UN-Sonderbotschafterin Waris Dirie schildert im Nachfolgeband zu "Wüstenblume" ihre Rückkehr nach Somalia, um ihre Familie ausfindig zu machen.
Zugegebenermassen ist die Schilderung der Wiederbegegnung - vor allem mit ihrer Mutter - nach mehr als 20 Jahren sehr ergreifend.
Einerseits ist die Schilderung der somalischen Lebensweise, der mangelnden medizinischen Versorgung sowie der nur rudimentären Bildung erschütternd, andererseits ist das aber auch nichts Neues, um es einmal schroff zu formulieren. Berühren tut es die LeserInnen in diesem Fall sicherlich nur deswegen besonders, weil wir Waris Dirie im ersten Band schätzen gelernt haben.
Natürlich konnte auch ich die innere Zerissenheit von Waris Dirie nachvollziehen, als sie erkennt, dass sie weder in der einen (westlich) noch in der anderen Welt (Somalia) richtig zu Haus ist, obwohl sie sich in beiden Welten zu bewegen weiß.
Das Buch war sehr flüssig zu lesen und hat eigentlich alles, was ein gutes Buch braucht.
Warum ist dann aber bei mir dieser schale Nachgeschmack geblieben? Ich kann es mir nicht genau erklären. Vielleicht hatte ich den Eindruck, dass die "Nomadentochter" nur noch ein Nachschub zur "Wüstenblume" war? Oder erschien mir die "Nomadentochter" lediglich als persönlicher Reisebericht in die weltanschauliche Steinzeit? Oder war ich vielleicht ganz einfach nicht in Stimmung für dieses Buch? Hätte ich vorher vielleicht nicht "Wüstenblume" lesen sollen, das mich sehr betroffen gemacht hat? Vermutlich von allem etwas.
Lesen Sie "Nomadentochter" bitte und urteilen Sie selbst, aber bitte erwarten Sie nicht zu viel, sollten sie "Wüstenblume" bereits gelesen haben.