No Sleep zu bewerten / zu rezensieren fällt mir nicht ganz leicht. Warum? Eben weil ich die Popstarsstaffel gesehen haben, von Anfang bis Ende. Weil ich die Entwicklung der Mädels über Wochen mit verfolgt habe. Weil genau die vier Mädchen in die Band gekommen sind die ich mir gewünscht hätte. Weil sie die vier Stimmlich besten der Staffel waren und wem das noch nicht Aussage genug ist: weil sie verdammt nochmal wirklich fantastisch singen können.
Warum also fällt es mir schwer eine Rezi zu diesem Album zu schreiben, auf das ich mich doch offensicht gefreut haben müsste (hatte ich auch)? Ganz einfach weil das passiert ist, was so oft bei Castingshows passiert.
1. Es wird innerhalb kürzester Zeit (eine Woche) ein Album dahin geklatscht. Muss ja auch, denn die Produzenten wollen schließlich schnelles Geld machen.
2. Die Songs für das Album waren alle schon ausgewählt bevor überhaupt feststand wie die endgültige Band überhaupt aussieht. Was daran so schlimm ist? Nun ja, sagen wir einfach viele der Lieder passen überhaupt nicht zu den Mädchen.
3. Die vier wurden hauptsächlich für ihre Performance bei Baladen in die Band gewählt. Aus gutem Grund. Könnte es dann nicht vielleicht sein, dass die Menschen die für sie angerufen haben, eben auch genau das hören wollen? Warum wirbt man quasi mit Produkt A und liefert dann ein ganz anderes Produkt B?
4. Bei 50% der Lieder ist soviel elektronische Verzerrung im Spiel, dass es fast unmöglich ist zu sagen wer da überhaupt singt. Schade, denn eigentlich wollte ich genau das: hören wer da singt.
5. Es wurde offensichtlich überhaupt nicht auf die Stimmen der Band eingegangen. Aber wie auch, bei nur einer Woche?
6. Selbst als auf Amazon und anderen Orten heftige Kritik auf die Single 'No time for sleeping' einprasselte, sah man anscheinen keinen Grund dafür etwas umzudenken. Das Release des Albums etwas zu verschieben und das ganze nochmal gründlich zu überarbeiten.
Nochmal: Warum also fällt mir diese Rezi schwer: Weil ich die vier mag, sie mir sympathisch sind, ich absolut von ihrem Können und ihren Stimmen überzeugt bin, ich aber bei einer Rezi dieses Albums auch eine Menge kritisieren muss. Warum lasse ich es dann nicht einfach und schreibe keine Rezi? Weil ich eben denke, dass solche Dinge angesprochen werden sollten, damit es in Zukunft vielleicht besser läuft.
Zu den Songs im Einzelnen:
1. How deep is your love 2/5 Nicht der schlimmste Song des Albums, nervte mich aber schon beim ersten Mal hören.
2. No time for sleeping 1/5 Ein Ohrwurm, soviel muss ich zugeben, wenn es jetzt auch noch ein gutes Lied wäre, dann würde ich nicht so unter dem Wurm leiden.
3. Rock that city 1/5 Fängt an, plätschert dahin und geht irgendwann endlich zu Ende. Wer es schafft die Stimmen herauszuhören ist echt gut. Ich habs nicht geschafft.
4. Keep on 5/5 Das erste Lied des Albums bei dem ich überhaupt die einzelnen Stimmen heraushören konnte, gleichzeitig das erste gute Lied des Albums. Ruhiger, ein wenig verträumt und weiß zu gefallen.
5. Ufo 0/5 Ich bin mir nicht sicher ob ich schon einmal etwas Schlechteres gehört habe. Auch wenn Amazon normalerweise keine 0 Sterne erlaubt, kann ich hierfür einfach nichts geben. Diesen Song hätte sogar eine 10 jährige singen können, ohne das es einen Unterschied gemacht hätte.
6. Burning love 4/5 Der Beweis dafür, dass Lavive durchaus auch Popnummern können, wenn sie denn gut geschrieben sind. Ein paar Songs mehr in dieser Art hätten dem Album durchaus gut getan.
7. Hurtful 5/5 Sehr schöne Balade bei der die Stimmen der Mädels gut zur Geltung kommen und der Sound zu gefallen weiß.
8. Play dumb 1/5 Dieses Lied könnte vermutlich sogar ich singen, ohne das auffallen würde, dass ich überhaupt nicht singen kann.
9. Unisex 1/5 Ich war versucht dem Song 2 Sterne zu geben. Nicht weil er so gut wäre, sondern weil er mich an Super Mario jump and run Spiele erinnert hat und ich doch grinsen musste. Aber die Zeiten sind seit 10 Jahren oder so vorbei. Marios Soundtrack hat sich weiterentwickelt, warum dieser nicht?
10. Empire of love 3/5 Durchschnittliche Popnummer. Viel mir positiv auf weil sie nicht negativ auffällt. Macht durchaus einen runden Eindruck.
11. Will you go with me 5/5 Der mit Abstand beste Song des Albums. Alle vier Stimmen kommen sehr gut und klar rüber. Der Gesang ist ungemein gefühlvoll und kann sogar für Gänsehaut sorgen. Um es mal ganz klar zu sagen: DAS, GENAU DAS, hatte ich mir von Lavive erhofft / erwartet. Nur war ich so naive zu hoffen, dass es davon mehr als nur ein Lied geben würde.
12. "I swear" Nicht bewertet, da kein direkter Lavive Song. Durchaus aber ein Highlight des Albums.
Abschließend: Die Durchschnittswertung würde bei 2,5 liegen. Da ich, wie gesagt, die Mädchen mag und Meike, Sarah, Julia und Katrin für die Zukunft alles Gute wünsche, runde ich auf 3 auf.
Die Verantwortlichen für dieses Album würde ich dennoch gern mal in Finger kriegen. Man schickt die Leute über drei Monate durch die Sendungen und gerade dann wenn sie glauben am Ziel ihrer Träume angekommen zu sein, wirft man ihnen mit so einem Album quasi die Tür vor der Nase zu. Das ist den vieren gegenüber alles andere als fair. Und für uns Hörer der Musik ist es einfach nur verdammt schade, denn da war so viel mehr drin. Ich arbeite in keinster Weise in der Musikindustrie und wenn ich sage, dass ich davon überzeugt bin, dass ich für dieses Album eine deutlich bessere Songauswahl hätte zusammen stellen können, dann sagt das denke ich schon eine Menge aus. Auch wenn das jetzt vielleicht ziemlich hart klingt, aber ich halte die Produzenten dieses Albums für ziemlich inkompetent.
Lasst euch nicht unterkriegen Lavive. Ihr könnt viel mehr als das und habt noch eine Menge Potential und zumindest ich für meinen Teil würde mich sehr über gutes zweites Album freuen.