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3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Haut, Herz und Knochen 15. März 2005
Format:Audio CD
Das Motto der Kills, im Grenzbereich zwischen Disco und Punk Zweisamkeit zu dokumentieren, war immer geprägt von Minimalismus, Kleinkariertheit und Geheimnissen. Wie produktiv dieser angeblich fehlende Mehrwert sein kann beweist ihr nun zweites Album „No Wow".

Es fehlt immer dieser eine, entscheidende Schrei, die letzte große Pose, um bei einem Kills-Song ganz tief im Rock-Sumpf zu landen. Und dieses ständige Fehlen tut manchmal weh, lässt dich zweifeln und bangen um diese beiden Seelen, die sich nie preisgeben oder öffnen wollen. Warum ihr Geheimnis so verlockend ist, ist dann oft schwer zu ergründen. Ihr Debütalbum „Keep On Your Mean Side" war das Dokument einer Abschottung. Zwei Personen, die niemanden eindringen lassen, die aufgezeichnete Dialoge ins Studio mitnehmen um sie in ihre Songs einzubauen, und die nur eine tief gestimmte, ungut verzerrte Gitarre und eine Drummachine verwenden. Das und zwei Stimmen, die sich jagen, begreifen, umkreisen und durchdringen wie es einst nur Royal Trux konnten. Nur sind The Kills kleiner, verwickelter, bieten weniger Oberfläche.

VV (eigentlich Alison Mosshart) und Hotel (eigentlich Jamie Hince) haben für die Aufnahme ihres zweites Album ein einsames Kaff in Michigan aufgesucht. Sie sagen, dass, wenn das Debüt von vielen als „reine Haut und Knochen" bezeichnet wurde, „No Wow" der Versuch ist, sich sogar davon zu lösen. Um bis ans Herz der Songs vorzustoßen. Und tatsächlich wirken die Songs auf „No Wow" kürzer als die vom Vorgänger, bieten noch weniger Pose, keine „F the People"-Refrains, dafür Abgesänge an die Liebe und die klare Feststellung, dass sich das bodenständige, ernste Heute vom Damals der 60er dadurch unterscheidet, dass es keine „Wows!" mehr gibt. Diese „Wows!", die VV und Hotel beim Hören von Velvet Underground oder Suicide empfinden. Und sich gegenseitig mitteilen, in ihren Songs. Die Platte ist somit auch ihre kleine, interne Therapie vor dem Grauen, das sie umgibt. Vielleicht ist dies das schöne Geheimnis, das beim Hören von „No Wow" diese leichte Gänsehaut auslöst. Dass die Platte ein „Wow!" transportiert, das du verloren und vergessen hast in all dem Trubel.

Es wäre schade, würden The Kills einzig als Vorband ihrer Labelkollegen Franz Ferdinand in Erinnerung bleiben. Angeblich sind Kills-Konzerte ja sehr laut. Und Lautstärke wirkt auch dem Vergessen entgegen, das jedes kleine „Wow!" unseres Lebens bedroht.

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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
The Good Ones 30. Dezember 2005
Format:Audio CD
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"Bei der letzten Platte wollten wir auf alles überflüssige verzichten, nur Haut und Knochen" beliebt Kills-Mastermind James Hind zu scherzen, "beim neuen Album haben wir die auch noch weggelassen." Noch minimalistischer wollte man also an die Sache rangehen; soll heißen ein verzerrtes Gitarrenriff, ein knochenharten Rhytmus, ein bisschen Gesang - reicht für einen Song. Nicht viele Bands können - oder trauen sich - das, die Kills haben's jedoch schon auf dem Debutalbum "Keep on your mean side" hinbekommen; "No Wow" ist noch konsequenter, noch stringenter - und noch besser. Die großartigen Singles ("The good ones"!) ließen Großes erwarten, das Album legt nach: Sparsame, prägnante Gitarrenhooks über denen das britisch-amerikanische Duo sinistre, kleine Melodien singt, spricht, haucht.
Geradezu poppig wird's bei "Love is a deserter", drogenschwanger bei "The good ones" und melancholisch bei "Rodeo Town". Auf Produktionstricks jedweder Art wird, selbstverständlich, verzichtet (obwohl diesmal anscheinend sogar in einem richtigen Studio aufgenommen wurde), mehr Gefühls- und Ausdrucks"Realness" war lange nicht mehr, Haut und Knochen also weggelassen damit man das Herz lauter schlagen hört. Kann man so machen.
Auf der DVD hier anscheinend ein paar nette Videoclips, meine Bonus-DVD enthält allerdings eine eher öde The Kills-Doku namens "I hate the way you love". Hätte lieber die Songvideos, aber "No Wow" lohnt sich, anyway.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
haarig-paarig... 14. Juli 2006
Format:Audio CD
eine mann und eine frau machen krach. das ist nichts ungewöhnliches, das kennen wir alle. auf künstlerische art beginnend bei den white stripes und auf die eher pädagogisch-destruktive art endend bei den eigenen eltern. an dunklen abenden durch geschlossene türen schreiend, krakeelend und sich innig lieb-hassend. womit das wesen der kills auch schon zu einem großen teil blank gelegt wäre. "you're gonna have to step over my dead body, before you walk out that door" singt alison "vv" mosshart in kühl-berechnender showdown manier. um gleich danach analytisch einzugestehen: "you charmend me with your magic, landed looking tragic". das ist moderner, zeitgemäß bis futuristischer beziehungsstress par excellence. wobei die futuristische anmutung vor allem auf die musikalische komponente zurückzuführen ist. denn den anfangs erwähnten krach, den the kills auf ihrem debut "keep on your mean side" noch gemacht hatten, den gibt es auf "no wow" kaum noch. von jamie "hotel" hince aufs notwendigste reduziert bilden gitarre und drum-machine eher das szenario für ein leben im untergang. "this dead road leads down, to that dead road and back" heisst es in "dead road 7". ein motiv, dem wir wieder und wieder begegnen. in der ersten single-auskopplung "the good ones" heisst es gar "took a car to the part of the city where the city runs out of the street lights. god knows it's the way that it goes that we're never gonna catch any daylight". da ist schon nicht mehr verzweiflung, sondern ganz klare aufgabe. das eingeständnis machtlos zu sein gegen das ganz große sinnentleerte garnichts. und doch ist sie da, die erotik. die lust. ja sogar die gier. verantwortlich dafür ist vor allem der mosshart'sche gesang. in bester morbid-manier, die man bei bedarf bei pj harvey, gerne aber auch patti smith abgeglotzt sehen darf, zelebriert die amerikanerin ihre klaustrophobische libido. zusammen mit jamie hince hört und fühlt sich das dann so an als würden die beiden versuchen in einer beklemmenden orwellschen "1984"-welt etwas kalte zuneigung zu finden.

staubtrockene beats, karge riffs - das sind the kills und das ist zugleich auch die angerockte version des lofi-charmes. die gitarre scheppert kontrolliert vor sich hin und der drum-beat wummert mit stoischer gelassenheit dem allumfassenden ende entgegen. weniger ist mehr.

"no wow" ist ein durchaus faszinierendes album, dass mit gut 40 minuten spielzeit auch gleich perfekt getimed ist. eine längere spieldauer hätte nur die geister der monotonen langeweile geweckt. dem aber entgehen the kills ja weitsichtigerweise.
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