Noble House ist die Geschichte von zwei großen, stark konkurrierenden Handelsdynastien von Hongkong. Es geht um Geld, Gier, Macht, Politik und Intrigen. Hongkong, kein Städtchen, aber 'Stäätchen', hat an der Spitze einen kleinen, fast familiären Kreis von herrschenden Wirtschaftsbossen, den Tai Pans. Sie verfügen über eine ungeheure Macht, und sie stehen in direktem Kontakt mit den Regierungen dieser Welt und deren Geheimdiensten. Die Aura der Macht ist der Reiz von Noble House.
Noble House ist geschichtlich gesehen der 2.Teil. Die Familienfehde, die bereits per Testament (!) vererbt wird, begann etwa 100 Jahre früher und wird in 'Tai Pan' behandelt. Wer absolut chronologisch sein will, kann auch noch 'Gai-Jin' aus Clavell's Japan-Serie dazwischenlegen, ebenfalls ca. 1860 etabliert sich das 'Noble House' in dieser Zeit in Japan (s.a. meine Liste #8 zu Jamers Clavell). Alle Romane sind aber für sich abgeschlossen, und dick genug sind sie sowieso alle.
Clavell, der selber lange in Asien lebte, hat brilliant recherchiert und überzeugend geschrieben. Der Kampf der Dynastien liest sich spannend, kann aber bei den über 1000 Seiten etwas lang werden. Hongkong um 1960 ist ein sehr spezieller Ausschnitt aus der Geschichte, für den man sich interessieren sollte. Wohl wenige Städte haben sich so stark geändert wie Hongkong seit dieser Zeit, und die drastischen jüngsten Entwicklungen ist im Buch natürlich nicht enthalten. 1960 allein war mir noch nicht historisch genug, und auch wenn's komisch klingt: die Stimmung, Zeit und Büroausstattung haben mich etwas an Dallas & Denver erinnert. Beim Schauplatz Hongkong würde ich jedenfalls zur Zeit Romane vorziehen, die sich mit dem Systemwechsel und den massiven Veränderungen seit 1999 auseinandersetzen.