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Noblesse oblige: Die Kunst, ein adliges Leben zu führen Taschenbuch – 1. März 2011

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 256 Seiten
  • Verlag: Piper Taschenbuch (1. März 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492258018
  • ISBN-13: 978-3492258012
  • Größe und/oder Gewicht: 12,1 x 2,5 x 18,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (20 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 270.543 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Über den Autor und weitere Mitwirkende

Christine von Brühl, 1962 geboren, ist eine direkte Nachfahrin von Heinrich Graf Brühl. Nach dem Studium zog sie 1991 nach Dresden. Sie schrieb unter anderem für die »Sächsische Zeitung« und die »Welt am Sonntag«. Seit 2002 lebt Christine von Brühl als freie Autorin mit ihrer Familie in Berlin; zuletzt erschien von ihr »Noblesse oblige. Die Kunst, ein adliges Leben zu führen«. Mehrmals im Jahr besucht sie Dresden.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

2. Benimm dich! Bis heute steht für viele Außenstehende hinter jedem Adligen ein ganzer Knigge. Wenn man auch sonst nicht mehr viel mit den Vertretern einstiger Herrscherfamilien anzufangen weiß, jeder geht davon aus: Sie haben wenigstens gute Manieren. Alle Adligen wissen sich zu benehmen, Adlige wissen sich korrekt zu kleiden, Adlige kennen alle Benimmregeln in- und auswendig. Selbstverständlich ist das nicht der Fall. Es gibt viele Adlige, die keine Ahnung von Etikette haben, und groß sind gerade unter den Jüngeren die Unsicherheiten, die mit allen Regeln und der damit verbundenen Möglichkeit, gegen ebendiese zu verstoßen, einhergehen. Wen begrüßt man, wie stellt man sich vor? Wie kleidet man sich zu welcher Gelegenheit und Tageszeit, und wie spricht man Prinzen, Fürsten, Erbgrafen oder auch nur den Professor oder den örtlichen Pfarrer korrekt an? Woher soll man schon wissen, wie sich nach einer Hochzeit der Cort?ge (die Prozession) hinter Braut und Bräutigam beim Ausmarsch aus der Kirche ordnungsgemäß sortiert, welches Besteck man an vornehmer für mehrere Gänge gedeckter Tafel beim Essen zuerst benutzt? (Achtung: Immer von außen nach innen, nie den Dessertlöffel für die Suppe, nie das Fischmesser für den Nachtisch!) Wie deckt man den Tisch richtig? (Vorsicht: Flaschen immer unter oder neben den Tisch und die Servietten nicht ins Glas!) Küsst man auch als Mädchen und Frau allen älteren Damen zur Begrüßung die Hand? Schließlich muss man unter Adligen oft wildfremde Menschen begrüßen und dazu noch ein freundliches Gesicht machen, nur weil man zufällig mit ihnen verwandt ist. Manieren sind nach wie vor in adligen Häusern ein Thema. Wer aus einer alten Familie stammt, versucht das nicht zuletzt durch Anstand und gutes Benehmen unter Beweis zu stellen, und insbesondere bei der Erziehung achten adlige Eltern auf die Vermittlung korrekter Verhaltensweisen. Dass sich dahinter für manchen ein langer Leidensweg verbirgt, dass diese Manieren, dieses Wissen um Benimm und Anstand bisweilen mit drastischen Erziehungsmethoden beigebracht werden - das wissen die allerwenigsten. Eiserne Strenge, drakonische Strafen, lange Standpauken pflastern diesen Weg. Haus- beziehungsweise Zimmerarrest gehört dazu, meist natürlich Zimmerarrest, denn was wäre in Schlössern, in denen allein der Dachboden die Dimensionen eines gewöhnlichen Einfamilienhauses übersteigt, schon Hausarrest? Jedenfalls keine Strafe. Eher eine Regenpause, also die Anweisung, die manch einer aus seiner Schulzeit kennt, bei Regen bitte schön im Haus zu bleiben und nicht den klatschnassen Schulhof zu stürmen. Eigentlich also eine Annehmlichkeit. Und man muss so viel lernen. Es gibt unzählige Möglichkeiten, eine Strafe einzuheimsen, un Endlich oft Grund, sich davor zu fürchten, dass man wieder einmal etwas falsch gemacht hat. Gewiss, nicht in allen Häusern herrschen harte Sitten. Es gab und gibt adlige Häuser, in denen nicht nur eisige Strenge waltet, in denen es ab und zu sogar Süßigkeiten gibt, nicht nur an Weihnachten und Ostern, und Kinder gern gesehen sind. Es gibt milde Tanten und nachsichtige Onkel, die einem gerne verzeihen oder gar nicht erst darauf achten, ob das Kind sich immer korrekt verhält, ja es scheint ihnen geradezu gleichgültig zu sein. Aber eigentlich fürchten Kinder auch die, denn die Großen wissen ja alle um die Regeln und Gebote, sie wissen, was erlaubt ist und was nicht, und wie leicht kann ihre lustige Art, ihr fröhliches Lachen plötzlich in die strenge Miene eines ernsten Richters umschlagen. Wie leicht können auch die Gutmütigeren unter ihnen ausnahmsweise heute einmal beschließen, die Zügel anzuziehen und streng zu sein. Wir fürchteten alle Erwachsenen und besonders fürchteten wir sie in dem Haus meiner Tante. Sie war die strengste unter allen, bei ihr hatten Kinder nichts zu lachen, und nichts ängstigte uns so wie ein längerer Aufenthalt in diesem ansonsten so prächtigen Haus. Mein armer Vetter musste ein ganzes Essen lang stehen, weil ihm beim Weiterreichen der Schüssel sein Wasserglas umgekippt war. Die Schüssel war von schwerem Porzellan, sie war randvoll gefüllt, und die Arme des Jungen waren kurz, so kurz, wie Kinderarme eben sind. Er musste die Schüssel annehmen, sie neben sich stellen, seinen Teller daraus füllen, sie dann wieder hochheben und über alle Teller, Gläser, silbergefasste Salz- und Pfeffer-Gefäße, über alles Besteck hinweg an den Nachbarn weiterreichen. Und der Nachbar ist an so einer Tafel weit weg. So kurze Arme reichen kaum aus, um derlei Distanzen zu überbrücken. Außerdem war der Nachbar ein Erwachsener, er unterhielt sich angeregt mit dem Rest der Gesellschaft und achtete kaum auf die schwere Schüssel, die auf ihn zuwanderte, ja weniger noch darauf, dass es ein Kind war, das ihm die Schüssel reichte. Nur einen Zentimeter gab der Junge bei der Übergabe nach, wahrscheinlich war es noch weniger, ganz leicht wippte die schwere Last nach unten, doch es reichte, um den Rand des Glases zu streifen, das darunter stand. Das Glas kippte und sein ganzer Inhalt ergoss sich über das Tischtuch. Wasser war darin, denn selbstverständlich bekommen die Kinder nur Wasser zu trinken. Die Erwachsenen bekommen alles, was sie wollen, Rotwein, Weißwein, Apfelsaft, Limonade - die Kinder nur Wasser. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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3.4 von 5 Sternen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen

23 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Nadine1978 am 25. November 2011
Format: Gebundene Ausgabe Verifizierter Kauf
So läßt sich meine Meinung zu diesem Buch am besten zusammenfassen.

Eigentlich wollte ich es gar nicht lesen, denn die negativen Rezensionen fand ich sehr abschreckend. Arroganz und Standesdünkel mag ich ganz und gar nicht und fürchtete daher, das Buch würde mich über Gebühr aufregen. Doch der Blick ins Buch, der auf Amazon möglich ist, sagte mir, daß es so schlimm nicht werden würde - also habe ich es bestellt.

Christine Gräfin Brühl schildert die Lebensgewohnheiten des Adels. Offiziell ist der Adel in Deutschland schon lange abgeschafft, der einstige Titel nur noch Teil des Nachnamens (in Österreich nicht einmal mehr das) - aber natürlich geben Familien nicht einfach von einem Tag auf den anderen ihren Lebensstil auf. Warum sollten sie auch?

Was haben Adlige also für Gewohnheiten? Sie leben, wenn es finanziell drin ist, auf Schlössern und Burgen, die zahlreichen Kinder werden streng (und geschlechtsspezifisch) erzogen, man redet einander gern mit Spitznamen an, der Jagdschein ist für Männer das höchste Lebensziel (na ja, fast), und Tanzen ist Pflicht. Sind Adlige reich? Nicht unbedingt, und Reichtum ist auch relativ - wer ein Schloß in Schuß halten muß, hat natürlich gewaltige Ausgaben, die einen Großteil des erarbeiteten oder geerbten Vermögens verschlingen dürften.

Der Grund für die Aufregung hier im Rezensionsbereich ist aber eher das was die Adligen NICHT tun: Sie meiden den Bürger wie der Teufel das Weihwasser - oder genauer gesagt: den Spießer!

Was alles spießig (oder "leutsch", wie es im Jargon des Adels heißt) ist, würde den Rahmen eines Buches sprengen.
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22 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von selberdenker am 25. September 2009
Format: Gebundene Ausgabe
Wer sich über Wesen und Wirken des Adels in der heutigen Zeit informieren will, der hat es mit einem Buch reichhaltiger Informationen zu tun, das ihn/sie sicher zufriedenstellen wird. Ein detaillierter Blick hinter die Kulissen, der beinahe kein Thema auslässt und vor allem für die Freunde und LeserInnen von Klatschzeitungen einige aha-Effekte bereithält. Die aristokratische Tour d'horizon geht von Geburt, Erziehung, Ausbildung und Heirat bis hin zu so brennenden Fragen wie 'Welche Kartenspiele spielen Adelige?' und 'Wann wird ein Schottenrock getragen?' Vieles wird eher im Vorbeigehen gestreift, wer z.B. verstehen will, warum Tortengabeln 'spießig' sind, der muss sich wohl oder übel seine eigenen Gedanken machen. Auch die Aversion der Autorin gegen Gardinen und Vorhänge ist nicht wirklich schlüssig erklärt.
Der Ton, in dem das alles geschrieben steht, ist betont beiläufig und beruhigt, als wollte man damit sagen: so ist es, so war es, und so wird es immer bleiben; Erklärung und Nachfrage unerwünscht. Ein Adeliger, so liest man, ist nie allein, und wer etwas Besseres zu tun hat als zu tanzen, ist zumindest seltsam, wem endlose Konversation über das Wetter zu nichtig ist, ebenso. Diese doch eher arrogante Attitüde trübt das Lesevergnügen, so heißt es etwa ernst gemeint, dass ein Adeliger "auf die schiefe Bahn gerät", wenn er (zu viele) bürgerliche Freunde hat. Auf die Selbstironie, die am Buchumschlag angekündigt war, wartet man über lange Strecken vergeblich; es sei denn, 'Selbstironie' ist gleichbedeutend mit 'liebevoller Verklärung'.
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64 von 82 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von anso am 1. Juni 2009
Format: Gebundene Ausgabe
Um es gleich vorwegzunehmen: Bei Noblesse Oblige. Die Kunst, ein adliges Leben zu führen", handelt es sich um ein ausgesprochen überflüssiges Werk der Autorin Christine Gräfin von Brühl, der es über 252 Seiten gelingt, den Leser mit selbstgefälligen Nichtigkeiten zu ermüden und dem eigenen Stand ungeniert auf die Schulter zu klopfen.
So erfährt die Leserschaft zum Beispiel, dass auch der Adlige der Schulpflicht unterworfen ist und ihn weiße Socken in Sandalen schaudern lassen. Soweit, so schlecht, denn leider kommt das Buch über dieses Informationsniveau nicht hinaus. In einer keine Befriedigung findenden Wiederholungssucht werden zwei Themenbereiche in nahezu jedem Kapitel herausgearbeitet: explizit, der Adlige feiert und tanzt gerne; implizit, die Abscheu des Adligen vor dem Nichtadligen: Hier wird eine Mischehe" schon einmal mit einem Auf-die-schiefe-Bahn-Kommen gleichgesetzt. Und fast nebenbei wird dem Leser ausgerichtet, dass Demokratie und Soziale Marktwirtschaft nur vorübergehende Erscheinungen ihrer Zeit sind, wohingegen der Adel von dauerhaftem Bestand ist. Aha.
Dass der Eichborn-Verlag sich verteidigt, Frau von Brühl erzähle mit Sympathie und Selbstironie", erscheint vor diesem Hintergrund als eine verzweifelt nach Worten ringende Deeskalationsstrategie, die an Apartheid erinnernde Überheblichkeit einer sozialen Gruppe abzumildern, die sich primär über das Abwerten von Menschen nichtadliger Herkunft definiert und ihre eigene Stellung durch das Einheiraten in eine laut Gotha höher stehende Familie aufzuwerten versucht.
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