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Als auch noch seine Tochter Kristina entführt wird, das liebste, was dem blässlichen Professor seit dem Unfalltod seiner Frau geblieben war, konnte nur noch einer helfen. Anderssons Schwager Gunnar Forsberg, der wegen Einbruchs und Industriespionage in Haft saß. Um Gunnar frei zu bekommen, lässt der Professor sämtliche Verbindungen spielen. Ab Seite 117 übernimmt der toughe Gunnar den Erzählfaden und schwingt sich zum eigentlichen Helden der Geschichte empor. Seine Suche nach Kristinas Entführern gerät bald zu einer schwindelerrregenden Odyssee. Ein menschliches und ganz und gar nicht nobelpreiswürdiges Katastrophengebiet erschließt sich. Von nun an windet sich die Story in verschlungenen Pfaden und nimmt schließlich eine völlig unerwartete Wendung, von der, um der Spannung willen, nichts verraten werden soll.
Starker Stoff, sieht man von einem erzähltechnisch nicht ganz schlüssig zu lösenden Problem ab. Gemeint ist das im ersten Viertel des Romans gewaltige Lügenkonstrukt, das (erzählerisch problematisch), als tatsächliches Geschehen geschildert wird, wie auch Ich-Erzähler Gunnar am Ende des Romans kleinlaut zugeben muss.
1998 Das Jesus-Video. Nun Der Nobelpreis. Zwei Pfunde, mit denen sich wuchern lässt. Wissenschaft meets Thriller. Eine Formel, die Frank Schirrmacher von der FAZ prompt veranlasste, einen deutschen Michael Crichton auszurufen. Vielleicht zuviel der Ehre --, aber einen Mini-Nobelpreis für die Kühnheit seiner Konstruktion hat Andreas Eschbachs verblüffend konstruiertes Verwirrspiel allemal verdient. --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
(c) Hans Peter Roentgen - literature.de - Das Literaturportal -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Spannendes Buch mit einer großen Macke,
Von Joerg Mergenthaler "joergmergenthaler" (Metropolregion Rhein-Neckar) - Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Der Nobelpreis: Roman (Taschenbuch)
Es wäre schade um dieses wirklich spannende Buch von Eschbach, wenn man hier die tatsächliche Handlung wiedergeben würde, weil damit auch die vom Autor gewollte Pointe" enttarnt werden würde. Der Leser soll glauben, es gehe um Korruption bis hin in angesehene und höchste Kreise, und die ganze Welt sei vom Satan beherrscht. Staaten, Weltfirmen, selbst das ehrwürdige Nobel-Komitee, alle käuflich, und vor Mord schreckt niemand mehr zurück.
Wer die anderen Bücher des Autors kennt, der wundert sich beim Lesen über die extrem negative Darstellung von Staat und Gesellschaft; ist Eschbach plötzlich zum Radikalen geworden? Unwillkürlich fallen einem Vorfälle der letzten Jahre ein, Hedge-Fonds, die nicht davor zurückschrecken, ganze Staaten wirtschaftlich zu ruinieren, Lehman-Pleite usw. . In der Kurzbeschreibung und in zahlreichen anderen Rezensionen wird es ja bereits dargelegt: Der Sachverhalt, der dem Leser von einem "neutralen" Erzähler im ersten Viertel des Buches vorgelegt wird, ist unzutreffend. Der Leser erhält dadurch den gleichen Horizont und Kenntnisstand, den der Ich-Erzähler dann hat, als er nach etwas über 100 Seiten die Erzählung weiterführt. Dies wird dem Leser gegenüber allerdings erst am Ende des Buches offen gelegt. Bis dahin wundert man sich über doch arg viele Zufälle; wer, wie ich, allerdings bereit war, sich auf die spannende Erzählung einzulassen und diese ernst genommen hat, der ist dann doch etwas verärgert, wenn es am Ende heißt: "April, April". Zumal die Auflösung an Banalität kaum zu übertreffen ist. In die Ecke gefeuert habe ich das Buch deswegen nicht. Es ist aber etwas unfair, dem Leser jede Möglichkeit zu nehmen, selbst auf die richtige Spur zu kommen. Denn an einer Stelle kam es mir schon so vor, als sei das Erpressungsopfer, Mitglied im Nobel-Komitee, möglicherweise selbst in die Sache verstrickt. Da man als Leser allerdings von den auf den ersten 100 Seiten geschilderten Fakten ausgehen muss habe ich den Gedanken gleich wieder verworfen. Diesen Bruch hätte der Autor leicht umgehen können: Er hätte das anfangs geschilderte Szenario nicht als Faktum darstellen dürfen, sondern als die Story, die der Herr Professor seinem im Knast sitzenden Schwager auftischt. Dann hätte der Leser die Chance gehabt, die gleiche Frage zu stellen, die die Nobelpreisträgerin am Schluss des Buches auf Anhieb stellt und die zur Auflösung des Lügenkonstrukts führt. Trotz einer gewissen Verärgerung gibt es drei Sterne, dann das Buch hat auch gute Seiten: Es liest sich zwischendurch sehr spannend. Hoch interessant ist die Schilderung, wie die Nobel-Preise vergeben werden. Sehr ernst nehmen sollte man die Schwierigkeiten, die der nach sechs Jahren aus der Haft entlassene Ich-Erzähler hat, sich in unserer immer schnelllebigeren Welt zurechtzufinden, wenn er etwa nach einer Telefonzelle sucht, von denen es aufgrund der Allgegenwart von Mobiltelefonen nur noch wenige gibt. Diese Schwierigkeiten können das Wiedereinfügen von Haftentlassenen in die Gesellschaft und den Beruf sehr erschweren. Und es zeigt, wie eine allzu negative Sicht der Welt die Wahrnehmung verzerren kann: So hat ein Professorenkollege in seiner Schreibtischschublade Fotos junger asiatischer Mädchen zu liegen, versehen mit Datum und Strichliste. Automatischer Gedanke des knasterfahrenen Erzählers: Der Kollege meines Schwagers ist ein Päderast. Auflösung: Es handelt sich um Kinder, für die der Professor die Patenschaft übernommen hat... . Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Sehr gute und kurzweilige Unterhaltung,
Rezension bezieht sich auf: Der Nobelpreis (Gebundene Ausgabe)
Eines muss man Andreas Eschbach wirklich lassen. Er hat ein großes Talent für spannende und außergewöhnliche Plots. So widmet er sich in seinem neuesten Werk "Der Nobelpreis" der Frage, ob eben jener käuflich ist (bzw. die Juroren). Alles Phantastereien? Unsinn? Vielleicht nicht so ganz. Eschbach hat sich bei dieser zunächst einmal abstrus klingenden Frage von einem realen Verdachtsfall inspirieren lassen. Denn nach wie vor halten sich hartnäckige Gerüchte, dass es bei der Verleihung des Medizin Nobelpreises 1986 an die Neurobiologin Rita Levi Montalcini nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. So soll ein italienischer Pharmakonzern hier massiv (finanziell) nachgeholfen haben. Alles Vermutungen, die bis heute nicht bewiesen sind. Eschbach gelingt es aber vor diesem Hintergrund eine spannende Geschichte zu entwickeln, die - im Gegensatz zu "Eine Billion Dollar" - recht realitätsnah und nicht so ganz an den Haaren herbeigezogen wirkt. Fzit: Gute Unterhaltung im besten Sinne! Kurzweilig, spannend, ohne allzu große Längen und etwas nachdenklich stimmend. Crichton ist auch nicht besser... Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Gutes Spiel mit den Erwartungen des Lesers,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der Nobelpreis (Gebundene Ausgabe)
Der Nobelpreis ist die bekannteste wissenschaftliche Auszeichnung der Welt. In seinem gleichnamigen Roman spielt Andreas Eschbach auf sehr unterhaltsame und kurzweilige Art mit dem Gedanken "Was wäre, wenn die Auswahl eines Preisträgers über Bestechung der Stiftungsmitglieder erfolgen würde".
Genau dies scheint Hans-Olaf Andersson, einem Juror für den Medizinnobelpreis offensichtlich zu wiederfahren. Und er holt seinen wegen Wirtschaftsspionage im Gefängnis sitzenden Schwager Gunnar Forsberg aus dem Knast, um ihn mit der Tasache zu konfrontieren, dass Kristina, die Tochter Anderssons, von den Drahtziehern der Bestechung entführt wurde, um Druck auf Andersson auszuüben. Forsberg ist für ihn der Einzige, der aufgrund seiner Vergangenheit helfen kann. Bis zu diesem Zeitpunkt schreibt Eschbach die Story in der 3. Person aus Sicht von Hans-Olof Andersson. Der restliche Roman erzählt in der Ich-Form die nachfolgenden Ereignisse aus Forsberg's Sicht. Und der sieht sich auf der Suche nach den Drahtziehern, die ihn letztendlich illegal bis in die geheiligten Räumlichkeiten des Nobelpreiskommitees führen, immer wieder mit unerwarteten Überraschungen und Wendungen konfrontiert, die ihn mehrmals fast wieder ins Gefängnis zurückbringen. Zudem führen ihn seine Ermittlungen auch weit in die eigene Vergangenheit und konfrontieren ihn mit Dingen, die er längst vergessen oder verdrängt hatte. Auch wenn für mich schon frühzeitig eine Ahnung aufkam, welche Wendung und Auflösung "Der Nobelpreis" letztendlich bereithält, so schafft es Andreas Eschbach am Ende vor allem bei der Beschreibung der Tatmotive zu überraschen. Vieles ist nicht so wie es scheint - das muß Forsberg am Ende seiner Suche teilweise schmerzhaft feststellen und auch der Leser erlebt einiges an Überraschung. Wieder einmal schafft es Eschbach, seine Leser in den Bann zu ziehen. Die Story ist von der Grundidee faszinierend, von der Entwicklung überaus spannend, von der Action angenehm zurückhaltend, von den Personen sehr vielschichtig und liebevoll angelegt und von dem Schreibstil sehr kurzweilig. Da verzeiht man dem Autor den unpassenden (und gott sei dank nur kurzfristigen) Wechsel in eine dritte Erzählform, nämlich die direkte Ansprache des Lesers. Die ist einfach nur unpassend und irgendwie irritierend, weil vollkommen ohne Belang. Für mich schade war, dass einiges an Wendungen und Handlungsverläufen einfach zu klar und offensichtlich angelegt ist, was der Spannung dann ein klein wenig Abbruch tut. Summa summarum aber ist "Der Nobelpreis" ein mehr als solider, ein spannender und ein sehr empfehlenswerter Roman aus deutscher Feder - und von denen gibt es doch nicht allzu viele! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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