In seiner neuen Fantasy-Trilogie entführt uns Torsten Fink abermals in das Reich Neu Akkesch, dessen Entwicklung an das Zweistromland in der Bronzezeit angelehnt ist. Die Geschichte des jungen Sehers Awin und seines Klans spielt sich zeitlich gesehen zur selben Zeit ab, wie die Ereignisse in Band I der "Tochter des Magiers"-Trilogie. Tasil und Maru, die dortigen Hauptfiguren, wirken ganz am Rande, aber durchaus direkt auf die Geschehnisse in "Nomade" ein. Ob es nun eher ein Vor- oder Nachteil ist, Marus Geschichte zu kennen, muss jeder selbst entscheiden. Einerseits ist es natürlich schön, bewusst die andere Seite zu erleben, aber ab und zu wird man durch die eigenen Überlegungen, wie und ob alles zusammenhängt ein kleines Bisschen von Awin abgelenkt.
Zu Beginn des Buches erkennt man allerdings noch keine Zusammenhänge.
Im Prolog entfacht der Autor sofort eine düstere Stimmung, das Leben der Hakul wird einem näher gebracht und man schließt vor allem Awin, der von seinem Meister Curru fast unaufhörlich getriezt wird, ins Herz. Seine Entwicklung vom Außenseiter und schüchternen Jungen zu einem selbstbewussteren jungen Mann ist schön zu verfolgen und vor allem authentisch beschrieben.
Auch die anderen Charaktere wissen zu faszinieren, sei es der weise Yaman Aryak, Führer von Awins Clan, sein doppelzüngiger Meister Curru oder die Kariwas Senis und Merege, denen im Laufe der Story eine besondere Rolle zukommt. Auf den ersten Blick erscheinen einem diese Menschen alle sehr fremd, doch man kommt ihnen schnell nah und versteht ihr Verhalten immer besser. Ein Glossar plus Personenregister macht es außerdem leichter, sich am Anfang zu orientieren.
Ist das Erzähltempo zu Beginn noch normal, zieht es ab der Mitte des Buches deutlich an und man muss mitziehen, ob man will oder nicht. Doch besonders die Entwicklungen im letzten Viertel des Buches sind absolut fantastisch. Mit dieser spannenden und ungewöhnlichen Wendung hätte ich nicht gerechnet. Außerdem kommt die Stimmung und Atmosphäre, wie schon im gesamten Verlauf der Story, sehr intensiv beim Leser an. Man wird im wahrsten Sinne des Wortes mitgerissen, woran auch der angenehme Schreibstil des Autors nicht unschuldig ist.
Am Ende bleiben viele offene Handlungsfäden, die es weiterzuspinnen gilt, doch der Schluss ist gut gewählt. Eine der Aufgaben Awins ist erledigt, viele wichtige Dinge geklärt.
Insgesamt ein tolles Buch, dessen Spannung langsam, aber stetig zunimmt, um schließlich in einem dramatischen Finale zu enden.
Jetzt freue ich mich schon sehr auf die Fortsetzung
Lichtträger: Der Sohn des Sehers.