Damit, ob dieses Album besser oder schlechter ist als seine Vorgänger, will ich mich gar nicht näher befassen. Man wird sich leichter darauf verständigen können, dass auch "No, Virginia" in einer Gesamtqualität vorliegt, von der die "Konkurrenz" nur träumen kann. Wer bisher zufrieden war, kann hier bedenkenlos zuschlagen.
Zur Konkurrenz, es soll nicht relativierend wirken, wenn die DDolls bei genauer Betrachtung in ihrem Genre gar keine Konkurrenz haben. Teil deren Konzepts/Erfolges ist, durch Ausrichtung und Instrumentierung musikalische Bedürfnisse zu stillen, die der Hörer vielleicht bisher nicht hinreichend artikuliert hat. Sonst wäre es doch auch wahrscheinlich gewesen, dass auch andere Bands diese Lücke für sich entdeckt hätten und womöglich den DDolls zuvorgekommen wären. Jetzt abgesehen vom notwendigen Talent, welches für Authentizität und Interpretation notwendig ist und welches Amanda Palmer und Brian Viglione zweifelsohne besitzen.
War es bei den Vorgängeralben schwer möglich musikalische Assosationen zu fremden Material anzustellen, fällt das hier bei "No, Virginia" teilweise leichter [zB "pretty in pink"]. Für manche ist das bereits Grund genug die Nase zu rümpfen, andere hingehen, sehen darin eine (notwendige?) Weiterentwicklung.
Auch frage ich mich nach guter Kenntnis der 3 Alben, wie lange dieses Konzept noch (bei mir selbst) funktionieren wird? Zu guter letzt bin ich von Viglione auch ein bisschen enttäuscht, weil seine Spielweise beim aktuellen Album aus meiner Sicht an Kreativität merklich eingebüßt hat. Hinsichtlich Rhythmik waren die ersten beiden Werke imo weitaus erfrischender und akzentuierter.
In Summe gesehen und nicht an sich selbst gemessen, gerechtfertigte 5 Sterne. Für Leidenschaft und Qualität, nicht nur in Hinsicht auf einzelne Songhighlights, sondern das gesamte Album betreffend (filler sucht man vergeblich).
Der DDolls Neueinsteiger kann übrigens jedes beliebige der 3 Alben heranziehen um einem gesunden Ersteindruck zu bekommen, damit eignet sich auch "No, Virginia" bestens.