Der Roman "Norden" knüpft locker an das Buch "Von einem Schloss zum anderen" an und bildet den zweiten Teil Céline's so genannten Deutschlandtrilogie. Die Protagonisten um den Ich-Erzähler fliehen 1945 über Baden-Baden und Berlin auf einen Gutshof im Berliner Umland. Während dieser Reise sind sie Anfeindungen, teilweise Übergriffen und der ständigen Nahrungssuche ausgesetzt. Sie begeben sich in Obhut einer Nazigröße, der die französischen Kollaborateure (Ich-Erzähler, seine Frau, ein ehemaliger Schauspieler und Katze) auf besagtem Gutshof unterbringt. Auch hier sind sie Anfeindungen ausgesetzt, Nahrung und Unterkunft sind bescheiden. Das Dauerbombardement über Berlin kündet den Zusammenbruch des Naziregimes an. Jeder misstraut in dieser Situation jedem. In diesem feindlichen Klima treffen die Flüchtlinge auf die Bewohner des Gutshofes und des Dorfes: Der Adel verbringt die Zeit in einem Delirium außerhalb der Realität (Sexorgien und Erbschaftsstreitigkeiten), sein Ausbruchsversuch oder besser der Rettungsversuch für's Reich scheitert und endet mit dem Tod. Der Pfarrer widmet sich der Imkerei und verbringt seine Zeit mit den Honigbienen bis man ihn irgendwann einliefern möchte. Da der Gastgeber des Erzählers, ein Funktionär des Reichsgesundheitsamtes, nicht zugegen ist, liegt die Exekutive im Dorf bei einem SS-Mann, der das drohende Chaos nur schwer unterdrücken kann (Morde geschehen) und dem Selbstmordgedanken plagen.
Dem Autor gelingt es hervorragend die emotionale Lage in das Geschehen einzubetten. Nichtsdestotrotz quält sich der Leser so durch die Geschichte, wie die handelnden Personen. Problematik und Erzählperspektive des Romans sind interessant, jedoch ist das Werk nicht ganz einfach zu lesen. Céline's mitreißende Art des Erzählens wie z.B. bei "Tod auf Kredit" kommt leider überhaupt nicht zum Tragen. (Möglicherweise, weil "Norden" erst posthum erschien und vom Autor nicht gänzlich überarbeitet worden ist.) Alles in allem ein Buch für Fans und fortgeschrittene Leser.