Für ihren Selbstversuch hätte die Autorin zweifellos vier oder fünf Sterne verdient, doch für ihr Buch halte ich 2,5 für angemessen. Mein Hauptgrund besteht darin, dass "No Shopping" schlecht geschrieben ist - hölzern, langweilig, voll ermüdender Details, z. B. über die geplante Errichtung eines Funkturms. Von einer professionellen Schriftstellerin hätte ich mehr erwartet.
Zum andern fühlt sich Judith Levine als liberale New Yorker Vorzeige-Intellektuelle (Freiberuflerin in "wilder Ehe", Abtreibungsbefürworterin und Demokratin, DINKs) und wird nicht müde, immer wieder auf ihrem Status herumzureiten. Schön für sie, nervtötend für den Leser. (Will Levine damit ihre "geschwächte Konsumkraft" sublimieren?)
Gleichzeitig kommt sie ausgesprochen arrogant und humorlos rüber und erscheint mir obendrein völlig unkreativ. Das wundert mich übrigens bei ihrem Beruf. Wieso findet sie Stricken lernen doof? Wieso belächelt ausgerechnet sie als ausgesprochen privilegierte Frau die Sichtweise der Leute aus ihrer Einfachheitsgruppe? Wieso ist sie so wenig offen für Neues?
An kaum einer Stelle kommt Begeisterung für das Konsumverzicht-Experiment rüber, das ganze Buch atmet Frust. Nebenbei sei bemerkt, dass das Paar drei Autos (deren Notwendigkeit lang und breit begründet wird - gähn), eine Wohnung in New York sowie ein geräumiges Haus in Vermont besitzt, das künftig als Lagerstätte für einen Haufen Papiermüll noch großzügig erweitert werden soll!
Hier wurde ein interessantes Thema verschenkt. Wer ein unterhaltsames, witziges und obendrein nachdenklich stimmendes Buch zum Thema "Jammern auf hohem Niveau" lesen möchte, sollte zu Alexander von Schönburgs "Die Kunst des stilvollen Verarmens" greifen. Oder ein ernsthaftes Sachbuch lesen.