Michael Endes Norbert Nackendick ist an sich schon eine fabelhafte Geschichte. Hier thematisiert er aufs Vortreffliche Starrsinnigkeit, Dickköpfigkeit und das Abschotten von anderen. Dem Nashorn ist einfach nicht beizukommen. Norbert Nackendick, so der passende Name, hat Feinde, sucht Feinde und macht sich Feinde. Gegnerschaft scheint sein Lebensmotto zu sein. Alle Versuche der anderen Wildtiere scheinen nicht zu fruchten. Sie machen sich ausgibige Gedanken, planen Überzeugungsversuche - und scheitern dennoch kläglich. Selbst eine eigens einberaumte Konferenz, bei der selbst miteinander in Gegnerschaft stehende Tiere nach Auswegen zu suchen, um das Leben mit dem Nashorn friedlicher zu gestalten. Aber mitten in die Konferenz stürmt der eigentliche Anlass hinein und es kommt zu einer "Denk(mal)würdigen" Entwicklung in der Geschichte, bei der selbst das Nashorn Norbert Nackendick in ernstliche Gefahr gerät.
Diese Fabel ist sprachlich anspruchsvoll und doch nicht überfordernd. Die ausführliche Geschichte wird in grob geschätzt fast zwölf Textseiten erzählt. So ist die Bidlergeschichte keine Schnellvorlesegeschichte mit moralischem Zeigefinder, sondern eine wirklich nachdenklich machende Erzählung, bei der man tiefer einsteigen kann, die einen berührt und welche die menschlichen Konfliktzonen und Eskalationen zu beschreiben vermag. Bei den Bildern wird man ob der vortrefflichen in Szene Setzung, der unterschiedlichen Perspektiven und der humorvollen Einfügungen von "Bildblasen" in die Großbilder hinein sehr erfreut sein. Es macht Freude, die so unterschiedlichen Wildtiere gemalt zu sehen, bei einer excellenten Licht- und Schatteneinfügung in die Bilder.
Das Buch eignet sich hervorragend für den Grundschulbereich und kann hier sehr gut verbunden werden mit einer Theaterinszenierung, die beispielsweise auch noch die Kulissen im Kunstunterricht anfertigen lässt. Und selbst ein Schattentheater oder eine Comicumsetzung wäre möglich.
Ein rundum gelungenes Werk, dem man viele kleine und große (Vor-) Leser/-innen wünscht!