Durch seine Mitgliedschaft im Golfclub „Milsteinhof" wird der Heppinger Sternekoch der „Alten Eiche" Julius Eichendorff - herrlich die Zitateneinsprenksel des gleichnamigen berühmten Dichters- wieder unfreiwillig in ein Geflecht von Verdächtigungen verwickelt. Seine kriminalistischen Bemühungen, Licht in das Dunkel der geheimnisvollen Ereignisse zu bringen, verwickeln ihn immer mehr in die komplizierten Ermittlungen der insgesamt drei Morde im Ahrtal, die diesmal in der Golfsportszene angesiedelt sind, und machen ihn zum detektivischen Gegenpart zur offiziellen, jungen und hübschen Koblenzer Kommissarin Anna von Reuschenberg, mit der der knisternde erotische Spannungsbogen im Kriminalroman begründet ist. Von Schalkenbach über Schuld bis Sinzig entwickelt der Autor, der als Journalist für renommierte Weinfachzeitschriften arbeitet, seine auf solides Insiderwissen fußende Kriminalgeschichte. Kaum namentlich verschlüsselt spielen die besten Spitzenrestaurants tragende Rollen. Mit viel Hintersinn , das Internetpasswort des Sternekoches heißt „Mc Donald", und humorvollen Beschreibungen („Burg Einöllen" in Ahrweiler) lässt Henn keinen übergroßen Ernst aufkommen. Schmunzeln ist erlaubt und gewünscht, wie z.B. in der Beschreibung des Starkoches: "Jedes Kilo ist steuerlich abgesetzt". Phantasievoll seine Passagen, in denen Julius Eichendorff durch eine Chaoskreation zu ungewöhnlichen Menuzusammenstellungen gelangen will oder in denen er mit Rezepten der Molekulargastronomie experimentiert. Sprachlich gradlinig unkompliziert, mit unzähligen Anspielungen an bekannte Namen und Begebenheiten der Ahrkreisszene versteht es Henn, mit fundierter Kenntnis lokaler Handlungsorte und oftmals falscher und verwirrender Fährtenlegung den Leser bis zur letzten Seite mit spannender Atmosphäre zu fesseln. Lokalkolorit betonend, indem er kontrapunktiv wienerischen ( Maitre d'Hotel Franz Xaver) und französischen Zungenschlag (Antoine Careme) in das Buch einstreut, zeichnet Henn mit viel Witz und hintergründigem Humor die Ahrmentalität. Die Trüffelsuchszene mit Meisterkoch Antoine Careme vom „Frais Löhndorf" , seinem Hund Rouen und Julius Eichendorff in den Wäldern rund um Bad Bodendorf belegt dies mit sehr viel Schmunzeleffekten. Die Querverweise auf englische und amerikanische Krimiliteratur und auf berühmte Kriminalsituationen (Locked Room Mystery) betonen dies noch. Seine besondere liebevolle Affinität zur Region wird bei Henn auch dadurch deutlich , dass er den hiesigen Raum als seine „Weinheimat" bezeichnet. Fazit: Lesenswert.