mit und in Nordkorea kurz auf den Punkt zu bringen.
Der stellenweise ironische Stil des Autors (als solcher nicht immer erkennbar) wird der Absurdität mit dem behandelten Gegenstand nur gerecht.
Besondere Anerkennung verdient der Gesunde Menschenverstand des Autors, der keine politischen Sympathien erkennen lässt, aber auf die grotesken und gewollten Menschenrechtsverletzungen des Regimes hinweist, auf die großen Widersprüche in Propaganda und Selbstverständnis des Regimes (und dem Lebensstil ihres Diktators dazu), auf die völlige Vernachlässigung der Versorgung der eigenen Bevölkerung, nur, um das längst sich als marode herausgestellte Regime noch möglichst lange am Leben zu halten.
Der AUtor beweist große Sachkenntnis und bringt dem Leser das Bemühen um Abrüstung und eine Normalisierung der beiden koreanischen Staaten untereinander näher. Dabei wird deutlich: die beiden Staaten - obwohl dem gleichen Volk angehörend -, haben sich in den letzten Jahrzehnten als Hauptfeinde (zumindest im Geheimen) betrachtet, was vor allem in der enormen militärischen Aufrüstung begründet liegt. Auch deutlich wird aber: die Aggression ging vor allem immer von Nordkorea aus, die immer wieder militärische Zwischenfälle provoziert haben, und kein wirkliches Interesse an einer wesentlichen Verbesserung der Beziehung zu ihren Nachbarn - auch nicht zu Südkorea haben, selbst wenn diese dem isolierten Land enorme (finanzielle) Vorteile in Aussicht gestellt haben.
So mancher Widerspruch wird dabei deutlich; z.B. dass es vor allem die offiziellen "Feinde" Nordkoreas, nämlich Südkorea, die USA, Japan (aber auch z.B. die EU) sind, die dem Land mit enormen Hilfslieferungen helfen, und dadurch letztlich auch das Regime stützen (die Hälfte der Bevölkerung wird praktisch (immer noch) von Hilfsorganisationen und anderen Staaten ernährt!). Auf der anderen Seite hat das Regime die eigene (einstmals blühende und moderne) Wirtschaft und Landwirtschaft völlig heruntergewirtschaftet, die Natur zerstört, die Menschen verarmen lassen, einen unmenschlichen Terror- Staat mit vielen, großen Konzentrationslagern errichtet, ...).
Das Buch beleuchtet die großen Probleme, die die Staatengemeinschaft mit Nordkorea hat: als sehr fragwürdige Diktatur wird sie abgelehnt, und demokratische Maßnahmen werden gefordert, die auch als Bedingung für internationale Hilflieferungen immer wieder genannt werden; andererseits hat der "Westen" auch kein Interesse an einer militärischen Auseinandersetzung mit dem Diktatur- STaat. Er setzt auf "Kleine Schritte", "Beschwichtigung", und "Zugeständnisse gegen Hilfe".
Da das Regime aber zu keinen Zugeständnissen bereit ist, und dafür die Bevölkerung lieber verhungern lässt (manche Schätzungen gehen von über 2 MIo. aus!), und die Weltgemeinschaft so nicht viel erreichen kann, muss sie ihre Politik ändern. Das tut sie also zu Gunsten einer "Beschwichtigungspolitik": kleine (leider meist nur vorübergehende) Zugeständnisse Nordkoreas werden von der internat. Staatengemeinschaft mit enormen Hilfslieferungen "erkauft". Besonders im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit ist dabei das nordkoreanische Atomprogramm, das (nicht ganz zu Unrecht) als Gefährdung der internat. Sicherheit angesehen wird, und zu dem Nordkorea auch immer wieder (vorübergehend!) zu Zugeständnissen bereit ist, wenn es dafür enorme Hilflieferungen und Geldmittel u.a.m. erhält.
Was der Autor in diesem Buch bereits vermuten lässt, hat sich inwzsichen längst bewahrheitet: Nordkorea treibt mit der internat. Staatengemeinschaft nur ein Spiel; drängt dem Ausland weitgehend dabei seine Spielregeln auf: Verhandlungen und Zugeständnisse dienen lediglich dazu, enorme Hilfslieferungen zu sichern. Es ist ein Spiel nordkoreanische Druckmittel (Atomprogramm, Armee, die Armut der eigenen Bevölkerung) gegen Druckmittel des Auslands (Hilfsprogramme, Geld). Dabei profitiert Nordkorea immer enorm; die Forderungen des Auslands werden aber kaum, und wenn dann nur kurzfristit, befolgt. Gerät Nordkorea dann international wieder stark in die Kritik und Maßnahmen werden erörtert, zeigt sich Nordkorea plötzlich wieder verhandlungsbereit, gibt einige Versprechungen, die es sich sehr "versilbern" lässt, kommt den Anliegen der Weltgemeinschaft entgegen. - Aber nur so lange, wie es sich das für Nordkorea lohnt! Und nie werden Maßnahmen eingeleitet, die das Regime destabilisieren!
Maßnahmen, die dem "Westen" als "Gegenleistung" für ihre enormen finanziellen Hilfen angeboten werden, gehen langfristig kaum über symbolische Gesten hinaus (z.B. Teilnahme an Sportveranstaltungen, Einrichtung von wirtschaftlichen Sonderzonen (zu Nordkoreas Bedingungen!), Treffen mit ausländischen Staatschefs und Teilnahme an Verhandlungsrunden, Unterschriften unter als sich wertlos herausstellender Verträge, kurze gemeinsame Projekte mit Südkorea (die dann meist aber wieder einseitig von Nordkorea abgebrochen werden).
Auf diese WEise hat sich Nordkorea bis heute enorme Hilfslieferungen gesichert.
Das Problem dabei ist, dass dabei vor allem die Führungsschicht und das Regime gestützt werden, und menschen, die diesem besonders loyal gegenüberstehen (z.B. auch die Armee). Bei großen Teilen der Bevölkerung kommt nur äußerst selten etwas an.
Aber was ist die Alternative zu diesen Hilfslieferungen? SOllte man diese einstellen, um mehr Druck auf das Regime zu machen, dabei aber die gesamte Bevölkerung verhungern zu lassen? Die letzten, die dann verhungern, ist der harte Kern des Regimes! Und den Menschen wird man durch Einstellung der Hilfslieferungen kaum helfen können. Sie können ja nichts dafür, für diese Zustände in diesem Land!
Und so setzt sich letztlich immer das Regime durch, und die Hilfsorganisationen beliefern es aus humanitären Gründen weiter. Und hierbei sind diese sogar noch gezwungen, die absurden Spielregeln des Regimes einzuhalten, die z.B. darin bestehen können, die Verteilung der Nahrungsmittel nicht selber kontrollieren zu dürfen, u.Ä. Wenn die Organisationen dann Bedingungen an ihre Hilfen stellen, werden sie nicht selten ausgewiesen. Dem Regime ist es also relativ egal, ob seine Bevölkerung verhungert!
Wegen dieses "Spiels" Nordkoreas und seiner offensichtlichen WEigerung, seine Politik langfristig auch nur im Mindesten zu ändern, sind alle Bemühungen des "Guten Willens", die darauf abgezielt sind, Nordkorea durch freundschaftliche Gesten des "Guten Willens" und vor allem viel Geld zur Vernunft zu bringen, als gescheitert anzusehen. So gesehen ist Nordkorea tatsächlich ein "Schurkenstaat", der keine Menschlichkeit und wahre Partnerschaft akzeptiert, und an der freundschaftlich gereichten Hand der Weltgemeinschaft in Wahrheit kein bisschen interessiert ist.
Aus diesem Grund ist auch die "Sonnenscheinpolitik" gemäßigter, wohlwollender südkoreanischer Politiker gescheitert, die an einer Entspannung zu Nordkora interessiert waren, und die für die Annahme entsprechender Anliegen immer wieder enorme Geldmittel an Nordkorea überwiesen, ohne dafür langfristig geforderte Gegenleistungen zu erhalten, die über symbolische gesten hinaus gehen.
Nordkorea hat somit ständig seine Nachbarn und "Freunde" getäuscht. Seine Bevölkerung hungert weiter und wird weitgehend von der internat.
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