Unglaublich was einem der Zufall so manchmal in die Hände spielt. Da stöber ich gerade im Regal der Neuerscheinungen als ich dieses Kleinod entdecke. Zugegebenemaßen wusste ich damals noch nicht, dass es ein Kleinod ist, aber ich hatte da so ein Gefühl. Und bereits nach den ersten Seiten entdecke ich, dass ich mich nicht getäuscht habe.
Denn wie ein seltenes Edelsteinchen ragt dieses kleine Meisterwerk von Mark Dunn aus der Masse der Neuerscheinungen der letzten Monate heraus. Anders als der Rest seiner Mitbücher erzählt dieses Werk eine, auf seine eigene Art, witzige, interessante und auch zu Herzen gehende Geschichte.
Im Gegensatz zu anderen Romanen ist Nollops Vermächtnis als Briefroman angelegt und genau da liegt der ganze Reiz des Buches. Die Geschichte beginnt auf einer friedlichen Insel vor der Ostküste der USA, genauer gesagt, dem Eiland Nollop, deren Einwohner ihrem Gründervater Nollop huldigen, der sie mit einem seltenen Geschenk ausgestattet hat, einem Pangramm, welches zudem im Fuß seines Denkmals eingelegt ist. Dass jedoch leider zuletzt etwas in Mitleidenschaft gezogen wurde, jedoch ohne äußeren Einfluss. Nach langen Jahren ist ein Buchstabe vom Denkmal gefallen, die achso treuen und wortverliebten Nollopianer sehen darin ein Zeichen. Ein Zeichen Nollops. Er verwünscht diesen Buchstaben, das "Z", und so beschließt der Inselrat die Tillgung des Z's aus den Annalen des Inselgeschichte. Doch das Z bleibt nicht der einzige zu Boden gefallene Buchstabe. Mit der Zeit mehren sich die "Abstürze" und aus den wortgewandten Einwohnern Nollops werden verbale Krüppel, Unruhe macht sich breit. Nollop scheint kurz vor dem Untergang.
Dunn versteht es diese eigentlich äußerst simple Geschichte geschickt zu verpacken, schön und einfühlsam zu erzählen. Durch die Briefform fließt viel Herzblut in die Handlung, die Autoren der Briefe legen jeder in ihrer ihnen eigenen Form die Umstände des aufkommenden Dramas dar, und mit der Zeit gewinnt man sie alle irgendwie lieb. Einzig das Ende ist leider zu vorhersehbar.
Trotz allem ein gutes Buch für Zwischendurch, eine gelungene Abwechslung zum literarischen Alltagstrott.