Rezension zum Nokia N9
Meine vorherigen Handys waren Nokia E65 und das N900. Einen Vergleich zu Android oder iPhone kann ich also nicht bieten.
Warum habe ich mich für dieses Gerät entschieden: Zunächst mal finde ich einfach, dass Linux als freies System rockt. Und MeeGo ist (neben Openmoko) das offenste System was zu haben ist. Allein das ist mir einen Hunderter wert.
Weiter ist es mir wichtig, dass ich selber verfügen kann, was für Software auf meinem Gerät läuft, auch dass möglichst nachvollziehbar ist das das Gerät und Programme nicht "nach Hause telefonieren" und Daten von mir ausplaudern.
Drittens ist mir bewußt geworden, dass sich auf solchen Geräten ganz schön viele Daten ansammeln, die wichtig und wertvoll sind: Kontaktdaten, Mails, Fotos, Dokumente. Meine Erfahrung ist, dass nur auf quelloffenen Systemen Daten wirklich langfristig nutzbar sind - zum Beispiel kann ich ein technisches Dokument, das ich vor 18 Jahren mit LaTeX in einer Fremdsprache geschrieben habe, heute noch mühelos öffnen oder auf einem modernen Drucker ausgeben, was mit Windows nicht möglich wäre.
Zu meinen Erfahrungen mit dem N900, ich war sehr begeistert davon, aber ich muss zugeben dass es ein Nerd-Gerät ist, das wohl Alltagstauglich ist sicher aber weniger praktisch zu handhaben als etwa ein iPhone.
Als im Alltag manchmal unpraktisch erwiesen sich die Akkulaufzeit, der hohe Stromverbrauch mancher Programme (Mail und WiFi) und die bi niedrigem Akkustand langsame und im Extremfall unzeverlässige Reaktion des resistiven Displays. Doch nun zum Nachfolger.
Das N9 ist in dieser Hinsicht eine ganz andere Klasse. Äußerlich ist es sehr schick und modern. Ich glaube, es käme auch gut mit einer Handtasche als Habitat zurecht. In der Bedienung ist es wohl eines der besten Handys was auf dem Markt ist. Da ist nichts nerdiges oder umständliches mehr dran - es ist _fast_ ein wenig zu glatt.
Aber ich fange mal von vorn an: Das N9 benutzt eine Micro-SIM Karte also mußte ich erst mal beim Handyshop vorbei wo man mir meine Prepaid SIM nett auf dieses Format zustanzte.
Beim ersten Starten muss man dann Uhrzeit / Zeitzone und Sprache eingeben. Also, ich war schon etwas irritiert dass man weder einen Rechner-Namen vergeben noch ein Root-Password einklickern muss..
Dann kommt ein Tutorial welches einem die Bedienung erklärt und auch gleich üben läßt. Ich habe zwar etwas Wurstfinger aber nach etwas Üben ging das ganz gut. Das Öffnen mehrerer Programme, umschalten und Schließen klappt genauso schnell wie auf meinem Laptop.
Das Einrichten der Konten war mühelos. dabei ist mir noch mal bewußt gewurden wie viele private Informationen da zusammen kommen: Bei mir sind es Google Talk, Skype, Twitter, Mail, das Account für den Nokia Shop sowie (als extra App) LiveJournal. Damit besitzt so ein Smartphone praktisch alle Schlüssel zur digitalen Identität.
Die whazapp (WhatsApp) fürs N9 kann man ja als kostenlose Open Source Version von SourceForge runterladen. Ich habe mich aber dagegen entschieden, nachdem ich beim Blick ins Forum festgestellt habe, dass diese App tatsächlich die ganzen Mailkontakte an die Hersteller von whatsApp übermittelt und somit meinen sozialen Graphen saugt. Das finde ich inakzeptabel. Meiner Meinung nach ist dass zuviel sensible Informationen, wenn heute schon geplant wird solche Daten zB zur Bewertung der Kreditwürdigkeit zu nutzen. Außerdem habe ich ja dazu auch kein Einverständnis von meinen Bekannten.
Und schließlich kann ich ja auch zB meine Skype-Kontakte manuell auf dem Handy mit meinen Telefonbuch zusammenführen, warum also so ein Abgriff?
Die sonstige Installation ging völlig problemlos - alles zentral in einem Konfigurationsprogramm das man durchgehen kann. An der Geschwindigkeit gibt es für mich nichts zu bemäkeln.
Was ich sehr ansprechend finde sind die Notifications auf der Homescreen wo man zB neue SMS, Mails und die Twitter-Timeline angezeigt bekommt. Das ist sehr gut gelungen, es läuft absolut flüssig egal wie viele Apps man offen hat. Man kann einstellen, wieviel Information bei gelocktem Display zu sehen ist. Und man kann auf Nachrichten direkt antworten.
Und das ist ein Punkt, den ich bei diesem Handy deutlich hervorheben möchte: Es ist auf die Kommunikation mit Leuten optimiert und integriert diese unglaublich gut.
Dann wollte das Handy sich erst mal updaten, was dank Flatrate ebenfalls Problemlos ging. Der restliche Bericht bezieht sich also auf MeeGo 1.2 (Harmattan).
Was etwas hakelig war, war die Einrichtung des W-Lans. Ich habe es erst mit WPA2 / prehared Key probiert und das ging nicht - authentification failure. Eine kurze Suche mit Google brachte dann die Lösung, es statt dessen mit WAP EAP type und Push-Button Methode zu probieren. Das ging dann. Kein großes Problem aber etwas nervig schon.
Das Synchronisieren der Kontakte und Termine von meinem altem Handy über Bluetooth ging völlig problemlos. Damit gibt es auch eine wesentlich einfachere Backup-Möglichkeit als als die überaus barocke Nokia PC Suite.
Sehr schön finde ich die Möglichkeit, jedem Kontakt einen eigenen Klingelton zuzuordnen, was beim N900 nicht ging.
Das GPS in verbindung mit den Offline-Karten von Nokia habe ich auf dem Weg zum Einkaufen getestet. Es ist im Vergleich zum N900 das manchmal halbe Ewigkeiten brauchte um sich einzunorden, sehr schnell und genau, ich habe keine Abweichung von mehr als 15 Metern gesehen.
Erst mal lernen mußte ich die Texteingabe mit Swype. Ich bin ja immer Fan einer Hardware-Tastatur gewesen. Die normale Bildschirmtastatur finde ich nicht ganz so gut weil ich eben leichte Wurstfinger habe und mich öfter mal vertippe. Swype kann man aktivieren, indem man nach entsprechenden Settings die Tastatur zur Seite wischt. Das funktioniert so, dass man mit einem Finger die Buchstaben die man haben möchte im Zickzack abfährt, für einen Großbuchstaben geht man kurz nach oben.
Im Gegensatz zur virtuellen Tastatur muss das jedoch nicht so genau sein und Swype erkennt trotzdem fast immer das richtige Wort, oder bietet es als Alternative an. Unbekannte Wörter kann das Programm "lernen". Mit ein wenig Übung geht das sehr schnell und macht auch Spaß. Es ist auch, das muss man eingestehen, für normalen Text und einer Eingabe mit dem Zeigefinger und das Handy in der Hand haltend, schneller als die Tastatureingabe wo man beide Hände braucht und mit dem Daumen tippt.
Also insgesamt eine beindruckend gut gemachte Kombination von Mustererkennung und Worterkennung.
Nun zu den Apps. Standardmäßig ist der Nokia Shop eingestellt und man kann sich die kostenlosen Apps filtern. Die Menge reicht jedenfalls für eine vielstündige Installationsorgie - bitte vorher ausreichend Pizza bestellen.
Als wichtig haben sich meiner Erfahrung mit dem N900 nach Funktionen zum Akku-Monitoring erwiesen, weil man lernen muss welche Programme zuviel Energie saugen. Dafür gibt es beim N9 zwei Programme, das eine zeigt den Füllzustand und ermöglicht es, den Power Save Modus einzuschalten. Das andere listet die aktuellen Top Energieverbraucher - sehr praktisch.
Zu den Apps kann man sagen dass es auch für das N9 mittlerweile alles Mögliche und Unmögliche gibt, von der Bible App und simsendem Babyphone bis zur Boobs Gallery.
Nach meinen Erfahrungen sind die Apps am nützlichsten die
- schnelle allgemeine Informationsbeschaffung erlauben
- Unterwegs und auf Reisen nützlich sind
- es ermöglichen eigene Information zu sammeln und zu organisieren
Um einen Einblick zu erlauben, hier einfach mal die Liste die bei mir Gnade gefunden hat:
(die eingebauten / mitgelieferten mit * markiert)
Eingebaut:
*User Guide
*Notizen
*Nokia Store
Grundfunktionen
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*Telefon
*Webbrowser
*Suche
*Kontakte
*Mailprogramm
*Uhr
*Kalender
Call Recorder
Foto / Medien
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*Kamera
*Bildbetrachter, Medienplayer
Netzwerk & Web
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*Twitter
*Facebook :-P
*Skype
*YouTube
LiveJournal
Information
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