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Der Autor ist noch vielen bekannt als Spiegel-Korrespondent in Asien von 1972 bis 1997. In dieser Zeit schrieb er zum Schluss ein originelles Buch über Asiens Mysterien „Fliegen ohne Flügel“. Dort spürte er allen Hellsehern, Astrologen und Esoterikern nach, die in Asien nicht nur eine private, sondern auch eine große politische Bedeutung haben. 1997 erkrankte er an Krebs und machte sich auf der Suche nach Heilung von New York über Indien, China, Thailand bis er schließlich im Himalaja seinen inneren Frieden fand. Er starb im Juli 2004 in seiner Heimat bei Florenz.
Er beginnt mit dem Eingeständnis: „Obwohl man weiß, wie vielen Menschen es passiert, denkt man nie, dass es einen auch selbst treffen könnte. So sah auch meine Einstellung immer aus.“ (S. 11)
Wir nehmen teil an seinen Beobachtungen in einer der besten und fortschrittlichsten Kliniken der modernen westlichen Medizin in Amerika. Wir empfinden mit, was eine Chemotherapie, eine Operation und eine Strahlenbehandlung an Gefühlen auslöst. Wir begleiten ihn auf einer Art Reise, eine unfreiwillige und unvorhergesehene, nicht nur äußerlich zu allen Plätzen, die Heilung versprechen, sondern auch innerlich „für die es keine Landkarten gibt“. Dabei verliert er nicht die Neugierde des Reporters. Unbestechlich registriert er die Mythen der modernen westlichen Medizin. Wie mit Röntgenaugen beobachtet er das Personal.
Über seinen letzten Wegabschnitt bekommen wir keine Auskunft. Er ist ja wohl in seine Heimat zu seiner Familie zurückgekehrt. Im Buch lautet der letzte Satz: „Und ich persönlich habe ganz besonders Glück, denn für mich bedeutet mehr denn je jeder Tag – eine weitere Runde auf dem Karussell.“ (S. 732)
Es ist ein langer, aber sehr aufregender Reisebericht geworden, den man ungern aus der Hand legt. Zu meiner Bibel würde ich ihn nicht machen, aber ich kann verstehen, dass insbesondere Krebskranke sich ermutigt fühlen, den eigenen Weg anzunehmen. Und die vielen Erzählungen und Zitate aus der religiösen und philosophischen Weisheit der Menschheit verdienen eine häufigere Lektüre.
Wolfgang Wagner
Von Anfang an steht fest, das Terzani sterben wird - nicht in seiner Hütte im Himalaya, sondern bei seiner Familie in Italien. Das Buchcover verrät das, noch bevor man die erste Seite gelesen hat. Man liest das Vermächtnis eines Mannes, der vieles versucht hat, das Ruder herumzureissen: ausgehend von einer Krebsklinik mit Chemotherapie, Operation und Strahlenbehandlung in New York reist er zu Selbsthilfegruppen in den USA, zur Homöopathie nach Italien, zu Zauberheilern auf die Philippinen, zu einer Pilzkur nach Hongkong, zur alternativen Darmspülung nach Thailand, zum Leibarzt des Dalai Lama, zu indischen Meditations-Ashrams und Ayurveda-Kliniken - es gibt kaum eine der nicht-westlichen, asiatischen Heilmethoden, die er auslässt und zugleich deren Geschichte und Praxis studiert.
Terzani hat dieses Buch in den letzten Monaten seines Lebens geschrieben, in dieser Hütte im Himalaya, und er muss den nahen Tod gespürt haben, was sonst? Seine 'Instandsetzer' in New York haben eine begonnene Operation zuvor abgebrochen und ihn zum Sterben weggeschickt.
Trotzdem ist auf den mehr als 700 Seiten keine Melancholie oder Trauer oder Resignation zu bemerken, sondern Humor, Offenheit und ein (immer noch) wacher, aufmerksamer und kritischer Geist.
Tiziano Terzani beschreibt detailliert jedes Heilverfahren, reichert seine Erlebnisse und Erfahrungen an mit Redensarten, Sinnsprüchen und 'Legenden', die man in Asien kennt, aber bei uns unbekannt sind.
Für Kranke ist das Buch eine Fundgrube an alternativen Heilmöglichkeiten, die Mut machen und Chancen bergen - auch wenn sie Terzani nicht geholfen haben. Aber Terzani hat begriffen, dass seine Erkrankung psychische Ursachen gehabt haben muss.
Und Gesunde können sich informieren, bevor es zu spät ist.
Das Cover zeigt Terzani am Ende seines Lebens: vom Krebs gezeichnet und fast nicht wieder zu erkennen, wenn man sein voriges Buch kennt, das kurz davor erschienen ist.
Hervorzuheben ist auch die gelungene Übersetzung von Bruno Genzler, die einen die weit über 700 Seiten leicht lesen lässt.
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