Selbst Boris Becker hat gewartet, bis sein dreissigster Geburtstag gefeiert war, um uns die persönliche Sicht seines bunten Lebens im Scheinwerferlicht zu erzählen. Aber was Frau Halmich uns von ihrem bis dato kaum ein viertel Jahrhundert währendem Sportlerdasein schildert ist mehr als dürftig. Problematisch, besser gesagt unnütz, scheint mir auch die Wahl des Co-Autors: Er hat entweder nichts retten können oder alles versaut, je nachdem wie man Halmichs Sprachfähigkeiten einschätzt, die als ausgebildete Anwaltsgehilfin nicht die schlechtesten sein dürften. Andauernde Verbwiederholungen, schlechte Konjektionen, langweilige Wortwahl und ungelenke Grammatik zeugen von ganz schlechtem Stil, der die Sachverhalte ungeordnet, konfuß und langweilig erscheinen lassen. Abgesehen davon, daß solche Anektdoten, wie die vom Duschvorhang wegziehen in den Umkleideräumen vom Universum-Stall weder lustig noch süffisant sind, bieten die sehr durchschnittlichen Jugenderlebnisse in der mittelbadischen Provinz der lobenswert soliden Familie Halmich nun wirklich keine spannenden Höhepunkte. Aus der Entdeckung der stets diszipliniert arbeitenden Kampfsportlerin wird hingegen nichts rausgeholt. Ebensowenig erfährt man von den wirklichen Gefühlen der Boxerin. Jeder der Wettkampfsport betreibt, weiß dass es auch mal Momente gibt, wo man mental oder körperlich schwach ist, diese wagt sie nie offen zuzugeben oder zu beschreiben. Es wäre sinnvoller gewesen nach dem letzten Kampf in Ruhe einen "Karriererückblick" zu verfassen und nicht irgendetwas hinzuhuddeln, um auf dem Markt zu kommen. Die Konkurrenz ist sehr groß was Literatur zum Boxen angeht, Es gibt einige Anthologien wo Boxgeschichten von Autoren, wie Hemingway, Roth oder auch Mann
gesammelt präsentiert werden, die natürlich immer nur die Sicht des männlichen Boxers schildern. Somit hat Frau Halmich leider die Chance vertan, als erste erfolgreiche Frau in diesem Metier einen Meilenstein zu setzen. Deshalb nur einen Stern in der Bewertung.