Am Ende seiner Reise schreibt der Journalist Tiziano Terzani, dass er dankbar ist für seine Krebserkrankung, die ihn nach New York und durch Asien geführt hat - immer auf der Suche nach Heilung. Keine einzige Station bei einem der unzähligen Heiler bereut Terzani, jede davon hat ihn ein Stück zu sich selber gebracht.
Von Anfang an steht fest, das Terzani sterben wird - nicht in seiner Hütte im Himalaya, sondern bei seiner Familie in Italien. Das Buchcover verrät das, noch bevor man die erste Seite gelesen hat. Man liest das Vermächtnis eines Mannes, der vieles versucht hat, das Ruder herumzureissen: ausgehend von einer Krebsklinik mit Chemotherapie, Operation und Strahlenbehandlung in New York reist er zu Selbsthilfegruppen in den USA, zur Homöopathie nach Italien, zu Zauberheilern auf die Philippinen, zu einer Pilzkur nach Hongkong, zur alternativen Darmspülung nach Thailand, zum Leibarzt des Dalai Lama, zu indischen Meditations-Ashrams und Ayurveda-Kliniken - es gibt kaum eine der nicht-westlichen, asiatischen Heilmethoden, die er auslässt und zugleich deren Geschichte und Praxis studiert.
Terzani hat dieses Buch in den letzten Monaten seines Lebens geschrieben, in dieser Hütte im Himalaya, und er muss den nahen Tod gespürt haben, was sonst? Seine 'Instandsetzer' in New York haben eine begonnene Operation zuvor abgebrochen und ihn zum Sterben weggeschickt.
Trotzdem ist auf den mehr als 700 Seiten keine Melancholie oder Trauer oder Resignation zu bemerken, sondern Humor, Offenheit und ein (immer noch) wacher, aufmerksamer und kritischer Geist.
Tiziano Terzani beschreibt detailliert jedes Heilverfahren, reichert seine Erlebnisse und Erfahrungen an mit Redensarten, Sinnsprüchen und 'Legenden', die man in Asien kennt, aber bei uns unbekannt sind.
Für Kranke ist das Buch eine Fundgrube an alternativen Heilmöglichkeiten, die Mut machen und Chancen bergen - auch wenn sie Terzani nicht geholfen haben. Aber Terzani hat begriffen, dass seine Erkrankung psychische Ursachen gehabt haben muss.
Und Gesunde können sich informieren, bevor es zu spät ist.
Das Cover zeigt Terzani am Ende seines Lebens: vom Krebs gezeichnet und fast nicht wieder zu erkennen, wenn man sein voriges Buch kennt, das kurz davor erschienen ist.
Hervorzuheben ist auch die gelungene Übersetzung von Bruno Genzler, die einen die weit über 700 Seiten leicht lesen lässt.