"..... et ceterum censeo carthaginem esse delendam."
(Marcus Porcius Cato Censorius, 234 v. Chr. - 149 v. Chr.)
Als international renommierte Koryphäe für das provinzialrömische Nordafrika ist der Autor, Dr. Francois Baratte, nicht nur als Professeur d'Archéologie de l'Antiquité tardive an der Universität Paris-Sorbonne (Paris IV) tätig, sondern auch als Korrespondierendes Mitglied des Deutschen Archäologischen Institutes affiliiert.
Die dem Staatsmann und Feldherren "Cato dem Älteren" zugeschriebene Empfehlung (Eingangszitat) an den Römischen Senat sollte sich mit dem Ende des 3. Punischen Krieges im Jahre 146 v. Chr. erfüllen. Nie mehr, so glaubte man damals, könne auf diesem Stück Erde wieder etwas erblühen. Hauptstadt der neuen Römischen "Provinz Africa" wurde Utica. Der römische Sinn für Macht und Machbarer erlaubte es jedoch dem Volkstribunen Gaius Sempronius Gracchus, bereits 24 Jahre später einen ersten, wenn auch missglückten, Versuch einer Koloniegründung auf den Ruinen Karthagos zu unternehmen. Nach seinem Sieg in der Schlacht bei Thapsus (46 v. Chr.) errichtete Julius Caesar auf dem Gebiet des geschlagenen numidischen Königs Jubas I., die "Provinz Africa nova", zu der große Teile Numidiens (Algerien) und Tripolitaniens (Libyen) gehörten. Die ältere Provinz wurde nun "Africa vetus", bzw. "Africa propria" genannt. Im Jahre 44 v. Chr., kurz vor seiner Ermordung, unternahm Julius Cäsar dann einen zweiten Gründungsversuch einer Kolonie, die den Namen "Colonia Iulia Concordia Carthago" tragen sollte. Schließlich war es Gaius Octavius der im Jahre 29. v. Chr. 3000 Siedler entsandte und zwei Jahre später als Princeps Augustus im Rahmen einer territorialen Neuordnung des Reiches beide Provinzen zu "Africa proconsularis" vereinigte. Die neue Provinz entwickelte sich rasch zu einer der schönsten im Reich, nicht zuletzt aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung, denn für die Getreideversorgung Roms und damit für die innere Ruhe aufstrebenden Weltreichs spielte sie eine entscheidende Rolle. Hinzu kam, dass "Africa proconsularis" in kultureller und politischer Hinsicht im besonderen Maße vom Vorbild Rom geprägt wurde. In keiner anderen Provinz wetteiferten die führenden Persönlichkeiten mehr miteinander, um sich durch Wohltätigkeit und Geschenke an die Gemeinschaft hervorzutun. In der Spätantike wurden unter Kaiser Diokletian (Reg. 284 - 305) von der Provinz die "Byzacena" und die "Tripolitiana" abgespalten. Zusammen mit "Numidia", "Mauretania Sitifensis" und "Mauretania Caesariensis" bildeten sie nunmehr die sechs Provinzen des spätrömischen Nordafrika....
....so dass der für den Band gewählte Untertitel "Nordafrika in römischer Zeit" nicht ganz treffend ist, weil er nur die einstige, ungeteilte "Provinz Africa proconsularis" im heutigen Tunesien und Libyen zum Gegenstand hat, die archäologischen Orte im westlich davon gelegenen Gebiete jedoch ausspart. Gleichwohl wird unmittelbar nach dem Vorwort eine doppelseitige "Karte des römischen Nordafrika", das vom Atlasgebirge im Westen bis zur Großen Syrte im Osten reicht, geboten.
Im ersten von insgesamt sieben Kapiteln werden die natürlichen Bedingungen im geographischen Kontext von Landschaften und Klima, die Entwicklung und die Verwaltungsorganisation der einstigen Provinz "Africa proconsularis" vorgestellt. Nachfolgend wird auf die urbane Kultur, Fragen einer romanisierten Gesellschaft und die soziale Vielfalt in den ländlichen Gegenden eingegangen. Die letzten drei Kapitel behandeln den Wandel in der Spätantike mit der Blüte des Christentums, die Eroberung durch die Vandalen und die Byzantiner, sowie die nachrömische Zeit.
Der Text wird begleitet von einer Vielzahl beeindruckender Farbfotos, die timediver® an seine fünf Tunesien-Reisen und die Besuche des drittgrößten Amphitheaters des römischen Reiches von Thysdrus (El Djem), Curubis (Qurba), Utica, Zaghouan (Wasserheiligtum und Aquädukt) und Girba (Djerba) sowie das "Musée national du Bardo", und das "Musée national de Carthage" mit dem berühmten "Mosaïque de la Dame de Carthage", aber auch an die Ausstellung "
Das Königreich der Vandalen: Erben des Imperiums in Nordafrika" - mit einem in Stein gemeißelten, kreuzförmigen Taufbecken - erinnern.
Eine Zeittafel und Bibliographie bilden den Abschluss eines Bandes, der beweist, dass sich Tunesien aufgrund seiner reichen archäologischen Vermächtnisse für weitaus mehr als einen Badeurlaub eignet. Zudem bietet er nach der libyschen Revolution auch Anreize, die dortigen Stätten aufzusuchen.