Dieser Artikel besteht aus 32 farbigen Karten sowie einem Begleitheftchen in der gleichen Größe - und Seitenanzahl.
Allerdings fallen auf den deutsch-sprachigen Teil lediglich sechs Seiten, bei denen man schon Mühe haben kann, die Texte auch lesen zu können... Was trotzdem nicht bedeutet, dass dort auch viel steht.
Nach einer kurzen Einleitung über "nordische Runen" wird dann jede der Karten mit je 1-2 Sätzen in ihrer konstruktiven wie destruktiven (umgedrehten) Bedeutung beschrieben. Zum Abschluss wird dann noch versucht, die Orakeldeutung per "Runenkreis" zu erklären.
Es bleibt völlig unklar, wie die Macher auf die Runen jenseits der 24 üblichen (nach dem Alten Futhark) gekommen sind. Sie haben zumindest nichts mit den bekannten angelsächsischen Runen zu tun! Manche scheinen aus dem jüngeren bzw. Armanen-Runensatz entliehen (deren Sinn aber schon in den 24 enthalten ist) - bei einigen bleiben die Wurzeln völlig unklar und/oder es sind lediglich gespiegelte und scheinbar in der Reihenfolge willkürlich ergänzte "Runen".
Leider gibt es dazu auch keine Quellenverweise, mit denen diese Wissenslücke zu schließen wäre.
Die beschriebenen Botschaften erschließen sich mir nur in wenigen (wohl zufälligen) Situationen.
Der Rune 24 "Dagaz - Tag" nun eine quasi gleich aussehende "Nacht" an 26 beizustellen macht in dieser Weise und an dieser Stelle keinen Sinn.
An 7 (Gebo) einen Schutzengel zu sehen, der alles vermag? An 13 (Eihwaz) das Heim?
Auch wenn die Bilder meist recht nett anmuten: Was bitte hat im nordischen Kontext ein 1001-Nacht-Bild mit der Othala zu tun? Und schwerpunktmäßig mit Meditation?
Sicherheitshalber werden die verbreiteten Namen der Runen - egal in welcher Sprache - auch gar nicht erwähnt.
Es ist zwar "nett", wenn versucht wird, allgemeine esoterischen Weisheiten zu verbreiten, aber wenn diese "Wahrheiten" so wirr und an den Haaren herbei gezogen wirken, verlieren sich auch diese nur im Banalen.
So bleibt mir nur die Vermutung, dass sich "diese kraftvolle, magische Macht der Wikinger, die in den altertümlichen Runen verborgen ist" (so der Untertitel der Karten), diesem Werk weitgehend entzogen hat. Und damit das Thema "Nordisches Runenorakel" weit verfehlt ist!
Da der Preis verhältnismäßig zum Nutzen günstig ist, gibt es einen zweiten Stern - denn der wirkliche Runen-Interessierte sucht ja hin und wieder Anregungen, mit denen er seinen Horizont noch erweitern kann. Oder um zu erkennen, wo es mehr bunten Schein als erhellendes Sein gibt.