Aus der Amazon.de-Redaktion
Auch etwas nüchterner betrachtet hat der Stockgang, den zuallererst Skilangläufer als Querfeldein-Sommertraining genutzt haben, beträchtliche Vorteile: Im Gegensatz zum Radfahren oder auch Laufen werden bis zu 90 Prozent aller Muskeln aktiviert, fast der gesamte Oberkörper wird mittrainiert. Und im Vergleich zum Jogging ist die Belastung für Gelenke und Wirbelsäule erheblich geringer. Insofern ist es tatsächlich die ideale Sportart für Einsteiger, Übergewichtige und Menschen mit geschädigten Knien oder Sprunggelenken: Strunz erklärt in seinem Ratgeber auf seine bekannt erfrischende Art alles, was der Nordic-Walker wissen muss: Von Ausrüstung und Technik über typische Anfänger-Fehler bis hin zu den verschiedenen Arten des Trainings wie "Easy-going" oder "Ich-will-mehr".
Aber warum heißt das Buch eigentlich Nordic Fitness? Weil man mit den Stöcken -- wie Strunz zeigt -- noch andere Sachen anstellen kann: Dehnübungen werden mit ihnen gleich interessanter. Und sogar "Krafttraining mit Stöcken" ist möglich. Rollerbladern verleihen die Stöcke zusätzlichen Schwung -- auch diesem Thema widmet das Buch einige Seiten. Und am Ende will Dr. Strunz im Überschwang gar noch das Nordic Skiing als neuen Trend ausrufen. Doch das ist zu viel des Guten. Denn dummerweise kennt man diesen vermeintlichen Trend bereits geraume Zeit unter dem Namen Skilanglauf. --Christian Stahl
Kurzbeschreibung
Der Verlag über das Buch
Über den Autor
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Auszug aus Nordic Fitness von Ulrich Th. Strunz. Copyright © 2003. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Auch wir sind einmal auf allen Vieren durch die Savanne gehoppelt. Recht effektiv. Alle Muskeln waren im Einsatz, wenn es um die Beute ging - oder um das Leben. Und dann kam der große Tag: Wir wollten mehr sehen, mehr vom Leben. Wir haben uns aufgerichtet auf die Hinterbeine - und wurden zum Menschen. Darauf dürfen wir stolz sein. Wir Zweibeiner. Wenn nur nicht die Kreuzschmerzen wären, und die atemlose Mühe an jeder Treppe, jedem Hügelchen...
Wir haben dem Hirn den Körper geopfert. Ihn nur noch für halb so wichtig erklärt: Zweiradantrieb.
Statt vier benutzen wir zwei Beine. Und das äußerst selten. Dann kamen die Nordler. Die Finnen. Die Skilangläufer. Eine noch gar nicht richtig gewürdigte neue Entwicklungsstufe des Menschen. Nicht einfach Zwei-Bein-Läufer, sondern Kraftmaschinen mit Allradantrieb.
Die laufen nicht auf, sondern mit allen Vieren. Höchst effektiv. Mit breitem, durchtrainiertem Kreuz. Mit starken Oberarmen (gucken Sie sich mal einen typischen Marathonläufer an: Wenn der ein Mädchen wäre, würde man "Anorexie" sagen und den Arzt holen) verbrennen sie Fett in jeder Muskelfaser. Nicht nur in den Beinen. Der ganze Körper wird eine aktive Fitness- und Verbrennungsmaschine.
Fliegen Sie
Sieht blöd aus mit den Stöcken? Nein, tut es nicht. Der ganze Körper ist in einer schwingenden Bewegung. Die Kraftanstrengung verteilt sich gleichmäßig von den Zehenspitzen bis zur Stirn. Anmutig spielen alle Muskeln - soweit vorhanden - mit. Man bewegt sich unwillkürlich viel schneller vorwärts, ohne sich dafür mehr anstrengen zu müssen. Das verleiht ein Gefühl, ein unbeschreibliches Gefühl, dass man fliegt.
Ein Wort an den Bewegungsmuffel...
Natürlich haben Sie schon öfters ein bisschen darüber nachgedacht, was es bedeuten könnte, ein wenig Aktivität ins Leben zu integrieren. Die Beine zu bewegen. Den Kreislauf in Schwung zu bringen. Fitneß zu tanken, den Geist zu schärfen. Gar einen Waschbrettbauch zu bekommen. Muskeln wachsen zu lassen, wie ein Adonis auszusehen oder wie Jane Fonda...
Stopp, stopp, stopp!
Immer wenn Sie gerade mit dem Träumen beginnen - und diese Träume vielleicht sogar die Kraft hätten, Sie ins nächste Sportgeschäft zu treiben, damit Sie sich morgen in der Realität befinden, in den Laufschuhen, im Park...
Also immer wenn Sie gerade mit dem Träumen beginnen, sehen Sie sich schwitzend. Sich abschindend. Und das jeden Tag. Sie lehnen sich im Sessel zurück, greifen zur Fernbedienung oder zur Zeitung. Und denken: Nee. Keine Zeit. Viel Vergnügen ist das ja nicht. Keine Zigarette, kein Bier. Nur noch Mineralwasser, Gemüse und Obst. Und jeden Tag immer wieder die Laufschuhe schnüren. Vielleicht auch noch für den Rest meines Lebens. Grauenhaft. Uncool - wie Harald Schmidt sagen würde.
Nix für mich. Überlass ich den Schlankheitsfanatikern, Asketen und Gesundheitsaposteln.
Ich verstehe Sie. Ging mir auch mal so. Einfach menschlich. Völlig normal. Bis Sie den ersten Schritt tun ... und den nächsten. Und dann vielleicht noch einen. Wenn Sie diese ersten Schritte tun, fühlen, was mit Ihnen passiert, dann nippen Sie an dem Zaubertrank von Mirakulix. Und stehen täglich wie Obelix am Topf der ungeahnten Kräfte an. Sie müssen nicht. Sie wollen. Sie sind froh, noch ein paar erfüllte Jahre länger von diesem Lebenselixier kosten zu dürfen.
Nordic Walking ist so ein Lebenselixier. Es macht aus einem müden Bewegungsmuffel einen vor Kraft strotzenden, fröhlichen, schlanken, gesunden, agilen Menschen.
Sie haben Angst vor der Anstrengung? Unsinn. Würzen Sie Ihr Leben mit Bewegung - wohl dosiert und nach Ihrem Geschmack. Sie sind Koch und Genießer zugleich.
Sie bestimmen, was und wie viel auf den Tisch kommt. Was kann Ihnen also passieren? Nichts! Tun Sie es. Fangen Sie einfach an. Morgen. Schlüpfen Sie in die Schuhe, packen Sie die Stöcke und ernten Sie mit jedem Schritt Fröhlichkeit, Jugend, Gesundheit - wertvolle Lebensjahre. Das nenne ich cool... lieber H. S.
... und eines an den Leistungssportler
Sie sind überzeugter Läufer? Ich auch. Sicher, für Bewegungsmuffel, Senioren und Wohlbeleibte ist Nordic Walking die Chance, in ein bewegtes Leben einzusteigen.
Aber mal ehrlich: Ich als Triathlet und Marathonläufer brauch natürlich mehr als diesen netten Gesundheitssport mit Stöckchen. Ich möchte einen handfesten Beweis für meine Leistung, in welcher Form auch immer. Durchschwitzte Kleider, wohlig schmerzende Beine und keuchender Atem. Nordic Walking ist wunderbar - aber nicht für mich.
Das dachte ich bis vor kurzem. Doch meine hochmutig gerümpfte Nase machte auf Mallorca eine ziemliche Talfahrt. Mit ein paar lächerlichen Stöcken an den Armen musste ich mit meinem Trainer (er besitzt unglaubliche Überredungskünste und ist weiblich) auf den Dünen, durch Pinienwälder und Rosmarinbüsche walken. Nach den ersten fünf Minuten dachte ich: Netter Sonntagsspaziergang, aber Zeitungslesen hätte den gleichen Effekt. Doch allmählich wurde mir recht warm. Ich begriff: Die ersten fünf Minuten dienten lockerster Aufwärmarbeit. Durch den Stockeinsatz spürte ich meine Arme nach einer viertel Stunde gewaltig. So ein leicht schweres und säuerliches Gefühl machte sich in den Schultern breit. Das Tempo, das meine Trainerin vorlegte, konnte ich kaum mithalten. Ich hechtete mit Riesenschritten hinterher... meine Oberschenkel und Waden schrien nach Pause. Ich glaubte mir selber nicht - aber ich war am Limit.
Seit diesem Erlebnis betrachte ich diese Teufelsstöcke mit einer gewissen Ehrfurcht. In mein Training habe ich sie natürlich auch eingebaut. Und meine Trainerin hat bei den Nordic-Walking-Einheiten Überholverbot.