Ich schaffte mir als häufiger beruflich und privat Städtereisender das 2710 wegen des features "Navigation" an.
Die haptischen Eigenschaften des Geräts sind okay, es liegt gut in der Hand, das Display ist bei entsprechender Einstellung (schwarzer Hintergrund für SMS) gut lesbar. Die Druckpunkte der Tasten sind gut wahrnehmbar, allerdings sind die Tasten für Menschen wie mich mit kräftigen Fingern zu klein. Es erfordert anfänglich Übung, eine SMS fehlerfrei zu tippen. Entfernen und Einsetzen der Speicherkarte sind wegen des engen Slots etwas fummelig, im Zweifelsfall hilft der vorsichtige (!) Gebrauch einer Pinzette.
Die sofort nach Kauf gegen die mitgelieferte 2GB-Karte im Tausch eingesetzte 16GB-SDHC-MicroSD-Card erkennt und liest/beschreibt das 2710 problemlos. Allerdings schöpfte ich die volle Kapazität bisher noch nicht voll aus.
Die in der Packung beigefügte und auch downloadbare Anleitung für das 2710 bezieht sich mehr auf den (eigentlich wenig erklärungsbedürftigen) Telefonie-Teil. Ohne GPS-Nutzung, mit wenig SMS/Telefonie (ca. 2x/Tag), und das Handy auch nachts durchgehend eingeschaltet hält der Akku unter meinen örtlichen Umständen (Zentrum Berlin) mehr als 14 Tage.
Zur Telefonie sei festgestellt:
Die Sprachqualität ist gut und verständlich, das gilt nach Rückfrage auch für die Angerufenen.
Der Empfang im D1 (T-Mobile) - Netz ist gegenüber meinem Vorgängermodell, dem Nokia 6021, nicht besser, sondern hinsichtlich der angezeigten Signalstärke an (mit dem 6021) identischen Empfangspunkten sogar teilweise etwas schlechter. Das ich in Berlins Zentrum, in einem grossflächig verglasten Hochhaus im 9.OG bei freier 180-Grad-Sichtverbindung zu diversen Mobilfunkmasten, mitten zwischen Springer-Hochhaus, Aussenministerium und Gendarmenmarkt nur auf schwankend 2 bis 3 von 4 Empfangsstärkepunkten komme, ist eine sichtbare Verschlechterung gegenüber dem 6021.
Auf der ICE-Strecke Berlin-Hannover ist kurz hinter Berlin Empfangsschluss. Der Empfang blitzt dann punktuell in der Nähe irgendwelcher Masten jeweils für für maximal 30 sek auf. Erst in Wolfsburg, Lehrte und dann in Hannover ist wieder brauchbarer Empfang möglich. (Ich weiss, das das auch mit der D1-Netzqualität zu tun haben kann!).
Die telefoniebezogenen Speicher-, Tastenbelegungs- und Display-Einstellungsmöglichkeiten sind nach den heutigen Maßstäben Standard und bedürfen keiner besonderen Würdigung.
Das feature MP3-Player nutzte ich noch nicht. Das DigiCam-feature ist eher eine Spielerei, die keinesfalls eine "richtige" Cam ersetzt.
Navigation:
Ist in der Anleitung zu viel zu wenig erklärt. Meine hier notierten Erfahrungen entstanden alle durch try&error und das Abklappern aller Menüs. Auf der Nokia-Ovi-Seite solls mehr geben.
Die Anbindung per USB-Adapter an den heimischen PC, auf den zuvor die (leider!!) speicherresidente "OVI-Suite" von Nokia zu installieren ist, klappte ebenso wie das Erkennen und (unmerkliche) Initialisieren der größeren 16GB-Speicherkarte problemlos. Als erstes lud ich mir per OVI-Suite aus dem weltweiten Karten-Sortiment alle auch nur im entferntesten als Reiseziel in Frage kommenden Länder herunter. Das dauerte bei mir jeweils nach Feierabend auf einer 2000DSL-Leitung für > 3 GB mehr als zwei Abende. Es lassen sich nur einzelne Länder nacheinander herunterladen. Eine Mehrfachmarkierung für die Länder war mir nicht möglich. Die OVI-Suite zeigt die auf dem Handy als Landkarte bereits installierten Länder nicht an (bei Installation vieler Länder sollte man es sich also merken/notieren!).
Das Auffinden per Adresse eingegebener Orte klappt gut, wenn man die Spielregeln einhält. Für Strassenbezeichnungen in Deutschland akzeptiert die Software nur die voll ausgeschriebene Bezeichnung "...strasse", also keine Abkürzungen. Das gilt auch für zusammengesetzte Namen wie z.B. "Fritz-Reuter-Strasse". Die Hausnummer ist in ein eigenes Feld einzugeben, in das man erst mit Cursor-nach-unten kommt. Eine automatische Namensvervollständigung anhand der gespeicherten Orts-/Strassennamen gibt es nicht. Allerdings funktioniert die T9-Textautomatik bei Eingabe von Ort und Strasse, wenn sie zuvor im SMS-Modus aktiviert wurde. Erst nach vollständiger Adresseingabe gibt es nach erfolgter Suche bei Mehrfachtreffern eine Auswahl. Ich erfuhr das bei der allerorts vorhandenen "Dorfstrasse" und einem in Deutschland mehrfach vorhandenen Ortsnamen; ähnliches ist für "Bahnhofsstrasse" zu erwarten :-)
Alle von mir gesuchten Adressen in Deutschland, Österreich und mein Stamm-Hotel in Cala Ratjada / Mallorca fand die Software sofort und zeigte den korrekten Kartenpunkt binnen weniger Sekunden an. Bei den Hausnummern ist einzuschränken, das die Navifunktion nicht alle Hausnummern findet, manchmal springt es aus unerfindlichen Gründen auf eine der Nachbarhausnummern - damit kann ich leben. Selbst in kleinsten tschechischen Orten nahe der Grenze wies die Software die Strassennamen korrekt aus. Ob die Software mit der vorhandenen Eingabemöglichkeit einen tschechischen, ungarischen, türkischen, dänischen Orts-/Strassennamen mit Sonderzeichen erkennt und findet, konnte ich mittlerweile in Ungarn und der Türkei testen: Einfach den Orts/Strassennamen ohne die ganzen Buchstaben-Anhängsel eingeben -> hat bei mir funktioniert.
Es empfiehlt sich, alle potenziellen Navigationsziele, speziell vor Antritt einer Fahrt/Reise nach dem Auffinden per Suchfunktion unter "optionen" als "gespeicherten Ort" abzulegen, das reduziert die spätere Zieleingabe auf eine Menüauswahl. So ist das Handy auch ohne GPS-Nutzung bereits als Routenplaner einsetzbar. Start und Zielpunkt sucht man sich aus der Liste der gespeicherten Orte, natürlich ist auch eine Direkteingabe bei der Routenplanung möglich. Die Direkteingabe ist in der konkreten Situation am Lenkrad oder Fahrradlenker, vielleicht sogar unter zeitlicher Anspannung, aber eher fummelig. Der Zielpunkt läßt sich ggf. auch über die Landkartenanzeige ansteuern und speichern.
Um die Kosten fürs Navigieren gering zu halten - das macht ja den "Charme" dieses Nokia-Angebots aus, sind zwei Einstellungen vorzunehmen:
1. Im normalen Handy-Modus unter: Einstellungen - Verbindungen - GPS - Standortbestimmungsmethode - Internet A-GPS -> "Nein"
2. Im Landkartenmodus unter: Einstellungen - Netzwerkeinstellungen - Netzw.verw.zulassen -> "Nein".
Jedes "reine" GPS-Navigieren, ohne Web-Verbindung, beginnt mit der GPS-Ortung des eigenen Standorts. Und hier geht das Dilemma los ! Die Erstbestimmung des eigenen Standorts dauert zwischen 25 und 30 Minuten, selbst bei ideal freier Sicht zum Himmel. Gemessene Zeiten:
- In der (unbebauten) Landschaft der Döberitzer Heide, westlich des Berliner Stadtgebiets: 26 Minuten
- Im Zittauer Gebirge, mehr am/auf dem Berg als im Tal: 25 Minuten
- In Wien, Mariahilfer Strasse (durch Bebauung seitlich begrenzte Sicht zum Himmel) auf dem Gehweg vor dem Bäcker Felber: keine Erstbestimmung möglich, nach 30 Minuten von mir abgebrochen.
- In Wien, Sieveringer Strasse 4, auf dem Hotelbalkon (durch Bebauung seitlich leicht begrenzte Sicht zum Himmel): 30 Minuten.
Das von mir auf Reisen erhoffte unterwegs mal-eben-schauen-wo-ich-bin, geht bei der Standort-Erstbestimmung definitiv nicht. Man kann das Handy nur bereits morgens die langwierige Standort-Erstbestimung durchführen und die Standortverfolgung danach eingeschaltet lassen. Das frisst aber Akku-Kapazität. Im Auto an der Steckdose ist das noch kein Problem, zu Fuss in einer fremden Stadt ist - anscheinend je nach örtlichen Bedingungen - bei permanenter Anzeige, mit vollem Akku begonnen, nach ca. 3 Stunden mit dem Akku Schluss. Ist die Standort-Erstbestimmung an einem vom vorherigen weit abweichenden Ort erst einmal vollzogen, kann man den Navi-Modus auch mal unterbrechen. Die erneute Standortbestimmung in der Nähe bleibt dann meistens deutlich unter 10 Minuten; kommt mit häufig ca. 2-5 Minuten in einen akzeptablen Bereich für das mal-eben-nachschauen. Auf den Stadtplan/die Landkarte würde ich als Tourist mit diesem Gerät in völlig fremder Umgebung noch nicht verzichten!
Navigation beim Autofahren: Die angezeigte Landkarte ist wg. des im Vergleich zu "echten" Navigationssytemen eher kleinen Displays für den Fahrer schlecht zu erkennen, um sich danach allein visuell zu richten (=> bei Konzentration auf den Verkehr zu riskant!). Ohne charmante/n Beifahrer/in hilft dann nur die sehr gut hörbare, verständliche und vor wichtigen Abbiegepunkten auch wiederholte Sprachführung. Eine zu späte Ansage, wie von anderen Bewertern moniert - stellte ich nicht fest. Vielleicht rase ich nicht schnell genug ?
Für Fahrten mit erwartet hohem Autobahn-Anteil empfehle ich die Einstellung - Routeneinstellung - Routenauswahl - "mögl. schnell/Auto", für Fahrten mit erwartet hohem oder ausschliesslich Bundes-/Landstrassen-Anteil "Kürzest.Weg/Auto". Hier schickte mich das Navi wg. falscher Einstellung schon echte Umwege, da es bei "schnell" der Bundesstrasse den Vorzug vor einer Landesstrasse gibt, selbst wenn die Strecke über die Landesstrasse deutlich kürzer ist. In Deutschland waren auf meinen Fahrten alle "L" (= Landesstrassen) in der Software enthalten und bei entsprechendem Zoomfaktor auch in der Karten-Anzeige. Forst-/Waldwege fehlen, auch im Fussgängermodus.
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