Hard to be a god (HTBAG) hat mich aus dem Stand heraus in seinen Bann geschlagen. Ich bin kein Spielefreak und hab ebenso wenig ein Faible dazu, geschlagene Stunden vor den flimmernden Bildschirm zu kauern. Aber dieses Spiel hat mir regelrecht die Augen für eine neue und aufregende Welt geöffnet und mir in epischer Breite gezeigt, dass die heutigen Rollenspiele allemal ein Blick wert sind oder die Installation einer abgespeckten Demoversion.
Eine relativ unbekannte Programmierschmiede hat sich mit dem Spiel ein großartig inszeniertes Spektakel geschaffen, vollgepackt mit einer packenden Story und abwechslungsreichen Quest. Das Spiel überzeugt nicht nur in der Story, der das gleichnamige Buch der Stragatzki Brüder zugrunde liegt, dem RPG-Gameplay, sondern greift zudem auf eine malerische Grafikwelt zurück, die minutiös ausstaffiert ist und eine stimmungsvolle Kulisse schafft.
Eine pure Idylle, die in den heißen Scharmützel und zu lösenden Quest zu übergroß (kaum erkundbar und übersichtlich) erscheint. Dennoch die Kämpfe zwischen wuchernden Gestrüpp und üppiger Bewaldung machen Laune. Und halten ein bei Laune, denn trotz der starken Waffenauswahl und deren kraftvollen Beschreibung und skillbaren Sondermoves, ist sie doch sehr altherkömmlich. Ein purer Genuss hingegen die futuristischen Waffen. Leider keine Arsenale und zumeist nur aufgestockte, ohnehin vorhandene Waffensorten.
Die Kleidung und sonstigen auffindbaren Gegenstände, um den Helden aufzumotzen, sind sehr schmuck und lassen einen diebisch nach mehr gieren. Die typische Sucht nach Vollkommenheit und überragender Stärke und Sammlerwut stellt sich ein. Und das Suchtpotenzial wird durch die Erfahrungspunkte, um die Persönlichkeit zu befähigen, gefestigt. Also metzelt man die zahlreichen Gegner nieder und ab und an darf auch mal eine Henne oder der Hofhund dran glauben.
Oder man verkleidet sich mit der im Inventar ergatterten Verkleidung einfach in einen der feindlichen Gruppen. Rettet einen an manchen Stellen den Hals.
So sehr die pittoreske Grafik einen vereinnahmt, so sehr mangelts aber an Konformität mit dem heimischen Rechner. Das Spiel hat seine technischen Zimperelin. die Engine fühlt sich (selbst bei neuster GeForce 8700 mobiler Grafikbeschleuniger) bei der Berechnung der Schatten überfordert. Die Skriptsprache stammt aus der Ära als Dungeon-Siege die Siege die Welt eroberte - macht sich stark, wenn man als Gamer selber Hand anlegen will (Die Skills sind z.B. schlicht editierbar, da in Textform hinterlegt), aber setzt Systemabstürze bei ungenauer Skriptung voraus und das ist leider der Fall.
Wer sichergehen will, kommt nicht umhin, bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf die umständliche Speicherfunktion zurückzugreifen.
Die Grafikfehler sind recht amüsant, dennoch ärgerlich.
Verkraftbar ist, wenn der Umhang des Herolden durch die Luft gezogen wird, wie ein entfleuchter Gartenschlauch. Eine Unzumutbarkeit ist es, wenn der waffenstarrende Avatar auf den vertrackten Wegen ins Gebüsch begibt, sich vom verschlafenen Dorf zu Dorf hangelt und urplötzlich in einem Gatter stecken bleibt. Karte der Unpassierbarkeit sei Dank! Und hoffentlich kursiert irgendwann ein offizieller Patch im WWW. Eine offizielle Spieleseite findet sich nämlich nicht.
Zum Ende hin verliert das Spiel an Spannung. Es tauchen immer die gleichen Gegnertypen auf (Mönche, graue Ritter, bösewichtige Räuber und Banditen). Zwar in nicht geahnter Stärke, aber monoton und wenig abwechslungsreich. Gute Ansätze wie der urige, dschungelartige Sumpf kommen zu kurz und die Landschaft wirkt auf Dauer auch gleichförmig.
Und es wundert trotz der Stärken des Spiel nicht, dass die Fachzeitschriften dieses Spiel niedermachten, denn im Kampfmodus verliert man schnell die Übersichtlichkeit und fällt schneller als man die Elixiere trinken kann. Wenn ein Pulk kampflustiger Gegner auf einen zustürzt, kann man nur noch das Weite suchen oder von vornherein jeden Gegner einzeln anlocken und niederstrecken. Denn im Einzelkampfmodus ist durch die ALT-Taste der Gegner netterweise fixiert. In engen Häuserschluchten nimmt die Kamera gerne mal das nächste Dach unter die Lupe und verwehrt einen den Blick - äußerst ärgerlich.
Und obwohl die Steuerung über die bewährte WASD-Belegung recht ausgetüftelt ist, brauch man lange um sich dran zu gewöhnen. Die Heldenbesetzung hoch zu Ross ist praktisch und von ungemeinen Vorteil, wenn man die riesigen Territorien durchkämmt, aber unzumutbar, wenn Gegner den Weg säumen.
Von mir gibts, aller Mankos zum Trotz, fünf Sterne! Das Spiel hat es allein der Grafik, der Story und des einnehmenden Suchtpotenzials wegen verdient. Selbst wenn es an manchen Stellen unausgereift ist und man des Öfteren in die Verlegenheit kommt, die Programmierkünste zu lautstark zu verfluchen - sich dem Spiel entziehen kann man schlecht und ich spiele eigentlich gar nicht!