Ursula Rogg gibt hier einen sehr persönlichen Einblick in den Alltag einer Lehrerin an einer Neuköllner Schule.
"Nordneukölln" ist dadurch so lesenswert, dass es den direkten Kampf um die Vermittlung von Bildungsinhalten zeigt und den Leser mitnimmt auf der verzweifelten Suche nach jedem einzelnen Schüler. Hier kümmert sich jemand nicht vorrangig um Lehrpläne, um Auflagen, um das Image einer Schule oder eines Bezirkes, sondern in erster Linie um die ihm anvertrauten Jugendlichen. Wie kann ich jedem Einzelnen etwas beibringen, das ihr oder ihm im Leben weiterhelfen wird?
Der Weg der Lehrerin Ursula Rogg zu ihren Schülern ist ein spannender Weg, den man als Leser gerne mitgeht.
Das Buch ist jedoch auch ein erschütternder Bericht. Erschütternd, da eine Jugend in Neukölln nichts ist, was man einem jungen Menschen wünscht. "Nordneukölln" ist jedoch nicht der Versuch, die Probleme eines ganzen Stadtteils zu lösen. Dadurch ist es für mich noch erschütternder zu lesen, dass durch den hohen Einsatz an Kreativität und die Bereitschaft, jeden Schultag als kräftezehrende Improvisation zu sehen, der Zugang zu den Schülern für Frau Rogg möglich wird, zum Hauptproblem für sie jedoch die Schulbürokratie, die Vereinsamung im Kollegium und der Kampf mit der Behörde werden.
Die - teils sehr emotionale - Diskussion um das Buch zeigt, wie dringend nötig solche Berichte sind.