Nach einer wahren, allerdings in diesem Buch leicht veränderten Begebenheit, schrieb Diderot diesen Roman. Hier geht es um ein junges Mädchen, welches gegen seinen Willen in ein Kloster gesteckt wird. Dies geschieht, da der Vater der nicht der leibliche Vater ist, das Mädchen sowieso nicht leiden kann und die Mutter meint durch die Abschiebung eine alte Sünde sühnen zu können. Im Laufe des Buches lernt Susanne, die Nonne wider Willen, drei Klöster kennen. Im ersten Kloster reicht es ihr noch ihren Unmut offen kund zu tun, um ihre Lage zu verbessern. Im zweiten Kloster (von Beginn an gleich von Diderot sehr düster und muffig beschrieben) ist sie völlig hilflos den Schikanen der Oberin und der restlichen Nonnen ausgeliefert. Das Beten wird ihr verboten, sie bekommt keine Kleider zum Wechseln, diverse Behältnisse zur Verrichtung der Notdurft werden ihr entwendet, das Gerücht wird verstreut, sie wäre vom Teufel bessesen wesewegen vor ihren Augen eine Schwester vor Angst in Ohnmacht fällt uvm. Im dritten Kloster (im Gegensatz zum vorigen zwar hell und freundlich, mit viel Tanz und Gesang, aber dennoch nicht wirklich das Paradies)) dann ist eine fast nymphomanische Oberin der Herd allen Übels, weil sie Susanne zur Befriedigung ihres sexuellen Verlangens ausnutzt und letztendlich deswegen wahnsinnig wird. Abgerundet wird das Buch dann noch durch das nachgestellte Vorwort, in dem der Leser erfährt wie es eigentlich zur Niederschrift dieser Geschichte kam und durch ein Nachwort von Robert Mauzi, welches mehr oder weniger Interessantes aufzubieten hat.
Geschrieben ist Die Nonne in Briefform oder genauer: Susanne schreibt ihre Memoiren einem Marquis in der Hoffnung die Geschichte findet bei ihm Gehör. Es offenbart sich eine Welt die man so wohl nicht erwartet hätte, in der ein Mensch zu meist durch falsche und/oder übertriebene Frömmigkeit, teilweise auch aus purem Eigennutz, schikaniert wird und Dinge über sich ergehen lassen muss, die sämtliche Grenzen überschreiten. Und das in einer Umgebung, die wohl von den meisten als der vielleicht friedlichste Ort auf Erden eingestuft wird.
3 Sterne gebe ich aber nur, weil ich zum einen den Schreibstil, der zu meist aus vielen kurzen Sätzen besteht, nicht so toll finde, da er den Zugang eher verwehrt als erleichtert. Zum zweiten hält sich die Spannung bzw. der Antrieb zum Weiterlesen eher im Hintergrund. Man blickt schnell durch, dass Susanne, egal in welchem Kloster sie sich aufhält, wohl niemals dort glücklich werden wird. Vor allem da sie zu Beginn gleich darauf aufmerksam macht. Auch das Susanne zwar mutig und stark genug ist ihre Meinung über das Klosterleben offen zu verbreiten, andererseits aber in manchen Situationen auch dermaßen naiv daher kommt...das passt nicht so ganz. Deshalb ist es für mich persönlich nur ein Buch welches man zwar aufgrund des heiklen Themas und der Tatsache das es zur Erscheinungszeit ein Skandal war, gelesen haben sollte, welches aber nicht unbedingt bleibende Eindrücke hinterlassen wird. Interessanterweise fand ich dieses Buch übrigens gar nicht so antiklerikal, wie es damals eingestuft wurde, denn obwohl das zwar alles Nonnen sind die der Hauptfigur hier Böses tun, ist es doch eben diese, die gerade durch den Glauben die Kraft erhält weiterzuleben. Zwar nicht an jeder Stelle im Buch, aber immerhin wird hier doch, zumindest am Rande gezeigt, wie stark der Glaube sein kann.