Eine echte Tangoscheibe, die aber aus den Gattungsgrenzen ausbricht - wer kennt zum Beispiel schon "Charleston-Tango" oder Tango mit knatternder Bassklarinette statt Bandoneon? Und dann hört sich's wieder so an, als hätten Sidney Bechet oder Louis Armstrong ein ganzes Genre - nämlich den argentinisch-französischen Jazztango - völlig übersehen. Aber das holen nun Cáceres und die Brüder Sergio und Eduardo Makaroff vom Gotan-Projekt gut gelaunt, geräuschvoll swingend und mit viel Power nach. Dabei bricht in den Stimmen von Sergio Makaroff und Laura Caronni stets auch der unsentimentale, kraftvoll tragische und vital aufgeraute Gotan-Tango hervor. (jn)
Kurzbeschreibung
Experimentierfreudig wie immer: Der Argentinier feiert die Musik am Río de la Plata.
Ein Großmeister argentinischer Musik meldet sich zurück. Juan Carlos Cáceres zelebriert auf "Noche de carnaval", seinem ersten Album seit "Utopía" (2007), das von ihm mitgeprägte Erbe aus Tango, Milonga, Murga und Jazz. Seine Synthese aus der Klangfülle des Río de la Plata und Musikstilen aus aller Welt ist postmodern, ohne es zu wollen. Der 1947 in Buenos Aires geborene Musiker ist ein Lehrer und Gelehrter der argentinischen Geschichte. Dennoch hört man auf "Noche de carnaval" kein Bandoneon, das für den Tango charakteristische Instrument. Stattdessen nutzt Cáceres, experimentierfreudig wie immer, Bassklarinette, Saxofon und Cello als Fundamente seiner Lieder. Alle Beteiligten teilen mit Cáceres und dem Produzenten Eduardo Makaroff eine tiefe Liebe zur argentinischen Musik, zum Tango und seinen wunderschönen Abkömmlingen, zur Fusion aus Alt und Neu. Sein Ziel: "Ich möchte mit der stereotypen Darstellung Argentiniens, von Buenos Aires und dem Tango brechen."