Lucho, ein 13j. Chilene, muss mit seinen Eltern vor Pinochet und seinen Schlächtern nach Deutschland fliehen. Keine Sprachkenntnisse (außer sehr schnell: "nix passiert", wenn er beim Fußball wieder mal getrickst hat) echte Armut, denn die Eltern sind sprachlich ebenso hilflos wie ihre Kinder, können daher keine qualizifierte Arbeit leisten, da sie zur geistigen Elite ihres Landes gehörten, was Diktaturen nur schlecht ertragen: Menschen, die denken, sind Feinde- und zwar nur aus diesem Grund! Die Erniedrigung, vor allem für seine Eltern, in die Lebensmittelabteilung des KaDeWes (inzwischen schon ein Paragraph in den Städteführern!) gehen zu müssen, um sich mit kostenlosen Häppchen über die Runden zu bringen, Ablehnung durch die deutschen Mitschüler und dann auch noch - ja, ja, das andere Geschlecht.
Wie der Autor das mit viel Humor und Liebe für seinen Protagonisten spannungsreich erzählt, lohnt sich zu lesen - und zwar nicht nur von Jugendlichen. Die "High-Noon-Szene" ist für mich der absolute Höhepunkt gewesen und wie anschließend das Geld aus dem Strumpf eine wunderschöne Freundschaft anbahnt. (Kulturelle Unterschiedlichkeit muss nicht unbedingt etwas Trennendes sein; denn die Basisbedürfnisse von Menschen sind völlig gleich!)
Für alte Knacker wie mich, die in den Siebzigern in Berlin-West gelebt haben, gab es immer wieder Aha-Erlebnisse, wenn Orte genannt wurden, die man aus eigener Anschauung kennt: Nostalgie puuuuur!!!
Ich glaube, dass diese Lektüre für den Spanischunterricht gut geeignet ist, obwohl die Schüler schon etwas älter sind als der Protagonist, die Probleme, die hier geschildert werden, sind heute jedoch noch viel aktueller als damals.
Wie eine Rezensentin auf die Idee kommt, dass dieser Text in Katalan verfasst sei, einer Sprache, die sie in einem Jahr in Katalonien lieben gelernt hat, ist mir völlig unverständlich. Es handelt sich um die Originalfassung des Textes eines chilenischen Autors, der sich des chilenischen Kastillanisch bedient, was zum Gebrauch einer Reihe von Begriffen führt, die in Spanien so nicht üblich sind, aber in Fußnoten erklärt werden. Hat hier Liebe blind gemacht???
Ach, übrigens: Ich hätte gar zu gerne die doppelte Punktzahl vergeben.