Manchmal verändert sich das Leben mit einem Schlag. Bei Daigo passiert dies, als das Orchester, in dem er Cellist ist, von heute auf morgen aufgelöst wird. Und das nachdem er lange Zeit darauf hin gearbeitet hatte, dort mitspielen zu dürfen und sich extra noch ein teures neues Instrument angeschafft hatte. Das muss er schließlich verkaufen, um seine immensen Schulden los zu werden. Doch erstaunlicherweise fällt es ihm dann gar nicht so schwer, wie er dachte, sich von diesem Instrument wieder zu trennen. Gemeinsam mit seiner Frau kehrt er zurück in seinen Heimatort, ein kleines Dorf im Landinnern und zieht dort in das Haus, das ihm seine Mutter hinterlassen hat. Auf der Suche nach einem Job findet er ein lukratives Angebot als "Reisebegleiter". Dass es sich hierbei aber um die letzte Reise von Menschen handelt, erfährt er erst relativ spät. Sein Unternehmen ist Dienstleister für Bestatter und kümmert sich um Reinigung und Aufbahrung der Toten. Er tritt den Job trotzdem an und hat mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen - mit sich selbst im Umgang mit den Toten und mehr und mehr auch in seinem Umfeld, denn so lange wie er es gerne hätte, lässt sich sein neuer Beruf doch nicht verheimlichen. Dies geht schließlich sogar so weit, dass seine Frau ihn vor das Ultimatum stellt, den Beruf aufzugeben oder sie würde ihn verlassen. Er arbeitet weiter...
Bei seinem Chef und seiner Kollegin findet Daigo eine Art "Übergangszuhause" bis ein unerwartetes Ereignis dafür sorgt, dass sich das Blatt wendet. Am Ende steht schließlich noch für Daigo die Auseinandersetzung und die Aufgabe der Versöhnung mit seinem Vater, der die Familie verlassen hat, als Daigo ein Kind war. Es gelingt ihm, sich auf seine ganz persönliche Art und Weise mit ihm zu versöhnen und befreit in den Gang des Lebens von Generation zu Generation überzugehen.
"Nokan" ist eine zauberhaft sensible Auseinandersetzung mit dem Tod und Abschiednehmen. Auch wenn der Film aus einem anderen Kulturkreis stammt, in dem der Umgang mit Toten zudem auch noch weit verpönter und verachteter ist, als hier, so kann man dennoch viel davon lernen. Zum einen wie liebe- und würdevoll mit den Verstorbenen umgegangen wird und weiterhin wie wichtig für die Hinterbliebenen ein ritualisierter Abschied von den Verstorbenen ist und wie dieser würdevoll begangen werden kann. Ich fand es besonders beeindruckend, dass die gesamte Familie anwesend war, als die Toten aufgebahrt wurden und so alle zum Abschied den toten Menschen sehen und auch be-greifen (im wahrsten Sinne des Wortes) konnten.
Dem Film gelingt es, das ernste Thema anrührend, sensibel und zugleich mit humorvollen Stellen umzusetzen und mehrere Handlungsstränge harmonisch miteinander zu verweben. Denn es geht nicht nur um die Neuorientierung von Daigo, nein, es ist auch eine Liebesgeschichte, eine Familiengeschichte und ein Film über Abschiednehmen und Trauer. Und als Krönung hat er noch etwas tief Tröstliches.
Ich sage ganz klar: Dieser Film hat seinen Oscar vollkommen zu Recht bekommen! Ich bin begeistert davon, wie ich schon lange nicht mehr von einem Film war! Man kann sowohl lachen, aber auch bei nicht wenigen Stellen war ich zu Tränen gerührt - eine zauberhafte Mischung! Ebenso zauberhaft und sensibel umgesetzt ist auch das Verhältnis von Stille, ohne dass es langweilig wird, und der wunderschönen Musik, zu der Daigo als Cellist natürlich aktiv beiträgt und die ihr Übriges tut! - Einfach toll!
UNBEDINGT ANSEHEN!!!