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Noch mehr Küchenirrtümer [Gebundene Ausgabe]

Ludger Fischer
3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Dr. Ludger Fischer, geboren 1957, Politikwissenschaftler und Kunsthistoriker, Politikberater in Brüssel, zuständig für die Hersteller von Lebensmitteln in Kleinbetrieben, in Bäckereien, Metzgereien, Eisdielen etc., Mitglied der »Beratenden Gruppe für die Lebensmittelkette« der Europäischen Kommission, des Beratungsgremiums der Interessenvertreter bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA und anderer EU-Gremien zu Fragen der Lebensmittelsicherheit.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Absinth ist verboten Das Zeug schmeckt scheußlich! Mir jedenfalls. Eigens für dieses Buch und um Ihnen das gefährliche Experiment zu ersparen, habe ich es auf mich genommen, Absinth zu mir zu nehmen. Das mit einer geheimnisvollen Aura umgebene Getränk profitiert noch immer vom Ruf, den es durch sein achtzigjähriges Verbot erlangt hat. Das Verbot wurde mit der angeblich verheerenden Wirkung von Absinth begründet. Was das Verbot angeht, kann ich Sie hier auf den neuesten Stand bringen: Es existiert nicht mehr. Sie können Absinth fast überall problemlos kaufen. Bevor Sie das machen, lesen Sie aber bitte die folgenden Warnhinweise oder fragen Sie Ihren Arzt oder an der Theke.In den 1920er Jahren gab es die Modeerscheinung, sich durch exzessiven Absinthkonsum als Mitglied einer bestimmten Künstler- und Weltschmerzclique auszuweisen. Mit der damals noch legalen Droge gaben Oscar Wilde, Henri de Toulouse-Lautrec, Pablo...

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Absinth ist verboten Das Zeug schmeckt scheußlich! Mir jedenfalls. Eigens für dieses Buch und um Ihnen das gefährliche Experiment zu ersparen, habe ich es auf mich genommen, Absinth zu mir zu nehmen. Das mit einer geheimnisvollen Aura umgebene Getränk profitiert noch immer vom Ruf, den es durch sein achtzigjähriges Verbot erlangt hat. Das Verbot wurde mit der angeblich verheerenden Wirkung von Absinth begründet. Was das Verbot angeht, kann ich Sie hier auf den neuesten Stand bringen: Es existiert nicht mehr. Sie können Absinth fast überall problemlos kaufen. Bevor Sie das machen, lesen Sie aber bitte die folgenden Warnhinweise oder fragen Sie Ihren Arzt oder an der Theke.In den 1920er Jahren gab es die Modeerscheinung, sich durch exzessiven Absinthkonsum als Mitglied einer bestimmten Künstler- und Weltschmerzclique auszuweisen. Mit der damals noch legalen Droge gaben Oscar Wilde, Henri de Toulouse-Lautrec, Pablo Picasso und Ernest Hemingway genauso an, wie es in den 1960er Jahren Bill Clinton mit seinem (wahrscheinlich einmaligen) Haschischkonsum tat. Vincent van Gogh versuchte, mittels Absinth seine Epilepsie zu mildern, und fand wahrscheinlich dadurch und in Kombination mit dem ebenfalls eifrig geschluckten Digitalis die Farbe Gelb so wunderbar. Die vom Absinth hervorgerufenen euphorisch-kreativen Räusche werden dagegen heute eher auf Autosuggestion zurückgeführt. Wie bei Haschisch: "Mann, war ich vielleicht stoned", höre ich noch einen Kommilitonen nach dem Genuss einer Zigarette schwärmen, in die wir - angeblich - Haschisch gemischt hatten.Die Inhaltsstoffe von Absinth lassen eher an Kräuterlikör denken als an Drogen: Fenchel, Anis, Wermut. Aus Wermut (Artemisia absinthium) wird zwar der reine Wirkstoff Thujon gewonnen (C10H16O), als Nervengift wirkt dieser Stoff aber nur in sehr, sehr großen Mengen. Allerdings hat Thujon außerdem eine nierenschädigende Wirkung. Angeblich wurde das Mixgetränk 1792 in der Schweiz, genauer in Couvet, vom Arzt Dr. Pierre Ordinaire als Heilmittel erfunden. Wenn das mal kein Witz ist. Belegt ist allerdings, dass Henri Louis Pernod 1805 in Pontarlier Absinth herstellte. Ab 1863 griff in ganz Europa eine Reblauskatastrophe um sich. Fast alle Weinstöcke wurden vernichtet. In der Folge stieg Wein erheblich im Preis. Absinth aber konnte, weil er stark aromatisiert war, auch auf der Basis anderer alkoholischer Getränke hergestellt werden. Der Preis blieb gleich, die ärmere Bevölkerung schwenkte, zumindest in Frankreich, von Wein auf Absinth um - und das etwas zu heftig. Man sprach von Absinthismus und meinte doch Alkoholismus. Dann passierte 1905 das, was leider gelegentlich unter Alkoholeinfluss passiert: ein Dreifachmord. Der frustrierte Erntehelfer Jean Lanfrey erschoss im volltrunkenen Zustand seine Frau und seine beiden Töchter. Der Vorfall ließ die Gesetzgeber vieler Länder überreagieren. Das Getränk, das angeblich das Verbrechen ausgelöst hatte, wurde verboten - 1905 in Belgien und Brasilien, 1908 in der Schweiz, 1910 in den Niederlanden, 1912 in den USA, 1915 in Frankreich und zuletzt 1923 in Deutschland. Den größten Hersteller von Absinth, Henri Louis Pernod, focht das kaum an. Nach dem Verbot des Inhaltsstoffs Wermut ließ Pernod diesen einfach weg und nannte sein Getränk "Pernod". Und nun kommt der Hintergrund zur interessanten Nachricht, der Wiederzulassung von Absinth: Die EU hat die Herstellung und den Verkauf von Absinth nach etwa achtzig Jahren Verbot wieder erlaubt. Der zulässige Thujon-Gehalt wurde dabei auf 35 Milligramm pro Liter festgelegt, eine Menge, die keinerlei Halluzinationen, Nervenschäden, Krämpfe oder sonstige heftige Reaktionen auslösen kann. Drogenfreunde sind trotz dieser strikten Grenzwerte über die Wiederzulassung ganz aus dem Häuschen. Absinth wird, weil er hochprozentig ist, normalerweise mit Wasser verdünnt. Bei dieser Verdünnung kommt es zu einer opaleszierenden Weißfärbung. Man kennt das vom Anisschnaps. Die ätherischen Öle sind nur in Alkohol gelöst. Bei Zugabe von Wasser fallen sie aus, sie "präzipitieren" (ein fieses Wort). Um den verlorenen Kulteffekt auszugleichen, der durch den verringerten Wirkstoffgehalt entstand, belebten ritualerfahrene Menschen eine alte Absinth-Verzehrempfehlung wieder: Ein Zuckerlöffel wird in das Glas mit Absinth getaucht. Dann wird das Gemisch (60 Prozent Alkohol + Zucker als Katalysator) wie eine Mini-Feuerzangenbowle entzündet. Der ganze Zauber hat, wie auch bei der großen Feuerzangenbowle oder beim Flambieren, überhaupt keinen Einfluss auf den Geschmack. Es sieht aber enorm gut aus, macht eine Riesenshow und man kann sich als Kenner ausgeben. "Mann, war ich vielleicht stoned!"
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